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Seilbahnszenen anno 1964

Pläne hat es immer wieder gegeben, doch nur eine einzige Luftseilbahn wurde in Wien wirklich gebaut. Sie beförderte die Besucher und Besucherinnen der Internationalen Gartenschau 1964 in Zweiersesseln über das heutige Donaupark-Gelände. Von der Anlage, die in den 80er Jahren zusperrte, hat sich zumindest im ORF-Archiv Material erhalten.

Auch in Wien werden immer wieder Seilbahnprojekte diskutiert, so wie zuletzt eine über fünf Kilometer lange Gondelbahn („Kahlenbergbahn“), die Einheimische sowie Touristen und Touristinnen von der U4-Station Heiligenstadt mit Stops in Jedlesee und Kahlenbergerdorf hinauf zum Kahlenberg bringen soll - doch dieser Bau ist bis dato weder finanziert noch genehmigt.

Auch ein Vorschlag von NEOS, das Steinhof-Gelände via Seilbahn mit den S-Bahn-Stationen Ottakring und Hütteldorf zu verbinden, blieb bisher folgenlos. Und auch bei der Planung des Wiener Hauptbahnhofes gab es kurz Überlegungen, die U-Bahn-Anbindung mit einer Gondelbahn zu verbessern.

ORF-Beitrag 1964

„Vor der Sesselliftschlange stehen Menschenmassen, aber das Warten lohnt sich“, heißt es im onkelhaften Kommentar dieses ORF-Beitrags von 1964.

Hollywoodschaukel hoch über Wien

Eine einziges Projekt wurde in den 60er Jahren allerdings wirklich errichtet: Während der Wiener Internationalen Gartenschau 1964 (WIG 64) transportierte eine zwei Kilometer lange Seilbahn die Besucherinnen und Besucher durch die weitläufige Anlage des heutigen Donauparks. Angelegt war sie als Zweiersessellift, in dem die Besucherinnen und Besucher wie in den damals hochmodernen Hollywoodschaukeln Platz nehmen und die nunmehr begrünte, vormalige Müll- und Schuttdeponie von oben bewundern sollten.

Sessellift im Wiener Donaupark im Jahr 1964

ORF

Symbole des Nachkriegswohlstands: Seidentuch, Sonnenbrille, Seilbahn

Errichtet wurde der WIG-Sessellift als Panoramaroute in Triangelform mit einer Antriebs- und zwei Umlenkstationen. Die damals ausführende Firma Brüder Girak in Korneuburg fusionierte später mit der Firma Garaventa, die wiederum später vom österreichischen Marktführer Doppelmayr aufgekauft wurde. Eröffnet wurde die Anlage am 16. April 1964 und war bis in die 80er Jahre in Betrieb.

Sessellift im Wiener Donaupark im Jahr 1964

ORF

Die Helfer sehen aus wie Tankwarte, doch Wiens Seilbahn fuhr elektrisch

Nach Betriebsschluss wurden zwar die Seile und Sessel von Wiens einziger urbaner Seilbahn abgenommen, berichten Zeitzeugen im Netz, die futuristischen Stahlmasten sollen jedoch noch jahrelang im Donaupark gestanden und nach und nach von Gestrüpp überwuchert worden sein. Bis heute lassen sich dort auch noch Betonpodeste und andere Spuren des Liftes finden, die von Wiens folgenlosem Anlauf in Richtung „schwebender Nahverkehr“ erzählen.

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