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Bild der Zerstörung

Nach den heftigen Zusammenstößen zwischen G-20-Gegnern und der Polizei am Donnerstagabend ist es in Hamburg Freitagfrüh mit Demonstrationen und Auseinandersetzungen mit der Polizei weitergegangen. Den schweren Krawallen vom Vorabend waren in der Nacht hingegen nur noch vereinzelte Scharmützel gefolgt.

Die Polizei sprach nach den heftigen Auseinandersetzungen in der Nacht von mindestens 76 verletzten Beamten, einer der „Welcome to Hell“-Initiatoren von „zahlreichen“ Verletzten aufseiten der Demonstranten.

Ausschreitungen beim G20-Gipfel 2017 in Hamburg

Reuters/Fabrizio Bensch

Die Polizei setzte Wasserwerfer ein

Der Polizei zufolge mussten drei verletzte Beamte im Krankenhaus behandelt werden. Piloten eines Polizeihubschraubers erlitten Augenverletzungen durch Laserpointer.

Angriff auf Polizeirevier

Bereits Freitagfrüh versammelten sich indes Hunderte Demonstranten an den Hamburger Landungsbrücken und am Verkehrsknotenpunkt Berliner Tor. Die Gruppe „Block G-20 - Colour the red zone“ hatte angekündigt, in die engste Hochsicherheitszone vordringen zu wollen. An den Landungsbrücken setzten sich mehr als 1.000 weiß und lila gekleidete Menschen in Bewegung. Viele skandierten: „Haut ab, haut ab!“ Die Polizei ging nach Augenzeugenberichten mit Schlagstöcken gegen Teilnehmer vor. Am Berliner Tor starteten mehr als 200 Teilnehmer, es kam zu Rangeleien zwischen Demonstranten und der Polizei.

„Unser Ziel ist es, den Ablauf des G-20-Gipfels spürbar zu stören und die Inszenierung der Macht, die der Gipfel darstellt, zu brechen“, heißt es in einer Selbstdarstellung von „Block G-20 - Colour the red zone“. „Wir werden dazu einen massenhaften, öffentlich angekündigten Regelübertritt begehen. Unsere Aktionen sind ein gerechtfertigtes Mittel des massenhaften widerständigen Ungehorsams.“

Die Polizei teilte im Kurzmitteilungsdienst Twitter mit, dass ein Bundespolizeirevier im Stadtteil Altona angegriffen worden sei. Auf dem dortigen Bahnhof würden Gewalttäter Brandsätze werfen, Streifenwagen würden brennen.

Wasserwerfer, Flaschen, Barrikaden

Im Hamburger Schanzenviertel waren in der Früh überall noch die Spuren der Verwüstung von der Nacht zu sehen. Bankautomaten wurden demoliert, ganze Straßenzüge waren mit Glasscherben und herausgerissenen Pflastersteinen bedeckt. Auch in anderen Hamburger Stadtteilen gab es Zerstörungen.

Ausschreitungen beim G20-Gipfel 2017 in Hamburg

APA/AFP/Odd Andersen

Barrikaden wurden angezündet

Die Polizei hatte während und nach der Autonomenkundgebung „Welcome to Hell“ am Donnerstagabend Wasserwerfer eingesetzt, gewalttätige Demonstranten warfen Flaschen auf die Beamten. In einigen Straßen der Innenstadt brannten Barrikaden, Schaufenster wurden eingeschlagen.

Menge wurde auseinandergetrieben

Etwa 1.000 Vermummte hatten sich nach Angaben der Polizei unter die rund 12.000 überwiegend friedlichen Demonstranten gemischt. Die Beamten stoppten den Zug kurz nach dem Start und setzten Pfefferspray sowie Wasserwerfer ein.

Ausschreitungen beim G20-Gipfel 2017 in Hamburg

APA/AP/Markus Schreiber

Ein Demonstrant ließ sich per Wasserwerfer „abkühlen“

Aus den Reihen der Demonstranten flogen Flaschen, Feuerwerk wurde gezündet. Die Menge wurde auseinandergetrieben. An vielen Orten in der Innenstadt gab es anschließend Scharmützel, kleinere Barrikaden wurden errichtet und angezündet. Die Veranstalter warfen der Polizei ein unverhältnismäßiges Vorgehen vor. Auch das globalisierungskritische Netzwerk ATTAC verurteilte die Polizeistrategie.

Feuerwehr musste Dutzende Male ausrücken

Ein Polizeisprecher sagte: "Eine Vermummung in einem Aufzug ist ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz und wird von uns nicht geduldet." Man habe versucht, den „Schwarzen Block“ der Linksautonomen von den friedlichen Demonstranten zu trennen - dann hätte die Kundgebung fortgesetzt werden können. Das sei aber nicht gelungen. Ein Sprecher der Hamburger Feuerwehr sagte, bis kurz nach Mitternacht sei die Feuerwehr knapp 60-mal zu Rettungseinsätzen gerufen worden.

"Welcome to Hell"-Demo in Hamburg

APA/AFP/John MacDougall

Beamte versuchten, den „Schwarzen Block“ vom Rest der Demonstranten zu trennen

Um den G-20-Tagungsort in den Messehallen gilt am Samstag von 6.00 bis 17.00 Uhr in Teilen der Hambruger Innenstadt ein Versammlungsverbot. Dann etwa endet das G-20-Treffen.

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