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„Eine beispiellose Situation“

Bei einem der schlimmsten Waldbrände der vergangenen Jahrzehnte in Portugal sind mindestens 57 Menschen ums Leben gekommen - die Opferzahl stieg zuletzt wiederholt. Ministerpräsident Antonio Costa zeigte sich schockiert vom „Ausmaß der Tragödie“ im Kreis Pedrogao Grande knapp 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon.

Die Lage in der Nacht stellte sich nach Behördenangaben sehr besorgniserregend dar. Es gebe einige Dörfer, die „von den Flammen völlig eingekesselt“ seien, sagte der Bürgermeister von Pedrogao Grande, Valdemar Alves, der Zeitung „Publico“. Präsident Marcelo Rebelo de Sousa traf in der Nacht auf Sonntag in der betroffenen Gegend ein und sagte nach einer langen Umarmung mit Alves sichtlich mitgenommen: „Das ist eine beispiellose Situation.“

Opfer wurden in Autos von Flammen eingekreist

Nach Angaben des portugiesischen Innenministeriums waren 18 der später tot geborgenen Menschen mit ihren Fahrzeugen unterwegs, als sie von den Flammen eingeschlossen wurden. Drei der Opfer seien nach ersten Erkenntnissen in der Nähe eines Friedhofs an Rauchvergiftungen gestorben. 59 Menschen seien verletzt worden, teilte Innenstaatssekretär Jorge Gomes am Sonntag mit. Außerdem würden mindestens zwei Personen vermisst.

Waldbrand bei Tojeira in Portugal

Reuters/Rafael Marchante

Das Feuer brach in der Bergregion von Pedrogao Grande, rund 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon, aus

Mehrere Feuerwehrmänner wurden nach amtlichen Angaben in Krankenhäuser gebracht. In einigen Gebieten fiel der Strom aus. Feuerwehrfahrzeuge wurden von den Flammen zerstört, mehrere Familien mussten ihre Häuser verlassen. Bisher ist nichts bekannt, dass Österreicher unter den Todesopfern oder Verletzten wären, wie das Außenministerium mitteilte.

Feuer an vier Fronten aktiv

Das Feuer in der dünn besiedelten Region war am Samstagnachmittag gegen 14.00 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MESZ) aus noch unbekannten Gründen ausgebrochen. Bürgermeister Alves sagte, er sei überzeugt, dass es sich um Brandstiftung handle. Das Feuer sei an vier Fronten aktiv und werde von rund 750 Feuerwehrmännern mit rund 200 Einsatzfahrzeugen und zwei Flugzeugen bekämpft, teilte der Zivilschutz mit.

Rastende Feuerwehrleute

APA/AFP/Patricia De Melo Moreira

Völlig erschöpfte Einsatzkräfte in unmittelbarer Nähe der brennenden Gegenden

Die Flammen griffen auf die Nachbarkreise Figueiro dos Vinhos, Castanheira de Pera und Gois über. Starke Winde erschwerten die Löscharbeiten, hieß es. Spanien kündigte die Entsendung von zwei Canadair-Löschflugzeugen an. Außerdem rückte noch in der Nacht Verstärkung aus verschiedenen Teilen des Landes an.

Insgesamt elf Brände durch Hitzewelle

Das Feuer in Pedrogao Grande war am Wochenende allerdings nicht das einzige, das die Feuerwehr Portugals am Wochenende auf Trab hielt. Nach Mitteilung des Zivilschutzes gab es unter anderem auch aufgrund einer Hitzewelle mit Temperaturen von über 35 Grad insgesamt elf Waldbrände, die von mehr als 1.500 Einsatzkräften bekämpft wurden.

Der Kreis Pedrogao Grande hat auf 128 Quadratkilometer Fläche lediglich rund 4.000 Einwohner, die sich in erster Linie der Land-, aber auch der Textilwirtschaft widmen. Die nahezu unberührte Natur mit Lagunen und Stauseen zieht seit Jahren immer mehr Wanderer und Wassersportler an.

Einen ähnlich schlimmen Waldbrand - was die Opferzahl betrifft - hatte es in Portugal zuletzt vor einem halben Jahrhundert gegeben. 1966 starben bei einem siebentägigen Feuer in Sintra in der Nähe von Lissabon 25 Menschen, allesamt Angehörige des Militärs.

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