Präsidentenwahl im Iran: Auszählung läuft

Bei der Präsidentschaftswahl im Iran hat sich eine hohe Beteiligung abgezeichnet. Wie das Innenministerium mitteilte, gaben mehr als 40 Millionen Wähler ihre Stimme ab. Das bedeute eine Wahlbeteiligung von rund 70 Prozent. Die Auszählung habe begonnen. Mit Ergebnissen wird heute gerechnet.

Wahlen im Iran

APA/AFP/Haidar Hamdani

Die Regierung hatte die Öffnungszeit der Wahllokale wegen des großen Andrangs um mindestens fünf Stunden verlängern müssen. Viele Wähler sehen in der Abstimmung eine Schicksalsentscheidung für das Land. Es geht um die Fortsetzung der von Amtsinhaber Hassan Rohani verfolgten Reformpolitik, die den Iranern mehr Freiheiten und eine Erholung der Wirtschaft bringen soll.

Rouhanis schärfster Konkurrent ist der erzkonservative Ebrahim Raisi, ein enger Vertrauter des obersten geistlichen und politischen Führers Ajatollah Ali Chamenei. Dieser hatte die Bürger dazu aufgerufen, in großer Zahl und frühzeitig zur Wahl zu gehen. „Das Schicksal des Landes wird vom Volke bestimmt“, erklärte er.

Raisi wirft Regierung Unregelmäßigkeiten vor

Raisi, der in einer Moschee im ärmeren Süden Teherans wählte, propagierte eine „maximale Beteiligung“. Raisis Wahlkampfleiter warf später in einem Brief an die Wahlkommission der Regierung Unregelmäßigkeiten vor. Er kritisierte Hunderte „Akte der Propaganda“ von Regierungsvertretern zugunsten von Rouhani und forderte das Einschreiten der Wahlkommission.

Außer Rouhani und Raisi traten noch der Konservative Mustafa Mirsalim und der Reformer Mustafa Haschemi-Taba an, doch dürften beide nur auf wenige Prozent der Stimmen kommen. Zwei andere Kandidaten zogen sich im Vorfeld zurück. Der umstrittene frühere Präsident Mahmud Ahmadinedschad war wie Hunderte andere Bewerber nicht zur Wahl zugelassen worden.

Stichwahl Ende Mai möglich

Erhält kein Kandidat mehr als 50 Prozent, findet am 26. Mai eine Stichwahl statt. Die Iraner waren auch aufgerufen, die Stadt- und Gemeinderäte zu bestimmen, wobei die Reformer besonders hofften, in den großen Städten Teheran, Maschhad und Isfahan die Konservativen abzulösen.