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Gewaltausbruch fordert Opfer

Nach Ausschreitungen bei einer Kundgebung von Rechtsextremisten und Neonazis in der Stadt in Charlottesville (US-Staat Virginia) ist am Samstag ein Auto in eine Menschengruppe gerast. Es gab mindestens eine Tote, teilte der Bürgermeister der Stadt, Mike Signer, mit. Zudem wurden laut offiziellen Angaben bei dem Gewaltausbruch insgesamt 35 weitere verletzt.

Signer schrieb auf Twitter, er sei untröstlich, dass ein Mensch ums Leben gekommen sei. Laut dem Polizeichef der Stadt, Al Thomas, wurde eine 32-jährige Frau getötet. Signer forderte alle Menschen, die guten Willens seien, auf, nach Hause zu gehen.

Videoaufnahmen und Augenzeugenberichte deuteten demnach auf eine vorsätzliche Tat hin. Nach Angaben der Augenzeugen fuhr der dunkle Wagen absichtlich in die Menge. „Er hat Gas gegeben und alle umgefahren“, sagte ein Augenzeuge. „Dann hat er zurückgesetzt und ist noch einmal in uns reingefahren.“ Beim Absturz eines Polizeihubschraubers in der Nähe kamen zwei weitere Menschen ums Leben, wie die Luftfahrtbehörden mitteilten. Ob der Absturz mit den Unruhen zusammenhängt, war jedoch zunächst nicht klar.

Gouverneur ruft Ausnahmezustand aus

In der Stadt hatten sich tausende Anhänger des Ku-Klux-Klans und anderer rechtsextremer Gruppen versammelt. Schon vor Beginn des geplanten Marsches unter dem Motto „Vereint die Rechte“ geriet die Lage außer Kontrolle: Rechtsextreme in paramilitärischen Uniformen und Mitglieder antifaschistischer Gruppen gingen trotz eines massiven Polizeiaufgebots mit Schlagstöcken, Flaschen und Wurfgeschoßen aufeinander los.

Rettungsteams versorgen eine verletzte Person

Reuters/Joshua Roberts

Helfer versorgen Verletzte

Die Polizei trieb die Menge mit Tränengas auseinander und nahm Gewalttäter fest. Zudem räumte sie einen Park und untersagte den Marsch der Rechtsextremen. Die Behörden riefen den Ausnahmezustand aus, es kam zu Festnahmen. Der Gouverneur von Virginia, Terry McCauliffe, und städtische Stellen riefen für Charlottesville den Ausnahmezustand aus.

Trump verurteilt Gewalt

Präsident Donald Trump verurteilte die „ungeheuerliche Gewalt, von vielen Seiten“. Es gebe in Amerika „keinen Platz“ für Gewaltausbrüche wie den in Charlottesville, sagte er bei auf seinem Anwesen in Bedminster (New Jersey), wo er derzeit Urlaub macht. Er rief seine Landsleute dazu auf, zusammenzustehen und einander - ungeachtet aller Differenzen - „zu lieben“. Trump versprach eine „rasche Wiederherstellung von Recht und Ordnung“ - „kein Bürger sollte sich Sorgen um seine Sicherheit machen müssen“, fügte er hinzu.

Schlägerei während einer Kundgebung

APA/AP/Steve Helber

Zusammenstöße ultrarechter Gruppen mit Gegendemonstranten

Der Präsident verwies auch bei dieser Gelegenheit auf die jüngsten Errungenschaften im Land hin, die seiner Regierung zu verdanken seien: Die sinkende Arbeitslosenquote, die Rückkehr von Produktionsjobs aus dem Ausland, die Verhandlungen über Handelsabkommen - all das sei großartig für das Land und die amerikanischen Arbeiter. „Es passieren so viele unglaubliche Dinge in unserem Land. Wenn ich Charlottesville anschaue, scheint es mir sehr, sehr traurig“.

Vertreter rechtsextremer Gruppen wie Alt-Right hatten sich nach der Wahl Trumps ermutigt geäußert. Kritiker lasteten Trump an, sich nicht genügend von den Rechten distanziert zu haben. Der Präsident forderte in seiner Ansprache in Bedminster: „Hass und Teilung müssen aufhören - jetzt gleich.“

Protest gegen Entfernung einer Statue

Zu der Demonstration in Charlottesville hatte neben dem Ku Klux Klan auch die sogenannte Alt-Right-Bewegung aufgerufen, die neonazistisches Gedankengut vertritt und Trump unterstützt. Erwartet wurden bis zu 6.000 Teilnehmer aus verschiedenen Spektren der Ultrarechten, darunter Ku-Klux-Klan-Führer David Duke.

Der verbotene Protestmarsch sollte sich gegen die Stadtverwaltung richten, die ein Denkmal des Konföderierten-Generals aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865), Robert E. Lee, von einem zentralen Park zu entfernen will. Lee führte die Truppen der Südstaaten, in denen die Sklavenhaltung erlaubt war. Der Park trägt bereits nicht mehr den Namen von Lee.

Fackelzug durch die Stadt

Bereits am Freitag waren mehrere Rechte in einem Fackelzug durch die Stadt marschiert. Dabei riefen sie laut Medienberichten neonazistische Parolen wie „blood and soil“, ein Verweis auf die „Blut-und-Boden“-Ideologie aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die Rechten kämpfen aus ihrer Sicht gegen eine Entsorgung „weißer Geschichte“.

Charlottesville mit der Universität von Virginia hat etwa 50.000 Einwohner und liegt etwa 100 Kilometer von Washington entfernt. Den Fackelzug vom Freitagabend nannte der demokratische Bürgermeister Mike Signer in einem Facebook-Beitrag eine „feige Parade von Hass, Fanatismus, Rassismus und Intoleranz“. Bereits Anfang Juli hatten ultrarechte Gruppen in Charlottesville demonstriert. Die jetzt angekündigte Kundgebung sollte die größte seit mehreren Jahren werden.

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