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„Fixstarter“ auf blauer Bundesliste

Robert Lugar kann wohl zu Recht als politisches Stehaufmännchen bezeichnet werden: Der 47-jährige Ingenieur startete bei der FPÖ, wechselte mit Jörg Haider zum BZÖ und wurde dann wilder Abgeordneter. 2012 schloss sich Lugar dem Team Stronach (TS) an. Nun besinnt er sich offenbar seiner Wurzeln: Am Freitag präsentierte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache Lugar als seinen Neuzugang für die Bundesliste. Lugar tritt auf Platz acht an.

Strache machte es bei der Pressekonferenz am Freitag spannend. Nach den Medienberichten über eine bevorstehende Rückkehr von Lugar zur FPÖ war von diesem zunächst nichts zu sehen. Stattdessen sprach der Parteiobmann selbst, rief ein Duell für die Nationalratswahl am 15. Oktober aus: die FPÖ gegen die rot-schwarze Bundesregierung, so Strache.

„Ohne Freiheitliche Partei wird es zu einer Fortsetzung der rot-schwarzen Koalition kommen.“ SPÖ und ÖVP seien verantwortlich für „Migrationschaos und Integrationsdesaster“. Der 15. Oktober werde zum „Lostag für Österreich“. Von einer Platzierung der FPÖ bei der Wahl wollte der Parteichef nicht mehr sprechen. Das Ziel sei eine Regierungsbeteiligung.

Rückkehr „in die Familie“

Danach präsentierte er eine neue Kandidatin: die oberösterreichische Rechtsanwältin Susanne Fürst. Sie vertrat die FPÖ bereits in der parlamentarischen Enquete für die direkte Demokratie und im ORF-Publikumsrat. Strache streute ihr Rosen: „Sie ist eine starke und erfolgreiche Frau mit vielen fachlichen Qualitäten.“ Sie habe „ohne Zögern und sehr gerne“ Ja zu einer Kandidatur gesagt, so Fürst. Auch sie kritisierte die Zuwanderungspolitik der Regierung.

Susanne Fürst

ORF

Susanne Fürst ist Rechtsanwältin aus Oberösterreich und kandidiert auf Platz sieben

Erst spät kam Strache auf Lugar zu sprechen: Dieser werde wieder Klubmitglied bei den Freiheitlichen und komme somit zu seiner „ursprünglichen Familie“ zurück, so Strache, der nun erst den alten, neuen Parteikollegen aufs Podium bat. Lugar habe bereits 2012 eine Rückkehr versucht. Damals sei aber das Vertrauen noch nicht vorhanden gewesen, sagte Strache. „Natürlich ist Robert Lugar auch g’scheiter geworden“, so Strache. Man habe sich ausgesprochen. Noch am Freitag sollte Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) in einem Brief über Lugars Wechsel informiert werden.

Lugar sagte, er sei im Herzen schon immer Freiheitlicher gewesen, „und daran wird sich auch nie etwas ändern“. Er werde alles tun, um das Vorschussvertrauen zu rechtfertigen. Die ehemaligen TS-Wähler rief er auf, nun die FPÖ zu wählen.

Bericht: Entscheidung vor einer Woche

Lugar war erst am Mittwoch als Klubobmann des Team Stronach zurückgetreten. Zusammen mit der TS-Abgeordneten Martina Schenk verließ er den Parlamentsklub, der damit mangels Mitgliedern seinen Klubstatus verlor. Schenk wechselte zu Karl Schnells Liste. Lugar gab als Grund an, er wolle die Abwicklung des Parlamentsklubs nicht in die Länge ziehen und „auch die Kosten für die Steuerzahler senken“.

Einen Tag später sickerte allerdings schon durch, dass Lugar zur FPÖ zurückkehren würde. Laut „Kurier“ soll es bereits vor einer Woche im FPÖ-Bundesparteivorstand eine inoffizielle Abstimmung gegeben haben, ob man Lugar allenfalls aufnehme, das Votum sei klar zu seinen Gunsten ausgegangen. Lugar erhielt Listenplatz acht. Die FPÖ rechnet laut Strache mit sechs bis neun Mandaten über die Bundesliste.

2012 noch „Verräter“

Lugar hatte aus seiner Absicht, erneut zu kandidieren, kein Hehl gemacht. Offen ließ er aber bis zuletzt, auf welcher Liste. Strache hatte Lugar in der Vergangenheit des Öfteren wegen seiner Wechselfreudigkeit kritisiert.

So schrieb er etwa 2012 auf Facebook: „Sie alle wechselten Parteien wie ihre Unterhosen. Und offenbar auch ihre Gesinnung, wenn sie sich persönlich dabei Vorteile erhoffen. Davor versuche (!) Herr Lugar und Herr Tadler sogar wieder in der FPÖ unterzuschlüpfen, was ich jedoch konsequent abgelehnt habe. Denn einmal Verräter, immer Verräter, heißt es im Volksmund. Und so etwas hat in der FPÖ seit 2005 nichts verloren!“ In jüngster Zeit hingegen gab es Lob: Lugar sei „ja ein ganz ein sympathischer Bursche“, so Strache am 13. Juli im ORF.

Neue Köpfe bei Kurz und Pilz

Auch anderswo geht die Farbwechselei vor der Nationalratswahl am 15. Oktober weiter: Am Freitag will Peter Pilz seine Kandidaten für die Landesliste Oberösterreich präsentieren. Mit dabei: Die Ex-SPÖ-Mandatarin Daniela Holzinger-Vogtenhuber - mehr dazu in ooe.ORF.at. Prominente Neuzugänge ohne politisches Vorleben soll die ÖVP haben: Laut einem „Heute“-Bericht kandidieren auf der Liste Kurz in Oberösterreich Ex-Miss-Austria Sabine Lindorfer und der vierfache Olympiateilnehmer Günther Weidlinger - mehr dazu in ooe.ORF.at. In Kärnten wird Generalsekretärin Elisabeth Köstinger Spitzenkandidatin - mehr dazu in kaernten.ORF.at.

Widmann kandidiert für Schnell

Einen Neuzugang gibt es auch bei Karl Schnells neuer Liste: Der ehemalige FPÖ-und BZÖ-Politiker Rainer Widmann - aktuell Gemeinderat der Bürgerliste WIFF in Freistadt - kandidiert als oberösterreichischer Spitzenkandidat für Schnells Freie Liste Österreich (FLÖ). Das gaben er und Barbara Rosenkranz, die sich mangels FPÖ-Listenplatz der FLÖ angeschlossen hatte, ebenfalls in einer Pressekonferenz am Freitag in Linz bekannt. Der 50-jährige Widmann war von 2008 bis 2013 Abgeordneter im Nationalrat. Er ist sich sicher, „dass wenn Jörg Haider noch leben würde, er die Freie Liste Österreich anführen würde“. Und: „Wir können die Zeit nicht zurückdrehen, aber in seinem Sinne weitermachen.“ Auf dem zweiten Platz kandidiert die 63-jährige Angestellte und FPÖ-Vizebürgermeisterin von Braunau am Inn von 1998 bis 2012, Brigitte Zeilinger.

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