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„Land wird sich nicht spalten lassen“

Nach dem Anschlag auf Muslime in London hat die britische Premierministerin Theresa May versichert, ihre Regierung werde gegen Terrorismus und Extremismus jeglicher Art kämpfen. Die blutige Attacke erinnere daran, dass „Terrorismus, Extremismus und Hass viele Formen annehmen“, sagte May nach einer Krisensitzung am Montag in der Downing Street.

„Unsere Entschlossenheit, sie zu bekämpfen, muss dieselbe sein, wer auch immer verantwortlich ist.“ Bei dem Vorfall in der Nacht handle es sich um einen Angriff auf Muslime in der Nähe ihres Gotteshauses, sagte May vor Journalisten. Das Land werde sich durch die Tat aber nicht spalten lassen. „Hass und Böses dieser Art werden niemals Erfolg haben.“ Sie verurteilte Extremismus jeder Art. Auch die Londoner Polizei gab am Nachmittag bekannt, dass es sich bei dem Angriff „ganz klar um eine Attacke gegen Muslime“ handle.

Britische Premierministerin Theresa May

Reuters/Hannah McKay

Premierministerin May bei ihrer Ankunft vor der Moschee im Londoner Stadtteil Finsbury Park am Montag

In der Nacht auf Montag war ein 47-jähriger Mann mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge in der Nähe einer Moschee im Londoner Stadtteil Finsbury Park gerast. Dort hatten Vertreter der Glaubensgemeinschaft das traditionelle abendliche Fastenbrechen im muslimischen Fastenmonat Ramadan gefeiert. Nach Polizeiangaben wurden zehn Menschen verletzt. Alle Opfer seien Muslime.

Terrorvorwürfe gegen Verdächtigen

Ob ein am Tatort gestorbener Mann als Folge des Angriffs umkam, war nach Angaben der Polizei zunächst unklar - er bekam schon vorher Erste Hilfe. Der Fahrer wurde von Zeugen festgehalten und festgenommen, wie die britische Polizei mitteilte. Er wurde „wegen Terrorismus“ inhaftiert. Weitere Vorwürfe betreffen „Auftrag, Vorbereitung oder Anstiftung zum Terrorismus einschließlich Mordes und versuchten Mordes“. Zuvor war der Mann nur wegen versuchten Mordes festgenommen worden.

Karte zeigt Anschlagsort in London

Grafik: OSM/APA/ORF.at

Britische Medien identifizierten den festgenommenen Fahrer als 47-jährigen Darren Osborne. Der Mann sei vierfacher Vater, hieß es. Wie die BBC berichtete, wuchs der Mann in der westenglischen Küstenstadt Weston-super-Mare auf. Am Abend wurde ein Haus im walisischen Cardiff durchsucht. Dabei soll es sich Medienberichten zufolge um das Haus des Verdächtigen handeln.

Fahrer rief laut Zeugen: „Ich will alle Muslime töten“

Der Lenker des Kleintransporters war der Polizei nicht bekannt. Das sagte der britische Sicherheitsstaatssekretär Ben Wallace am Montag. Auch das Motiv des Täters war zunächst unklar, Waffen hatte er nach Angaben der Polizei nicht dabei. Der Lieferwagen wurde von einer Firma in Pontyclun in der Nähe der walisischen Hauptstadt Cardiff ausgeliehen, gab der Minister für Wales, Alun Cairns, bekannt. Die Polizei in Südwales arbeite mit den Ermittlern von Scotland Yard in London zusammen.

Der Täter sollte unter anderem auf seine psychische Gesundheit untersucht werden und wurde nach der Verhaftung in ein Krankenhaus gebracht. Dem Leiter des muslimischen Gebetshauses zufolge soll er gerufen haben: „Ich habe meinen Teil getan.“ Laut einem Augenzeugen, Khalid Amin, rief der Fahrer zudem nach der Tat: „Ich will alle Muslime töten.“ Der Mann habe in die Menge gesteuert und die Menschen „einfach überfahren“, sagte Amin am Montag der BBC. Augenzeugen berichteten, dass der Täter groß und hellhäutig sei.

Anschlag gegen Muslime in London

Es war ein Anschlag gegen Muslime, die in einer Moschee gebetet hatten. Ein Mann ist im Stadtteil Finsbury Park in eine Menschengruppe gefahren. Nach der Attacke ist ein Mann tot, zehn Menschen verletzt. Die Anti-Terror-Einheit der Polizei hat die Ermittlungen übernommen.

Khan: „Fürchterlicher Terroranschlag“

Londons Bürgermeister Sadiq Khan sprach bereits in den frühen Morgenstunden via Twitter klar von einem Terroranschlag, auch auf Facebook schrieb er: „Die Londoner Polizei ist nach einem fürchterlichen Terroranschlag auf unschuldige Menschen in Finsbury Park im Einsatz.“ Die kompletten Details seien noch nicht bekannt, „aber das war klar ein gezielter Angriff auf unschuldige Londoner, von denen viele gerade die Gebete während des heiligen Monats Ramadan beendeten“.

Rat der Muslime: Möglicherweise Islamhass

Auch der britische Rat der Muslime vermutete bereits in den Morgenstunden, dass der blutige Zwischenfall ein gezielt gegen Muslime gerichteter Anschlag gewesen sei. „Von den Augenzeugenberichten her scheint es, als wäre der Täter von Islamhass motiviert gewesen“, schrieb der Rat in der Früh auf Twitter. Muslime hätten in den vergangenen Wochen und Monaten oft Islamhass erleben müssen, der nächtliche Vorfall nahe einem muslimischen Gemeinschaftshaus sei dessen „gewalttätigste Manifestation“ bisher.

Der Rat forderte Polizeischutz für Moscheen. Die Behörden müssten nicht nur den aktuellen Vorfall aufklären, sondern auch etwas gegen die „in höchstem Maße beunruhigende Zunahme des Islamhasses“ tun. Laut Angaben der Polizei sind zusätzliche Beamte im Einsatz, auch in der Nähe von muslimischen Einrichtungen. Die Moschee im Stadtteil Finsbury Park war früher eine Anlaufstelle für Islamisten, wurde 2003 geschlossen und 2005 unter einer gänzlich neuen Führung wiedereröffnet.

Verstärkt Gewalttaten gegen Muslime

Britischen Sicherheitskreisen zufolge haben Gewalttaten gegen Muslime nach der Reihe von islamistischen Terroranschlägen in Großbritannien stark zugenommen. Terroristische Aktivitäten in Verbindung mit rechtsextremen Gruppen würde genau verfolgt werden, sagten Anti-Terror-Spezialisten am Montag. Hinter den jüngsten Angriffen seien aber keine Gruppen, sondern jeweils Einzeltäter gestanden.

Ermittler am Tatort

APA/AFP/Daniel Leal-Olivas

Die Polizei sperrte den Tatort für weitere Ermittlungen weitläufig ab

Corbyn: „Entsetzliche und grausame Attacke“

Großbritanniens Oppositionsführer Jeremy Corbyn zeigte sich schockiert über „diese entsetzliche und grausame Attacke (...)“, wie er via Twitter mitteilte. Er sprach den Familien und Freunden des getöteten Mannes sein Beileid aus und kündigte an, in dem betroffenen Gotteshaus zu beten. Großbritanniens Ex-Premierminister David Cameron sprach via Twitter von einer „entsetzlichen terroristischen Attacke auf friedlich betende Muslime“ und rief zur Geschlossenheit auf: „Wir alle müssen gegen solches Böse zusammenstehen.“

Reaktionen aus der EU

Auch die EU-Kommission verurteilte die Attacke scharf. „Jenen, die unsere Gemeinschaften spalten wollen, müssen wir uns mit Einigkeit entgegenstellen“, erklärte Kommissar Dimitris Avramopoulos am Montag über Twitter. Der Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, sagte am Montag in Brüssel: „Nichts rechtfertigt das Töten von Unschuldigen.“

Der EU-Chefunterhändler Michel Barnier sprach den Briten sein Beileid aus. „Meine allerersten Worte sollen mein tiefes Mitgefühl mit dem britischen Volk zum Ausdruck bringen, das mit tragischen Ereignissen konfrontiert ist“, sagte Barnier am Montag in Brüssel zum Auftakt der EU-Verhandlungen mit Großbritannien über einen Austritt des Landes aus der Europäischen Union.

Serie an Terroranschlägen

Großbritannien wurde zuletzt von drei Anschlägen erschüttert. Am 22. März fuhr ein Mann mit einem Auto auf der Westminster Bridge in eine Menschenmenge, bevor er einen vor dem Parlament stationierten Polizisten mit einem Messer tötete. Insgesamt fünf Menschen wurden bei dem Anschlag getötet. Der Angreifer wurde erschossen.

Am 22. Mai sprengte sich ein Attentäter bei einem Konzert der Popsängerin Ariana Grande in Manchester in die Luft. 22 Menschen wurden getötet und Dutzende verletzt. Am 3. Juni rasten drei Männer mit einem Kleinlaster in Fußgänger auf der London Bridge in der britischen Hauptstadt. Anschließend griffen sie Passanten im Viertel um den Borough Market mit Messern an. Acht Menschen wurden getötet. Die Polizei erschoss die Angreifer.

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