Themenüberblick

Offenbar Maschinenschaden

Laut Angaben der NGO Sea-Eye hat ein von Rechtsextremen genutztes Schiff vor der Küste Libyens einen Defekt. Die „C-Star“ ist im Mittelmeer mit dem Ziel unterwegs, die Rettung von schiffbrüchigen Flüchtlingen und Migranten zu stören. Nun sei das Schiff aufgrund eines Maschinenschadens laut Sea-Eye aber selbst manövrierunfähig geworden und brauche Hilfe. Diese wollen die Rechtsextremen aber offenbar nicht annehmen.

Wie Sea-Eye auf Facebook mitteilte, habe die EU-Operation „Sophia“ die NGO auf den Schaden aufmerksam gemacht. Das bestätigte ein Vertreter der EU-Mission der deutschen Zeitung „taz“: Ein Flugzeug der Mission habe einen Funkspruch aufgefangen, laut dem ein Schiff namens „C-Star“ einen Maschinenschaden habe. Die Seenotleitzentrale in Rom habe Sea-Eye anschließend wegen der geografischen Nähe damit beauftragt, dem Schiff zu Hilfe zu kommen.

Hilfe offenbar verweigert

Die Rechtsextremen schrieben hingegen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, es handle sich um ein „kleineres technisches Problem“, das keinen Notfall darstelle. Allerdings wurde der Hauptmotor gestoppt, weswegen das Schiff laut Seeverkehrsregeln als „nicht unter Kontrolle“ gelte. Das sei den Schiffen in der Umgebung mitgeteilt worden. Es habe weder eine Rettung noch Hilfe gegeben.

Freitagnachmittag teilte Sea-Eye schließlich mit, dass die Rechtsextremen nach einem Funkkontakt Hilfe von der Organisation verweigert hätten. Auf Weisung der Leitstelle für Seenotrettungen habe die Sea-Eye daraufhin ihren Erkundungskurs nach Schiffbrüchigen und Ertrinkenden fortgesetzt.

Verfolgung und Funkspruch

Die Rechtsextremen, die u. a. auch in Österreich vom Verfassungsschutz beobachtet werden, befinden sich unter dem Namen „Defend Europe“ seit mehreren Wochen im Mittelmeer. Ihr Ziel sind laut eigenen Angaben Störaktionen gegen Schiffe von Hilfsorganisationen, die in Seenot geratene Flüchtlinge und Migranten aus dem Mittelmeer retten. Man wolle zudem Schiffsbrüchige zurück in ihre Heimatländer bringen.

Am Sonntag verfolgte die Besatzung der „C-Star“ ein von den beiden Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee betriebenes Rettungsschiff für rund eine halbe Stunde. Man habe zudem dem Schiff „Golfo Azurro“ mittels eines Funkspruches mitgeteilt, dass es vor der libyschen Küste „nicht mehr willkommen sei“.

Noch am Donnerstag hatten die Rechtsextremen via Twitter mitgeteilt, dass man Vorräte in Tunesien aufgefüllt habe und sich nun wieder auf dem Weg an die libysche Küste befinde. Davon kann aber offenbar keine Rede sein. Insgesamt ist das mittels Spenden finanzierte und unter mongolischer Flagge fahrende Schiff seit Anfang Juli unterwegs. Damals hatte es den Hafen von Dschibuti verlassen. Anschließend wurde über den Sueskanal und Zypern Kurs auf die libysche Küste genommen.

Zahlreiche Pannen

Bereits die Anreise ins Mittelmeer war für die Rechtsextremen von Pannen begleitet. Schon im Sueskanal hielten ägyptische Behörden das Schiff für eine Woche fest. Wenig später erreichte das Schiff den nordzypriotischen Hafen Famagusta, wo laut lokalen Medienberichten der Kapitän der „C-Star“ und neun Besatzungsmitglieder festgenommen wurden. Ihnen sei der Gebrauch falscher Papiere vorgeworfen worden. Der Verdacht bestätigte sich jedoch nicht, weswegen die Personen wieder enthaftet wurden.

Rund 20 Personen hätten nach der Ankunft in Zypern das Schiff verlassen. Laut der Zeitung „Kibris Postasi“ beantragten fünf von ihnen Asyl, während der Rest per Flugzeug das Land verließ. „Defend Europe“ zufolge handelte es sich um Seeleute aus Sri Lanka, die zu Trainingszwecken mitgefahren seien. Laut den Rechtsextremen hätten die Crewmitglieder aufgrund einer Intrige von NGOs Asyl beantragt.

Tunesische Arbeiter blockierten Landung

Am Sonntag nahm das Schiff dann Kurs auf Tunesien. Dort rief die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete tunesische Arbeiterorganisation UGTT ihre Mitglieder dazu auf, die Landung der „C-Star“ abzuwehren. Bereits zuvor hatten tunesische Fischer in zwei Häfen verhindert, dass das Schiff dort anlegen konnte. In dem Gewerkschaftsaufruf hieß es: „Lasst nicht das Rassismusschiff die tunesischen Häfen besudeln! Vertreibt sie, wie es eure Brüder in Zarzis und Sfax getan haben!“

Hinter der Aktion stehen österreichische, deutsche, französische und italienische Rechtsextreme. Martin Sellner, Chef der Identitären Österreichs, zählt zu den Mitorganisatoren und ist mit an Bord.

Der Vorsitzende von Sea-Eye, Michael Buschheuer, erklärte: „In Seenot Geratenen zu helfen, ist die Pflicht eines jeden, der auf See ist - unterschiedslos zu seiner Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Gesinnung.“ Ein Sprecher von Sea-Eye übte aber scharfe Kritik an den Zielen der „C-Star“-Aktivisten. Ihnen gehe es um ein „großangelegtes Propagandamanöver“ gegen Flüchtlinge und ihre Helfer im Mittelmeer.

Link: