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Internationale Fahndung

Nach monatelanger Fahndung ist der österreichische Judo-Doppelolympiasieger Peter Seisenbacher am Dienstag in seiner Wohnung in der ukrainischen Hauptstadt Kiew verhaftet worden. Er war Mitte Dezember nicht zu einem Gerichtstermin in Wien erschienen und wurde seitdem international gesucht.

Seisenbacher war am 19. Dezember unentschuldigt seiner Verhandlung im Wiener Landesgericht ferngeblieben, wo er sich vor einem Schöffensenat hätte verantworten müssen. Ihm wird mehrfacher sexueller Missbrauch Unmündiger vorgeworfen. Über Antrag der Staatsanwaltschaft war wenige Stunden nach dem geplatzten Prozess eine Festnahmeanordnung aus dem Haftgrund der Fluchtgefahr ergangen. In Verbindung damit wurde ein internationaler Haftbefehl erlassen.

Monatelange Ermittlungen

Seisenbacher wurde am Dienstag um 12.30 Uhr von der ukrainischen Kriminalpolizei gestellt. Der 57-Jährige reagierte auf seine Festnahme völlig überrascht und leistete keinen Widerstand. Auf seine Spur war man nach umfangreichen und monatelangen Telefonüberwachungen und Observationen durch Kontaktbeamte des Bundeskriminalamts (BK) in der Ukraine gekommen.

Vor ein paar Wochen seien konkrete Hinweise auf seinen Aufenthaltsort eingegangen, sagte die Sprecherin des Wiener Landesgerichts für Strafsachen Christina Salzborn. Der untergetauchte Ex-Judoka wechselte zwar regelmäßig seine Handys, kontaktierte aber immer wieder dieselben Personen, darunter auch seine in Wien wohnhafte Mutter. Eine wichtige Rolle bei der Festnahme hätten die in Kiew und Tiflis in Georgien stationierten österreichischen Verbindungsbeamten gespielt, so die Sprecherin.

Auslieferung bereits beantragt

Der Antrag auf Auslieferung Seisenbachers wurde laut Landesgericht bei den ukrainischen Behörden bereits gestellt. Ein neuer Termin für die Hauptverhandlung gegen Seisenbacher wird nach der tatsächlichen Auslieferung festgesetzt. In welchem Gefängnis sich Seisenbacher derzeit befindet, ist nicht bekannt.

Seit Dezember fehlte von Seisenbacher jeder Spur. Er war zuletzt als Trainer der Judo-Herren-Nationalmannschaft in Aserbaidschan tätig gewesen. Seisenbacher soll bereits am 14. Dezember ein Flugzeug von Georgien in die Ukraine genommen und in Kiew eine Wohnung bezogen haben. An seiner Seite soll sich in den Monaten seit seinem Verschwinden eine Frau befunden haben. Sein Anwalt hatte Mitte Jänner beteuert, nicht zu wissen, wo Seisenbacher sich befindet.

Anklage wegen Missbrauchs Unmündiger

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere soll Seisenbacher als Trainer in seinem Wiener Judoverein zwei im Tatzeitraum jeweils unmündige Mädchen sexuell missbraucht haben. Eine weitere Jugendliche wehrte ihn laut Anklage ab, als er zudringlich wurde. Die Staatsanwaltschaft erhob daraufhin Anklage wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen sowie versuchten Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses. Das jüngste Mädchen war laut Anklage neun Jahre alt, als die Übergriffe 1997 begonnen haben sollen.

Seisenbacher hat sich zu den Anschuldigungen bisher nicht öffentlich geäußert. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Der 57-Jährige ist einer der erfolgreichsten Sommersportler Österreichs - 1984 hatte er bei den Olympischen Spielen in Los Angeles Gold geholt und seinen Titel 1988 in Seoul verteidigt.

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