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„Venezuela ist nicht sehr weit weg“

US-Präsident Donald Trump schließt eine militärische Antwort auf die Krise in Venezuela nicht aus. Es gebe mehrere Möglichkeiten, „darunter eine militärische Option, falls nötig“, sagte Trump am Freitag (Ortszeit) in New Jersey. Er nannte die Lage in dem südamerikanischen Land „sehr gefährlich“.

Allerdings blieben Trumps Äußerungen vage. Der US-Präsident hatte in den vergangenen Tagen bereits im Konflikt mit Nordkorea den Ton verschärft, zuletzt drohte er Pjöngjang mit einem Militäreinsatz. Seine Warnung an Venezuela fiel weniger deutlich aus.

Pentagon: Keine Befehle erhalten

„Wir haben Truppen auf der ganzen Welt, an weit entfernten Orten. Venezuela ist nicht sehr weit weg, und die Menschen dort leiden und sterben“, sagte Trump nach Beratungen mit US-Außenminister Rex Tillerson und der UNO-Botschafterin der USA, Nikki Haley, in seinem Golfclub in Bedminster.

Rex Tillerson, Nikki Haley und McMaster mit Präsident Donald Trump

APA/AP/Pablo Martinez Monsivais

Trump mit Tillerson (l.), Haley (rechts von Trump) und dem Nationalen Sicherheitsberater H. R. McMaster (r.) in Bedminster

Konkrete Pläne für ein militärisches Eingreifen in Venezuela gibt es aber offenbar noch nicht. Ein Pentagon-Sprecher erklärte, zum jetzigen Zeitpunkt gebe es noch keine entsprechenden Anweisungen aus dem Weißen Haus. Das US-Militär stehe aber bereit, die nationalen Interessen und die von US-Bürgern zu verteidigen. Unterstellungen Venezuelas über eine geplante US-Invasion entbehrten jeder Grundlage.

Caracas nennt Aussagen „verrückt“

Der venezolanische Verteidigungsminister Vladimir Padrino bezeichnete die Drohung Trumps als „verrückt“. Die Regierung in Caracas warf Trump vor, den Frieden und die Stabilität in Lateinamerika zu gefährden. Die „waghalsige Drohung“ Trumps ziele darauf ab, Lateinamerika und die Karibik „in einen Konflikt hineinzuziehen, der dauerhaft die Stabilität, den Frieden und die Sicherheit in unserer Region gefährden würde“, sagte der venezolanische Außenminister Jorge Arreaza am Samstag bei der Verlesung einer Erklärung von Maduro in Caracas.

Die Aussicht auf einen möglichen US-Militäreinsatz löste auch bei anderen Ländern der Region Besorgnis aus. Brasilien, Kolumbien, Peru, Chile, Mexiko, Ecuador und Nicaragua erklärten am Samstag, sie lehnten eine militärische Option ab.

Weißes Haus lehnt Gesprächsangebot ab

Maduro unterbreitete Trump am Donnerstag bei einer Rede vor der Verfassunggebenden Versammlung ein Gesprächsangebot. Er bemühe sich um ein Telefonat oder ein persönliches Treffen mit dem US-Präsidenten, sagte der umstrittene Staatschef. Er strebe „normale“ Beziehungen zu Washington an. Zugleich warnte er die USA: Auf mögliche Aggressionen werde Venezuela „mit den Waffen in der Hand“ reagieren.

Das Weiße Haus lehnte jedoch ab. „Präsident Trump wird gerne mit dem Führer Venezuelas sprechen, sobald die Demokratie in diesem Land wiederhergestellt ist“, hieß es in der Erklärung. Die USA verlangten eine Achtung der Verfassung, freie und faire Wahlen, die Freilassung politischer Gefangener und ein Ende der Repression gegen das Volk.

Unangenehme Zurückweisung

Für Maduro ist die Abweisung und Veröffentlichung des ungewöhnlichen Vorgangs höchst unangenehm - er gibt in der Heimat immer den Vorkämpfer gegen den US-Imperialismus. Zugleich sind die USA der wichtigste Abnehmer von Erdöl, ohne die Exporte in die USA droht die Staatspleite. Noch am Vortag hatte Maduro öffentlich in Caracas betont, dass er seinen Außenminister Jorge Arreaza angewiesen habe, ein Telefongespräch oder ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump in die Wege zu leiten.

In dem unter einer schweren Wirtschaftskrise leidenden Land ist ein Machtkampf zwischen der linken Regierung unter Maduro und der Opposition entbrannt. Regierungsfeindliche Kräfte erbeuteten Waffen aus einem Militärstützpunkt. Mindestens 125 Menschen wurden bei den politischen Unruhen seit Anfang April getötet.

Peru wies venezolanischen Botschafter aus

Unterdessen verschärften sich die diplomatischen Spannungen in Südamerika wegen der Venezuela-Krise: Peru wies den venezolanischen Botschafter aus. Wie das Außenministerium in Lima mitteilte, habe Botschafter Diego Molero fünf Tage Zeit, um das Land zu verlassen. Die Antwort aus Caracas kam postwendend: Der peruanische Geschäftsträger Carlos Rossi, derzeit oberster peruanischer Diplomat in Venezuela, habe ebenfalls in fünf Tagen das Land zu verlassen, teilte das Außenministerium in Caracas mit. Der peruanische Präsident Pedro Pablo Kuczynski wurde als „Feind des Vaterlandes“ bezeichnet.

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