Trotz Ermittlungen: Brasiliens Präsident lehnt Rücktritt ab

Das oberste Bundesgericht Brasiliens hat gestern Ermittlungen gegen Präsident Michel Temer wegen Korruption genehmigt. Das Gericht habe Ermittlungen eingeleitet, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Agencia Brasil. Vorausgegangen waren Berichte brasilianischer Medien, wonach Temer Schweigegeldzahlungen an den inhaftierten Ex-Parlamentspräsidenten Eduardo Cunha gebilligt hatte.

„Werde nicht zurücktreten“

Nach den Enthüllungen lehnt Präsident Temer einen Rücktritt jedoch ab. „Ich werde nicht zurücktreten“, sagte er nach stundenlangen internen Beratungen in einer kämpferischen Ansprache in Brasilia. „Ich habe das Schweigen von niemandem erkauft“, sagte er. Der konservative Politiker forderte eine rasche Untersuchung und kritisierte, dass er illegal abgehört worden sei.

Im ganzen Land forderten gestern erneut Hunderttausende Demonstranten Temers Rücktritt. In Rio de Janeiro kam es zu schweren Ausschreitungen.

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Tausende forderten auf den Straßen Rios den Rücktritt Temers.

Börse bricht ein

Zuvor hatten die Enthüllungen und Spekulationen über einen Rücktritt Temers die Börse des fünftgrößten Landes zu Handelsbeginn abstürzen lassen. Der Leitindex Ibovespa mit den Werten von rund 70 Unternehmen fiel an der Börse in Sao Paulo zwischenzeitlich um 10,46 Prozent, der Handel musste zeitweilig ausgesetzt werden.

Der Dollar wurde so stark wie seit Wochen nicht mehr im Vergleich zur Landeswährung Real notiert, der Kurs lag bei einem Dollar zu 3,3150 Real. Aktien des Petrobras-Konzerns fielen um 20 Prozent, die Papiere der Banco do Brasil um fast 25 Prozent.