Brasiliens Präsident in Schmiergeldaffäre weiter belastet

Der brasilianische Präsident Michel Temer gerät immer tiefer in den Korruptionsskandal um den Ölkonzern Petrobras. Der Chef des Fleischproduzenten JBS, Joesley Batista, erklärte in einer gestern vom Obersten Gerichtshof veröffentlichten Aussage, er habe Temer 2014 rund 4,6 Millionen Dollar an Schmiergeld gezahlt.

Damals war Temer noch nicht Staatsoberhaupt, aber Stellvertreter von Präsidentin Dilma Rousseff. Batista erklärte, seine Firma habe erreichen wollen, dass das Erdgasmonopol von Petrobras gebrochen wird. In seiner Zeugenaussage erklärte Batista, auch Rousseff, die 2016 wegen des Skandals abgesetzt wurde, habe Geld erhalten. Auf ihr Konto in einer Steueroase seien 30 Millionen Dollar geflossen. Der frühere Präsident Luiz Inacio Lula da Silva habe 50 Millionen Dollar erhalten.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, die Zeugenaussage Batistas lege nahe, dass zudem der frühere Parlamentspräsident Eduardo Cunha, der in Haft sitzt und ein möglicher Zeuge ist, mit Zustimmung Temers monatliche Schweigegelder erhalten habe. Temer hat die Vorwürfe zurückgewiesen und einen Rücktritt abgelehnt. Auch Rousseff und Lula hatten mehrfach erklärt, sie seien unschuldig. Der Fall Petrobras ist der größte Korruptionsskandal in der Geschichte des Landes. In der Affäre wurden bereits Manager und Politiker angeklagt.

Brasiliens Börse erholt sich nach Kurssturz

Der brasilianische Aktienmarkt hat sich indes etwas von seinem kräftigen Vortagesrutsch erholt. Der Leitindex Bovespa gewann zuletzt 2,57 Prozent auf 63.178,99 Punkte, nachdem die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit des lateinamerikanischen Landes trotz der jüngsten politischen Turbulenzen bestätigt hatte. Der Bovespa war zeitweise um gut zehn Prozent eingebrochen - auf deutlich unter 61.000 Punkte. Auch der Kurs der Landeswährung Real zeigte sich nach der Talfahrt tags zuvor etwas erholt.