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Vorgaben noch nicht annähernd erfüllt

Die Zahl der weiblichen Aufsichtsräte in österreichischen Unternehmen soll ab kommendem Jahr deutlich steigen: 2018 kommt die verpflichtende Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten von Großunternehmen. Einer Umfrage des Consulting-Unternehmens Kienbaum zufolge stößt das bei Frauen auf große Zustimmung. Die befragten Männer sehen das deutlich anders.

„Je nach Geschlecht unterscheiden sich die Ansichten bezüglich der Frauenquote fundamental. Von einer Akzeptanz der Quote durch beide Geschlechter ist Österreich noch weit entfernt“, so Alfred Berger, Studienleiter bei Kienbaum in Wien. Während die klare Mehrheit der befragten Frauen die Einführung der Quote befürwortet, sind fast alle Männer dagegen. Die Hälfte der Quotengegner hätte lieber eine freiwillige Selbstverpflichtung für das eigene Unternehmen.

Grafik zeigt Fragen zur Frauenquote

Grafik: ORF.at; Quelle: Kienbaum Consultants Austria GmbH

Als Alternative zur gesetzlichen Quote halten 56 Prozent jener Befragten, die sich dagegen aussprechen, stattdessen eine verbindliche, aber vom Unternehmen selbst bestimmte Frauenquote für sinnvoll.

Argumente für und wider gesetzliche Quote

Das zeigt sich auch an den genannten Gründen, warum die Einführung einer gesetzlichen Quote für sinn- bzw. nicht sinnvoll befunden wird. 75 Prozent halten ein „breiteres Spektrum an Sichtweisen“ für eines der Argumente für eine Quote - die meisten von ihnen Frauen. Rund die Hälfte hält die Einführung für „gesellschaftlich angemessen“.

75 Prozent befürchten hingegen mit der Einführung der gesetzlichen Frauenquote, dass die Leistung „nicht mehr im Vordergrund“ stehe. Davon überzeugt sind aber vor allem Männer, wie die Umfrage zeigt. Auch, dass dadurch andere Maßnahmen zur Diversifikation vernachlässigt werden, wird von rund einem Viertel befürchtet.

Grafik zeigt Fragen zur Frauenquote

Grafik: ORF.at; Quelle: Kienbaum Consultants Austria GmbH

Unternehmen erfüllen Quote aktuell praktisch nicht

Auch zu den momentanen Zuständen in ihren Unternehmen wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer befragt. Bereit für die kommende Frauenquote ist der Studie zufolge kaum ein Großunternehmen. Der Anteil in Aufsichtsräten bewegt sich im Mittel zwischen zwölf und 16 Prozent - und damit deutlich unter der vorgegebenen Quote.

Bei den Unternehmen zeigt sich ein deutliches Gefälle, das stark von der Ebene in der Unternehmenshierarchie abhängig ist. Während die Belegschaft insgesamt mit einem mittleren Frauenanteil von 48 Prozent praktisch ausgeglichen ist, wird der Prozentsatz in höheren Führungsebenen von Ebene zu Ebene kleiner und beträgt in der Geschäftsführung nur rund neun Prozent.

Gewünschte Quote nahe an gesetzlicher Regelung

Einigkeit zwischen Männern und Frauen herrscht bei der Frage, wie hoch die Frauenquote ausfallen soll. Zwar gehen die Zahlen zwischen den verschiedenen Unternehmensebenen auseinander, meist wird eine Quote knapp unter der 30-Prozent-Marke genannt. Die tatsächlich beschlossene Quote liegt damit nur knapp über den Vorstellungen der Unternehmerinnen und Unternehmer.

Hürden bei der Umsetzung eines höheren Frauenanteils im Unternehmen sollen vor allem durch die zu geringe Anzahl qualifizierter Kandidatinnen entstehen, insbesondere in Führungspositionen. Auch eine möglicherweise geringere Attraktivität der Branche für weibliche Arbeitnehmerinnen wird häufig als Grund genannt.

Das Beratungsunternehmen befragte 62 Vorstandsmitglieder, Aufsichtsräte und Personalchefs österreichischer Großunternehmen. Das Geschlechterverhältnis der Befragten hält sich mit 53 Prozent Frauen und 47 Prozent beinahe die Waage.

Quote tritt am 1. Jänner 2018 in Kraft

Die Ende Juni beschlossene gesetzliche Frauenquote tritt mit 1. Jänner 2018 in Kraft. Dann soll in börsennotierten Unternehmen sowie Betrieben mit mehr als 1.000 Beschäftigten ein 30-Prozent-Frauenanteil in den Gremien erreicht werden. Dass die Frauenquote wirke, zeigen laut Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) zum einen staatsnahe Firmen, wo es entsprechende Vorgaben schon seit Längerem gibt und der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien in den letzten Jahren auf 40 Prozent gestiegen ist. Es brauche „einen Wandel in der Unternehmenskultur“, erklärte auch SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek in Reaktion auf die Kienbaum-Umfrage

In Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und börsennotierten Unternehmen soll der Aufsichtsrat künftig zumindest 30 Prozent aus Frauen bestehen. Die Erfahrung zeigt, dass mehr Gleichstellung im Unternehmen viele positive Effekte hat. Gemischte Teams bringen bessere wirtschaftliche Erfolge, das heißt, sie sind auch gut für die gesamte Belegschaft.

Auch die deutsche Regelung sieht eine Mindestquote von 30 Prozent Frauen vor - für börsennotierte und voll mitbestimmte Unternehmen mit mehr als 2.000 Mitarbeitern. Werden diese Vorgaben bei der Neubestellung bzw. Nachbesetzung der Gremien nicht erfüllt, dann bleibt das Aufsichtsratsmandat unbesetzt. Auf dieses Prinzip des „leeren Stuhls“ setzt auch die österreichische Regelung. 200 Unternehmen dürften nach Schätzungen von der neuen Regelung zur Frauenquote betroffen sein.

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