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Wo wie viel gegangen wird

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten Erwachsene für einen gesunden Lebensstil täglich 10.000 Schritte gehen. Das Gros der Menschheit ist davon weit entfernt, wie Forscher der Universität Stanford (USA) nun herausgefunden haben. Sie untersuchten über drei Monate hinweg die Schrittzählerdaten von 720.000 Menschen aus 111 Ländern und veröffentlichten nun eine Studie, die die Bewegungsdaten sowohl im Ländervergleich als auch in Relation mit anderen Messewerten analysiert.

Österreich liegt im internationalen Vergleich mit 5.351 Schritten täglich im Mittelfeld und befindet sich damit auf ungefähr dem gleichen Niveau wie die meisten europäischen Länder. Europameister im Gehen sind die Ukrainer, die mit 6.107 Schritten das einzige Land des Kontinents sind, in dem die 6.000er Grenze überschritten wird.

Mit durchschnittlich 3.370 Schritten am Tag sind die Salvadorianer das Schlusslicht des Länderrankings, knapp vor Honduras (3.382 Schritte) und Pakistan (3.413 Schritte). Am anderen Ende der Skala stehen die Bewohner der zwei chinesischen Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao, deren Bewohner mit 6.879 bzw. 6.346 Schritten knapp mehr gehen als die Chinesen (6.188 Schritte). Auch in Japan und Russland werden viele Wege zu Fuß zurückgelegt.

Männer gehen mehr als Frauen

Die Forscher aus Stanford beschränkten sich aber nicht auf das reine Schrittezählen. Sie erhoben auch - anonymisiert - Alter, Geschlecht, Herkunft und Body-Mass-Index der Probanden. Besonders auffällig sei laut der im Wissenschaftsmagazin „Nature“ veröffentlichten Studie der Unterschied zwischen Männern und Frauen. Weibliche Studienteilnehmer gehen international gesehen laut Schrittzähler-App im Schnitt mehrere hundert Schritte weniger als Männer. Die größte geschlechterabhängige Differenz wurde in Malaysia, Saudi-Arabien und Katar registriert, dort gehen Männer um über 30 Prozent mehr zu Fuß als Frauen.

Die Anzahl der Schritte hat auch Auswirkungen auf den Body-Mass-Index. Das Fazit der Forscher diesbezüglich lautet: Nicht die durchschnittliche Zahl der Schritte pro Tag ist ausschlaggebend für die Fettleibigkeitsrate in einem Land, sondern die Verteilung der Bewegung. Wo die Menschen alle in etwa gleich viel gehen, sind weniger Menschen übergewichtig, als dort, wo manche sehr viel und andere sehr wenig gehen. „Activity inequality“ („Aktivitätsungleichheit“) nennen die Wissenschaftler dieses Phänomen.

Mexikaner und US-Amerikaner gehen im Schnitt täglich in etwa gleich weit. Während sich bei Mexikanern der Wert jedoch relativ ausgeglichen über die Probanden verteilte, waren die US-Amerikaner deutlich gespaltener in solche, die sich extrem viel, und solche, die sich extrem wenig bewegen. Die Adipositasrate ist in den USA wiederum deutlich höher als in Mexiko.

Die Infrastruktur beeinflusst das Gehverhalten

Dass die Aktivitätsungleichheit auch durch die Infrastruktur bedingt sein könnte, legt der Detailvergleich von 69 US-Städten nahe. Die Schrittverteilung ist in dicht verbauten Städten wie New York und San Francisco deutlich ausgeglichener als in jenen Ballungsräumen, in denen die meisten Wege per Auto zurückgelegt werden müssen. Ausschlaggebend sei jedoch auch, so die Wissenschaftler, die Zahl von urbanen Parks und Grünflächen.

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