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Aber Investitionen stagnieren

Der Verfall des britischen Pfunds lockt immer mehr Touristinnen und Touristen auf die Insel. In den ersten drei Monaten des Jahres stieg die Zahl der Urlaubenden aus dem Ausland um gut ein Fünftel, wie das Statistikamt am Donnerstag mitteilte. Zugleich kamen aber um fast zwei Prozent weniger Geschäftsreisende, sodass insgesamt ein Anstieg bei den ausländischen Besuchern um 9,9 Prozent blieb.

Nach dem „Brexit“-Votum vor gut einem Jahr hat das Pfund zum Dollar zeitweise um ungefähr 20 Prozent an Wert verloren. Die britische Wirtschaft befürchtet dagegen wegen des geplanten Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union negative Folgen. Viele Firmen zögerten zuletzt mit Investitionen, wie eine Umfrage der britischen Handelskammern (BCC) unter mehr als 7.700 Firmen ergab.

Wachstum „im besten Fall statisch“

„Für viele Branchen ist das Wachstum im besten Fall statisch und im schlimmsten Fall fängt es an, sich zu verlangsamen“, sagte BCC-Generaldirektor Adam Marshall. „Dieses gedämpfte Konjunkturbild zeigt, wie wichtig es ist, dass wir in den nächsten Monaten so viel Klarheit wie möglich zur Übergangsphase beim ‚Brexit‘ bekommen.“ Auch bessere Exporte können laut BCC nicht wettmachen, was konsumnahe Unternehmen wegen der hohen Inflation einbüßen. Die BCC-Daten belegen wie zuletzt andere Umfragen, dass viele Firmen mit Investitionen zögern.

Sollte der „Brexit“ langfristig das Wirtschaftswachstum dämpfen, muss die Regierung laut einer Einschätzung des britischen Rechnungshofes entweder die Staatsausgaben senken oder Steuern erhöhen. Das Problem sei nicht die Scheidungsrechnung, die die EU erstellen könne und die Dutzende Milliarden Euro schwer sein dürfte. „Wichtiger ist, welche Folgen die erreichten Vereinbarungen mit der EU für das langfristige Wachstum der britischen Wirtschaft haben werden.“ Wichtig seien vor allem gute Handelsvereinbarungen.

Schuldenberg droht zu wachsen

Sollten das Wirtschaftswachstum und die Steuereinnahmen jährlich nur einen Zehntelprozentpunkt niedriger ausfallen, würde der britische Schuldenberg im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) binnen eines halben Jahrhunderts um 50 Punkte steigen. Derzeit summieren sich die Staatsschulden auf 1,6 Billionen Pfund (1,398 Billionen Euro), was 80 Prozent des BIP entspricht. Das ist doppelt so hoch wie vor der Finanzkrise, aber immer noch unter dem Niveau anderer Industriestaaten wie der USA, Japans und Frankreichs.

Ein höherer Schuldenstand mache die britischen Staatsfinanzen anfälliger für steigende Zinsen als in der Vergangenheit, erklärte der Rechnungshof. Das lasse die Zinskosten nach oben schnellen. Derzeit liegt der Leitzins der Bank of England auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent.

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