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Großer Komfort und krosse Kulinarik

Mit einem Termin von Dienstag bis Donnerstag setzen die FM4-Frequency-Macher erstmals auf ein Festival unter der Woche. An drei Tagen warten traditionell Sounds zwischen Pop, harten Gitarren und zunehmend Elektronik und Hip-Hop. Innovationen sind traditionsgemäß im Bereich des Außermusikalischen zu finden.

FM4-Frequency-Veranstalter Harry Jenner rechnet mit rund 140.000 Besucherinnen an drei Tagen, wie er im Gespräch mit ORF.at erklärt. Den deutlichen Ansturm auf das ins 17. Jahr gehende Festival will Jenner auch als Antwort auf die Frage nach dem immer stärker umkämpften österreichischen Festivalmarkt wissen.

„Für uns ist es ein super Jahr. Wir sind happy und schauen nicht nach links und rechts.“ Mit dem Eintritt neuer Player auf dem Festivalmarkt vor gut zwei Jahren wurden viele Stimmen laut, die von einem Überangebot sprachen. Jenner sieht sein Festival von den Bewegungen auf dem Markt nicht betroffen.

Stilistische Freiheiten

Inhaltlich setzt Österreichs größtes Popfestival den in den vergangenen Jahren eingeschlagenen Weg der Verbreiterung fort. Veränderten Hörgewohnheiten wird Rechnung getragen. „Das äußert sich vor allem im gestiegenen Anteil der Elektronik“, sagt Jenner über einen der augenfälligsten Transformationsprozesse. Genauso wurde in den vergangenen Jahren und insbesondere mit dem im vorletzten Jahr präsentierten Auftritt von US-Superstar Kendrick Lamar ein deutliches Signal in Richtung Hip-Hop abgegeben – das FM4 Frequency ist ein Festival, das sich querbeet durch den Gemüsegarten der Popkultur bewegt und darin sein Selbstverständnis gefunden hat.

Die Green Stage beim Frequency

Heimo Spindler

Die Green Stage

Was heuer insbesondere mit dem Auftritt des außerordentlich erfolgreichen deutschen DJ und Produzenten Robin Schulz sichtbar wird, der am Mittwoch auf der Green Stage gastiert und vor zehn Jahren auf einer FM4-Frequency-Bühne wohl mehr Bierbecher als Applaus geerntet hätte.

Prominent gebuchter Hip-Hop

Am Donnerstag gibt es mit dem Auftritt des gefeierten US-Rappers Wiz Khalifa auch heuer ein deutliches Zeichen in Sachen Hip-Hop. Der bekennende Fan einschlägiger Rauchwaren, der in Colorado geschäftlich im legal gewordenen Handel mit Marihuana mitmischt, spielt zum Abschluss des Festivals auf der größten Bühne, der Space Stage. Mit Shows von Samy Deluxe und insbesondere der US-Veteranen Cypress Hill gibt es weitere Hip-Hop-Einlagen. Das Cloud-Rap-Genre wird mit Yung Hurn besonders prominent bedient. Der Wiener gilt mit seinen verhuschten Texten und sphärischen Sounds als eine der ersten Adressen des Genres im deutschsprachigen Raum.

Placebo, die Sechste

Dennoch regiert in St. Pölten auch die Routine: Placebo gastieren zum insgesamt sechsten Mal beim FM4 Frequency – Berufsjüngling Brian Molko als inoffizielle Festival-Mutti, die hier auch schon einen Auftritt gesundheitsbedingt abbrechen musste. The Offspring sorgen ebenso für Bewährtes bei Alternative-Mainstream-Sounds, die ursprünglich den Großteil des Programmes ausmachten. Mumford & Sons lassen am Donnerstag massentauglichen Folkpop erklingen. Wer in den frühen 2000er Jahren Teenager war, darf sich am Dienstag mit At The Drive-In etwas jünger fühlen. Und auch hoch gehandelten Nachwuchs gilt es zu entdecken, wie DJ und Produzentin Mija aus den USA.

Große Stars mit kurzer Anreise

Humor gibt es auf der LOL Stage mit zielgruppengerechten Einlagen von Maschek und Die Tagespresse. Club Culture wird mit der UAF Stage ebenso ausgiebig Platz geboten, wie das Festival, dessen Augenmerk über lange Jahre nicht auf österreichisches Popschaffen gerichtet war, den großen Erfolgen heimischer Bands Rechnung trägt.

Publikum beim Frequency

Rene Huemer

Das Festival findet heuer erstmals von Dienstag bis Donnerstag statt

Bilderbuch garantieren am Mittwoch nach Placebo große Festivalmomente. Wanda geben am Donnerstag einen Vorgeschmack auf ihr im Herbst erscheinendes drittes Album. Es warten Jubel, Trubel und Heiterkeit, die höchstwahrscheinlich auch in Verbindung mit etlichen konsumierten Getränken stehen wird. Denn in erster Linie gilt es auf einem Festival mit der Ausrichtung des FM4 Frequency, etwas zu überleben – ein eskapistisches Event für musikaffine Unterhaltungssuchende, was sich etwa in der ausgetragenen Weltmeisterschaft eines Trinkspiels äußert. „200 Teams haben sich dafür angemeldet“, so Jenner.

Kulinarische Grenzerfahrungen

Wahren Neuigkeitswert besitzt traditionell das Außermusikalische. Das im vergangenen Jahr eingeführte, komplett bargeldlose Bezahlsystem mittels einer aufladbaren Karte gibt es auch heuer. Jenner spricht von einer nahezu friktionslosen Premiere der Maßnahme, die vorwiegend der neuen Regelung für Registrierkassen geschuldet war.

Am augenfälligsten ist heuer die vergrößerte Hauptbühne, was sich auch durch deutlich ausgelebte Gigantomanie hinsichtlich der LED-Wände äußert. Der Trend zu erhöhtem Komfort für Festivalgeher ist auch am FM4 Frequency nicht vorübergegangen - wer will, kann etwa im Bungalow übernachten: „Wir haben vor vier Jahren mit einem erhöhten Komfortangebot begonnen, weil wir Bedarf gesehen haben“, sagt Jenner. Wer am Festival trotz Komforts die Grenzerfahrung sucht, wird in Form des erweiterten Angebots auf der kulinarischen Food-Truck-Meile fündig. Jenner: „Wir bieten heuer erstmals Heuschrecken an.“

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