„Volksverräter“: Symposium über Ungarn im Wiener Werk X

Unter dem Titel „Die Volksverräter - Was kommt nach Volk und Nation?“ veranstaltet das zeitgenössische Sprechtheater Werk X dieses Wochenende eine Konferenz in seiner Spielstätte am Wiener Petersplatz.

Passend zum Spielzeitmotto des Theaters, „Vorsicht Volk“, diskutieren internationale Experten und Expertinnen, wie der in Budapest geborene Publizist Paul Lendvai und die deutsch-ungarische Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovszky, seit gestern den Begriff „Volk“ und blicken dabei Richtung Ungarn.

Angriff auf die Akademische Freiheit

Linke Hysterie oder eine echte Gefahr für die Demokratie? Die Konferenzteilnehmer befassen sich vor allem mit der Frage, ob und inwieweit Orbans Regierung Ähnlichkeiten mit faschistischen Regimen der Vergangenheit aufweist. Ein Versuch Orbans, den verfemten Liberalismus zu unterdrücken, sorgt derzeit für viele Diskussionen.

Anfang April legte die ungarische Regierung einen Änderungsentwurf zum Hochschulgesetz vor, der zu einer Schließung der Budapester Central European University (CEU) führen könnte. Eine Angriff auf die akademische Freiheit, der nicht nur zu heftigen Protesten führte, sondern auch für viel Gesprächsstoff bei internationalen Politikern und Kulturwissenschaftlern sorgt.

Zeitalter des Irrationalismus

Die Konferenzteilnehmer gehen zusätzlich der Frage nach, warum die „Europäische Wertegemeinschaft“ keinerlei Anstalten zur Intervention macht und ob Ungarn als eine Art Vorreiter für die Rückkehr autoritärer Herrschaft fungiert.

Während am ersten Tag die Monster unserer Zeit im Fokus der Gespräche stehen, wird am zweiten Tag die Frage nach dem Beginn eines neuen Zeitalters des nationalistischen Irrationalismus thematisiert und nach Gründen für den internationalen Rechtsruck gesucht. Es diskutieren unter anderem Klaus Theweleit, Fahim Amir und Anselm Neft.

Für kulturelles Rahmenprogramm sorgt das Filmscreening von „Just the wind“ von Bence Fliegauf und Musik von „Der Singende Tresen“, ein Wortkonzert mit Texten, O-Tönen, Sounds und Musik.