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Gewalttätige Proteste nach Vorfall

Argentiniens Menschenrechtsorganisationen gehen nach dem Verschwinden eines Aktivisten auf die Barrikaden. Santiago Maldonado wird vermisst, seit er an einer Demonstration des Mapuche-Volks teilnahm. Die Demonstranten wurden von der Grenzpolizei der Ländereien, die der italienischen Modemarke Benetton gehören, verwiesen. Seither fehlt von dem 28-Jährigen jede Spur.

Der Protest fand am 1. August in Patagonien, rund 1.800 Kilometer von der Hauptstadt Buenos Aires entfernt, statt. Es ging dabei einmal mehr um den seit Jahren schwelenden Konflikt um Land zwischen Benetton und den Mapuche. Die Gründe gehören der Compania de Tierras Sud Argentino, einer Wollfirma von Benetton. Die Mapuche beanspruchen das Territorium für sich. Maldonados Familie sagte, der Aktivist sei von der argentinischen Grenzpolizei abgeführt worden.

Ausschreitungen nach Verschwinden

Für die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) im Land ist Maldonados Verschwinden ein Skandal der Behörden. „In einem Rechtsstaat ist es inakzeptabel, dass Sicherheitskräfte am Wegsperren und Verschwindenlassen von Menschen teilnehmen“, sagte die Präsidentin der Menschenrechtsorganisation Abuelas de Plaza de Mayo bei einer Pressekonferenz.

Verwandte von Aktivisten mit Santiago Maldonado halten Schilder mit dem Aufruf "Erscheine jetzt lebend"

AP/Victor R. Caivano

Am Montag marschierten Demonstranten vor dem Kongresspalast in Buenos Aires auf und verlangten Aufklärung

Eine andere Organisation, das Center for Legal and Social Studies, gab vergangene Woche an, die Grenzpolizisten hätten die Gruppe Indigener vor Ort mit Gummigeschossen angegriffen, bevor sie Verhaftungen durchgeführt hätten, „ohne Rücksicht auf Leben oder Unversehrtheit“ der Menschen. Und der Friedensnobelpreisträger Adolfo Perez Esquivel beschuldigte die Regierung der Unterdrückung Indigener.

Das Verschwinden des Aktivisten hatte wütende, teils gewalttätige Proteste im Land ausgelöst. Ein Marsch in Buenos Aires in der Vorwoche geriet außer Kontrolle, als vermummte Demonstranten Molotowcocktails auf Polizisten warfen und einen TV-Wagen zerstörten. Auch ein Journalist wurde angegriffen.

Belohnung ausgelobt

Die Behörden stritten jedes Fehlverhalten ab. Argentiniens Justizministerium lobte gar eine Belohnung von umgerechnet rund 23.000 Euro für Informationen über Maldonados Verbleib aus, nachdem die UNO sofortiges Handeln von der Regierung verlangt hatte.

Der Vorfall wirft neues Licht auf den jahrelangen Zwist der Indigenen mit Konzernen: Das ursprüngliche Stammesgebiet der Mapuche ist heute weitestgehend im Besitz ausländischer Investoren und Großgrundbesitzer. Von Benetton fordern sie Ländereien in Patagonien zurück, wo der Modekonzern etwa eine Million Hektar zur Schafzucht nutzt.

Seit zwei Jahren besetzt

In der Provinz Chubut, wo Maldonado verschwand, besetzte die Mapuche-Gemeinde bereits vor zwei Jahren Land im Besitz Benettons. Sie spricht von Landraub und fordert die Rückgabe. Das Unternehmen klagte dagegen, seitdem gab es etwa zehn erfolglose Räumungsversuche.

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