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Auch Forscher stehen vor Rätsel

Eigentlich hätte 2017 das Jahr der Erholung für die US-Westküste werden sollen: Nach drei Jahren bisher nicht da gewesener hoher Wassertemperaturen hatte sich das Wasser heuer wieder abgekühlt, so das Magazin „National Geographic“ - doch dann kam die „Invasion“ der Feuerwalzen.

Die kleinen Meereswesen, die nur ein paar Millimeter groß sind, aber Kolonien von einem Meter bilden - eine Art wird auf diese Art sogar bis zu zwölf Meter lang -, haben ganze Abschnitte der US-Westküste in Beschlag genommen. Die Fischer finden in ihren Netzen oft vor allem diese Feuerwalzen, die leuchten können, vor. Teilweise können die Fischer laut eigenen Angaben gar nichts mehr fangen, weil die Netzwerke von Feuerwalzenkolonien so dicht sind.

Quallenartig und fluoreszierend

Die Feuerwalzen sind bizarr geformte, quallenartige, fluoreszierende Meereswesen. Die kegelförmigen Mehrzeller bilden Kolonien und bewegen sich durch Öffnen und Schließen ihrer Schließmuskel im Wasser. Bereits früher wurden Feuerwalzen, die vor allem in tropischen Gewässern beheimatet sind, weit im Norden gesichtet, berichtete „National Geographic“ - aber noch nie in derart großen Mengen.

Auch Wissenschaftler stehen vor einem Rätsel: „Das ist wirklich merkwürdig“, so Jennifer Fisher von der Oregon State University gegenüber dem Magazin, „so etwas habe ich noch nie gesehen.“ Selbst der erfahrene Meeresbiologe Rick Brodeur vom Forschungszentrum für Fischerei in Oregon ist völlig überrascht. „Es ist unglaublich, wie viele es dort gibt“, so Brodeur, der seit 30 Jahren Quallen und andere gelatineartige Kreaturen im Pazifik erforscht.

Folgen für Ökosystem und Fischerei

Die Forscher versuchen nun herauszufinden, wie es zu dieser Flut an Feuerwalzen kommen konnte. Wenn das Phänomen länger anhalten sollte, müsse man sich die Frage stellen, welche Auswirkungen die Tiere auf das Ökosystem haben - und welche wirtschaftlichen Folgen für die Fischerei.

Laut der Meeresbiologin Olivia Blondheim ist unklar, wie groß die Meeresfläche ist, die von der Feuerwalzenschwemme betroffen ist. Jedes Mal, wenn sie die Kolonien sehe, hätten sie sich „ausgebreitet, soweit das Auge reicht“, so die Forscherin gegenüber der Tageszeitung „Guardian“. Die Schwärme, die sich normalerweise in tropischen Gewässern und weitab der Küste bilden, wurden zunächst an der Küste von Oregon gesichtet und wanderten immer weiter nach Norden. Selbst in Alaska wurden mittlerweile Feuerwalzen gesichtet.

„Menge ist einfach verrückt“

Erste Berichte über Sichtungen an der Westküste der USA gab es laut Blondheim vor drei Jahren, doch heuer sei die „Menge einfach verrückt“. Ein Hinweis darauf, wie rasant sich die Kolonien offenbar vermehren und ausbreiten: Selbst der seit Jahrzehnten forschende Experte Brodeur sah erst vor wenigen Jahren erstmals Feuerwalzen in freier Natur. Bei einer Ausfahrt habe man 60.000 Kolonien in nur fünf Minuten gezählt. Die Tiere hätten „geleuchtet, trieben auf der Meeresoberfläche und bedeckten das Wasser völlig“, so Blondheim.

Verschiedene Ursachen möglich

Die Meeresbiologin Lisa-ann Gershwin verwies gegenüber dem „Guardian“ darauf, dass es bereits in der Vergangenheit eine Schwemme an unerwarteten Stellen gegeben habe, so etwa auch in der Subantarktis. Es könnte ein völlig natürliches Phänomen sein, das schiere Ausmaß lasse aber eher darauf schließen, „dass etwas anderes dahintersteckt“. Einig sind sich Gershwin und Blondheim laut „Guardian“, dass man untersuchen sollte, ob die Schwemme mit der Erwärmung des Wasser zusammenhängt. Andere Ursachen könnten ein verändertes Ernährungsverhalten oder ungewöhnliche Meeresströmungen sein.

Unklar ist, wovon sich die Feuerwalzen genau ernähren. Nicht wirklich erforscht ist auch, für wen sie als Futter dienen. Manche Wissenschaftler befürchten, dass die Tiere, wenn sie sterben und sich zersetzen, große Mengen Sauerstoff aufsaugen und damit zu einer Gefahr für andere Meereslebewesen werden könnten.

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