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Demonstrative Zurückhaltung

Miuccia Prada, geboren am 10. Mai 1948 als Maria Bianchi, hat das Familienunternehmen Prada zu einem der wichtigsten Modehäuser der Welt gemacht. Sie selbst ist eine der reichsten Frauen Italiens mit einem geschätzten Vermögen von 3,7 Milliarden Euro.

Die Tochter von Gino Bianchi und Luisa Prada trat 1971, nach einem Studienabschluss in Politikwissenschaften an der Universität Mailand und nach Auftritten als Schauspielerin am Piccolo Teatro, in die familieneigene Firma ein. Sechs Jahre später traf sie auf Patrizio Bertelli, der, ebenfalls aus der Modebranche kommend, ihr Management- und Lebenspartner wurde.

Aufstieg mit Kolonialwaren

Die Wurzeln des Familienunternehmens führen ins Zentrum Mailands, in die Galleria Vittorio Emanuele. Hier eröffnete Miuccias Großvater Mario Prada 1913 gemeinsam mit seinem Bruder Martino ein Geschäft für Kolonialwaren. Verkaufsschlager war ein Koffer aus Elefantenhaut, mit Silber und Kristallen versehen. Der exzentrischen Reisebegleiter gefiel Italiens Herrscherhaus so sehr, dass die Pradas schon sechs Jahre nach der Gründung des Geschäfts zu Hoflieferanten befördert wurden.

Der legendäre Opa Mario war Partisan im Zweiten Weltkrieg, und auch Enkelin Miuccia beteiligte sich am Klassenkampf der Kommunistischen Partei Italiens, und zwar in der Sektion Porta Romana, im Kreis „Carlo Marx“. An der Porta Romana, nahe beim neuen Sitz der Fondazione Prada, befindet sich auch die Wohnung der Pradas, die nie umgezogen sind und oft Prominente zu sich einladen.

Er kocht, sie nicht

Der hemdsärmelige Bertelli überredete Prada zu vielen Unternehmungen, zum Entwerfen einer Schuhlinie (1983), einer Damenkollektion (1988), einer Herrenkollektion (1993) und dazu, ihn zu heiraten. Die Ehe wurde am Standesamt in Arezzo geschlossen, in der toskanischen Heimat von Bertelli, nach acht Jahren des Zusammenlebens, am Valentinstag. Es folgte eine Hochzeitsreise nach St. Petersburg, vor allem in die Eremitage. Die Liebe zur Kunst vereint.

Das Ehepaar Prada ist bekannt für hitzige Auseinandersetzungen und dafür, dass er kocht und sie nicht. Zwei Söhne wurden geboren, Lorenzo, der später bei Massimo Cacciari Philosophie studierte, und eine Laufbahn als Rallyepilot einschlug, hat denselben Geburtstag wie seine Mutter, den 10. Mai. Heute ist er im Aufsichtsrat der Firma. Der zweite Sohn, Giulio, studierte Architektur und kultivierte eine Leidenschaft für das Segeln.

Anfang der 1980er Jahre entwarf Prada eine Kollektion schwarzer Nylontaschen, die auf der ganzen Welt reißenden Absatz fanden. 1988 präsentierte sie ihre erste Pret-a-porter-Kollektion Herbst/Winter in Mailand. Der hier erstmals vorgestellte, auf Schwarz-Weiß-Kontrasten aufgebaute Stil legte den Grundstein für den Erfolg von Prada. 1993 wurde die Linie Miu Miu begründet. Seitdem präsentiert Miuccia Prada ihre Kollektionen regelmäßig in Mailand und Paris.

Brückenschlag zur Architektur

Der Pioniergeist der Modeschöpferin zeigte sich auch darin, dass sie die Erste war, die mit Stararchitekten wie Rem Koolhaas und Herzog & De Meuron beim Design der Prada-Stores in New York (2001), Tokio (2003) und Los Angeles (2004) zusammenarbeitete. Koolhaas berät sie auch beim Entwurf der Sets für die Modeschauen. Prada hält ein Ehrendoktorat vom Royal College of Art in London und einen Ehrenpreis des New Yorker New Museum of Contemporary Art. 2005 reihte sie das „Time Magazine“ unter die 100 einflussreichsten Personen der Welt, weil sie „im Laufe der Jahre ihre Kollegen mit ihrer exzentrischen und extrem eigenen Sensibilität provozierte und beeinflusste“.

Christina Höfferer, für ORF.at

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