Themenüberblick

„Feuer wütet mit großer Wucht“

Bei einem der schlimmsten Waldbrände der vergangenen Jahrzehnte in Portugal sind mindestens 62 Menschen ums Leben gekommen - die Opferzahl ist zuletzt wiederholt gestiegen. Die Lage stellt sich nach Behördenangaben sehr besorgniserregend dar. Es gebe einige Dörfer, die „von den Flammen völlig eingekesselt“ seien, wie der Bürgermeister des Unglücksorts Pedrogao Grande sagte.

Das Feuer brach am Samstag inmitten einer extremen Hitzewelle in der zentralportugiesischen Bergregion um Pedrogao Grande, rund 200 Kilometer von Lissabon entfernt, aus. Starke Winde fachten die Flammen weiter an. Ministerpräsident Antonio Costa zeigte sich vom „Ausmaß der Tragödie“ schockiert. Präsident Marcelo Rebelo de Sousa sprach von einer „beispiellosen Situation“.

Viele Opfer in Autos verbrannt

Nach Angaben des portugiesischen Innenministeriums waren viele der später tot geborgenen Menschen mit ihren Autos unterwegs, als sie von den Flammen eingeschlossen wurden und qualvoll verbrannten. 50 Menschen seien verletzt worden, teilte Innenstaatssekretär Jorge Gomes Sonntagnachmittag mit. Das Feuer wüte an zwei Fronten noch immer mit „großer Wucht“, sagte er.

Ausgebranntes Auto auf einer Straße in der Nähe von Pedrogao

APA/AFP/Patricia De Melo Moreira

Viele Menschen verbrannten während der Flucht in ihren Autos

Feuer an mehreren Fronten aktiv

Das Feuer in der dünn besiedelten Region war am Samstagnachmittag gegen 14.00 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MESZ) ausgebrochen. Das Feuer sei an mehreren Fronten aktiv und werde von rund 750 Feuerwehrmännern mit rund 200 Einsatzfahrzeugen und zwei Flugzeugen bekämpft, teilte der Zivilschutz mit.

Karte von Portugal

OSM/ORF

Mehrere Feuerwehrmänner wurden nach amtlichen Angaben in Krankenhäuser gebracht. In einigen Gebieten fiel der Strom aus. Feuerwehrfahrzeuge wurden von den Flammen zerstört, mehrere Familien mussten ihre Häuser verlassen. Bisher ist nichts bekannt, dass Österreicher unter den Todesopfern oder Verletzten wären, wie das Außenministerium mitteilte.

„Keinen Feuerwehrmann gesehen“

Nach Angaben von Augenzeugen waren die Einsatzkräfte völlig überfordert. „Als die Flammen in der Nacht unseren Häusern immer näher kamen, habe ich stundenlang keinen einzigen Feuerwehrmann gesehen“, sagte eine ältere Frau in der betroffenen Region um den Kreis Pedrogao Grande dem Fernsehsender RTP. Ähnlich äußerten sich auch andere Menschen bei RTP. Der Bürgermeister von Pedrogao Grande, Valdemar Alves, hatte bereits in der Nacht eine „ungenügende Zahl von Einsatzkräften“ beklagt.

Polizei: Brand durch Blitzschlag verursacht

Nach Angaben der Polizei ist der Brand durch Blitzschlag ausgelöst worden. Am Samstagnachmittag habe sich über dem betroffenen Gebiet ein Gewitter entladen, ohne dass es dabei regnete, sagte der Direktor der Kriminalpolizei, Jose Almeida Rodrigues, am Sonntag der Nachrichtenagentur Lusa.

„Alles deutet ganz klar auf natürliche Ursachen hin. Wir haben in Zusammenarbeit mit der Nationalgarde sogar den Baum gefunden, der von einem Blitz getroffen wurde.“ In der Nacht auf Sonntag hatte sich Pedrogao Grandes Bürgermeister Alves noch davon überzeugt gezeigt, dass das Feuer gelegt wurde.

EU sagt Hilfe zu

Die Flammen griffen auf die Nachbarkreise Figueiro dos Vinhos, Castanheira de Pera und Gois über. Die EU sagte Portugal Hilfe zu. „Es wird alles getan werden, um den Behörden und den Menschen in Portugal in dieser Zeit der Not zu helfen“, sagte der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides.

Feuerwehrleute

APA/AP/Armando Franca

Schwierige Löscharbeiten: Starke Winde fachen das Feuer immer wieder an

Auf Bitte Portugals würden über die Nothilfekoordinierung der EU Löschflugzeuge organisiert. Frankreich habe sofort drei Maschinen zugesagt, die nun rasch entsandt würden. Zusätzlich helfe Spanien ebenfalls mit Flugzeugen. Stylianides drückte seine Trauer um die Opfer und sein Mitgefühl für die Betroffenen aus. Die Regierung rief unterdessen eine dreitägige Staatstrauer aus. Die Trauer galt ab Sonntag, wie die Regierung in Lissabon mitteilte.

ORF-Korrespondent Manola zur Lage in Portugal

ORF-Korrespondent Josef Manola berichtet über die Lage im Krisengebiet in Portugal, die von einem beispiellosen Waldbrand heimgesucht wurde. Es sei zu befürchten, dass die Opferzahl noch steigen könnte.

Insgesamt elf Brände durch Hitzewelle

Das Feuer in Pedrogao Grande war am Wochenende allerdings nicht das einzige, das die Feuerwehr Portugals am Wochenende auf Trab hielt. Nach Mitteilung des Zivilschutzes gab es unter anderem auch aufgrund einer Hitzewelle mit Temperaturen von über 35 Grad insgesamt elf Waldbrände, die von mehr als 1.500 Einsatzkräften bekämpft wurden.

Der Kreis Pedrogao Grande hat auf 128 Quadratkilometer Fläche lediglich rund 4.000 Einwohner, die sich in erster Linie der Land-, aber auch der Textilwirtschaft widmen. Die nahezu unberührte Natur mit Stauseen zieht seit Jahren immer mehr Wanderer und Wassersportler an.

Einen ähnlich schlimmen Waldbrand - was die Opferzahl betrifft - hatte es in Portugal zuletzt vor einem halben Jahrhundert gegeben. 1966 starben bei einem siebentägigen Feuer in Sintra in der Nähe von Lissabon 25 Menschen, allesamt Angehörige des Militärs.

Links: