Deutsche Supermarktkette analysiert Gesichter von Kunden

In 40 Märkten der deutschen Supermarktkette Real werden die Gesichter von Kunden analysiert. Das Unternehmen Echion testet in den Filialen „eine Blickkontakterfassung von Werbebildschirmen im Kassenbereich“, wie Real heute auf Anfrage mitteilte. Eine über jedem Bildschirm installierte Kamera erkennt alle Blickkontakte und leitet daraus Daten ab. So soll herausgefunden werden, welche Werbefilme gut bei Kunden ankommen.

Real teilte mit, dass sich die Bilder der Kunden nur für etwa 150 Millisekunden im Speicher befänden. Aus ihnen ermittle eine Software die Anzahl der Betrachter, deren geschätztes Alter und Geschlecht sowie den Zeitpunkt und die Dauer des Blickkontakts. Diese Metadaten gingen direkt und verschlüsselt an den Werbedienstleister Echion. Die Bilder selbst werden der Supermarktkette zufolge „weder übertragen noch gespeichert“.

Datenschutzbeauftragter kritisch

Datenschutzrechtliche Bedenken hat Real bei der Gesichtsanalyse nicht. Die Erkennung der Personen erfolge „komplett anonym“, sagte ein Unternehmenssprecher. Deshalb entstünden „keine personenbezogenen Daten im Sinne des Bundesdatenschutzgesetzes“.

Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Johannes Caspar sieht das von Echion verwendete Verfahren dennoch kritisch. Laut „Spiegel“ (Onlineausgabe) sagte er, sobald „Bilder von Personen durch Kameras erhoben werden, ist das nicht mehr anonym“. Händler müssten Kunden deshalb genauer über die Blickkontaktanalyse informieren.