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Fälschung kommt immer öfter per Post

Ob Taschen, Parfüms, Uhren oder elektronische Geräte, Pharmazeutika oder Lebensmittel: Das Geschäft mit gefälschten Waren boomt in fast jeder Ecke der Welt. In einer Studie haben nun das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gemeinsam untersucht, auf welchen Routen die billigen Nachahmerprodukte von einem Kontinent zum anderen gelangen und insbesondere, wie sie den Weg nach Europa finden.

Schmuggler benutzten hauptsächlich Hongkong, die Vereinigten Arabischen Emirate und Singapur als ihre zentralen Handelsdrehkreuze und „importieren über sie ganze Containerladungen gefälschter Waren, die dann per Post oder Kurierdienste weiterbefördert werden“, hieß es in einer Mitteilung der beiden Behörden.

Die nachgeahmten Produkte würden größtenteils in China sowie in anderen asiatischen Ländern hergestellt. China ist in allen Produktkategorien im Spitzenfeld - ansonsten gibt es aber je nach Art des Imitats durchaus große Unterschiede. So ist Indien etwa bei der Produktion nachgemachter Pharmazeutika führend.

Auch Türkei wichtiger Produzent

Bei den Herkunftsländern spielt auch die Türkei in mehreren Kategorien - in Bezug auf Importe in die EU - eine herausragende Rolle. Bei Lebensmittel-Raubprodukten gehört das Land mit China, Indien, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten etwa zu den Top-Five-Herkunftsländern.

Als Transitpunkte für ihre weitere Versendung an die einzelnen Destinationen innerhalb der EU dienen laut der Studie vor allem vier Länder - Albanien, Ägypten, Marokko und die Ukraine.

Gefälschte Produkte

Reuters/Alex Grimm

So wie hier der deutsche Zoll, präsentieren Fahnder immer wieder eine große Bandbreite an mehr oder weniger gut gefakten Produkten

Warnung vor kleinen Paketen

Ganz überwiegend wird der Transport laut EUIPO und OECD über den Seeweg abgewickelt, gefälschte Lebensmittel werden allerdings vorwiegend per Flugzeug transportiert. Das Internet werde immer häufiger zum Vertrieb genutzt, wobei Kurierdienste und die reguläre Post zum Einsatz kämen. Vor allem die „letzte Meile“ in die EU nehmen die gefälschten Markenprodukte immer seltener in Containern und auf Paletten und öfter in vergleichsweise kleinen Paketen. Bereits 43 Prozent aller Sendungen enthielten weniger als zehn Artikel.

Entsprechend warnt der Bericht davor, die geringen Kosten für das weltweite Versenden von Paketen mache es für die Behörden zusehends schwieriger, den Produktpiraten und ihren Händlern auf die Schliche zu kommen. Die gefakten Waren in kleinen Paketen zu verschicken „ist ganz klar ein Weg, um das Entdecktwerden zu verhindern und das Risiko von Strafen zu minimieren. Die Pakete zu überprüfen verursacht bei den Zollbehörden Mehrkosten und führt zu spürbaren zusätzlichen Herausforderungen für die Behörden.“ In dem Zusammenhang wird auch erwähnt, dass die starke Zunahme von E-Commerce das Problem zusätzlich verschärfe.

Etikettierung als neuer Fälschertrick

„Die einzige Antwort darauf ist eine engere Zusammenarbeit zwischen nationalen Zollbehörden, Strafverfolgungsbehörden, internationalen Organisationen, Unternehmen und Verbrauchern“, betonte Rolf Alter von der OECD. Zudem rät die Studie, die Rolle von Freihandelszonen als Umschlagsplätze für gefälschte Waren genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Behörden hinken aber wohl auch auf lange Sicht hinterher, denn der Studie zufolge produzieren immer mehr Fälscher direkt innerhalb der EU-Grenzen und greifen lediglich auf gefälschte Etiketten und Verpackungen zurück, die von außerhalb der EU eingeführt werden.

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