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Dutzende Verletzte

Die US-Bundespolizei FBI hat die Ermittlungen zu der tödlichen Auto-Attacke in der Stadt Charlottesville übernommen. Eine Kundgebung von Rechtsextremisten und Neonazis war am Samstag eskaliert. Die Behörden in Charlottesville sprachen von insgesamt drei Toten und mindestens 35 Verletzten.

Eine Frau starb, als ein Mann offenbar absichtlich ein Auto in eine Menschenmenge aus Demonstranten gegen die Versammlung der Rechtsextremen steuerte. Der Fall werde unter anderem als möglicher Verstoß gegen die Bürgerrechtsgesetze behandelt, teilte das FBI am Samstagabend (Ortszeit) mit. 19 Menschen wurden bei der Attacke zum Teil schwer verletzt. Der Fahrer des Autos wurde festgenommen. Ob der Verdächtige ein politisches Motiv hatte, war zunächst unklar.

Videoaufnahmen und Augenzeugenberichte deuteten auf eine vorsätzliche Tat hin. Nach Angaben der Augenzeugen fuhr der Wagen absichtlich in die Menge. „Er hat Gas gegeben und alle umgefahren“, sagte ein Augenzeuge. „Dann hat er zurückgesetzt und ist noch einmal in uns reingefahren.“ Die Auto-Attacke ereignete sich laut Medienberichten, nachdem ein Großteil der Kundgebungsteilnehmer bereits abgezogen war und die Gegendemonstranten einen eigenen Protestzug bildeten.

Gouverneur rief Ausnahmezustand aus

In der Stadt hatten sich Tausende Anhänger des Ku-Klux-Klans und anderer rechtsextremer Gruppen versammelt. Schon vor Beginn des geplanten Marsches unter dem Motto „Vereint die Rechte“ geriet die Lage außer Kontrolle: Rechtsextreme in paramilitärischen Uniformen und Mitglieder antifaschistischer Gruppen gingen trotz eines massiven Polizeiaufgebots mit Schlagstöcken, Flaschen und Wurfgeschoßen aufeinander los.

Proteste in Charlottesville

APA/AP/Steve Helber

Die Kundgebung stand unter dem Motto „Vereint die Rechte“

Die Polizei trieb die Menge mit Tränengas auseinander und nahm Gewalttäter fest. Zudem räumte sie einen Park und untersagte den Marsch der Rechtsextremen. Der Gouverneur von Virginia, Terry McCauliffe, und städtische Stellen riefen für Charlottesville den Ausnahmezustand aus. Der Stadtrat von Charlottesville ermächtigte die Polizei am Abend, eine Ausgangssperre zu verhängen, sollte das nötig sein.

Zwei Tote bei Hubschrauberabsturz

Bei der Kundgebung wurden weitere 16 Menschen verletzt, teilte Polizeichef Al Thomas mit. Beim Absturz eines Polizeihubschraubers in der Nähe kamen zudem Pilot und Kopilot ums Leben, wie die Luftfahrtbehörden mitteilten. Ob der Absturz mit den Unruhen zusammenhängt, war jedoch zunächst auch nicht klar. McAuliffe zeigte sich entsetzt über die Vorfälle. Er sprach von „weißen Rassisten und Nazis“, die „Hass, Menschenverachtung und Gewalt“ verbreiteten. Die Gewalt in Charlottesville treffe „das Herz von Recht und Ordnung in Amerika“, sagte auch US-Justizminister Jeff Sessions.

Rettungsteams versorgen eine verletzte Person

Reuters/Joshua Roberts

Helfer versorgen Verletzte

Einige der Rechtsextremisten erhoben die rechte Hand zum Hitler-Gruß. Viele führten Flaggen der früheren Südstaaten-Konföderation mit sich, die liberale US-Bürger als Symbol des Rassismus betrachten. Manche Teilnehmer führten Trumps Wahlkampf-Slogan „Make America Great Again“ mit sich.

Trump verurteilt Gewalt

Trump verurteilte „auf schärfste Weise diesen ungeheuerlichen Ausbruch von Hass, Fanatismus und Gewalt auf vielen Seiten“, wie er auf seinem Anwesen in Bedminster im Bundesstaat New Jersey sagte. „Es gibt keinen Platz für diese Art von Gewalt in Amerika.“ Kritiker auch in Trumps Republikanischer Partei kritisierten allerdings, dass der Präsident eine klare Schuldzuweisung an die rechtsextremen Demonstranten vermied.

Fackelzug durch die Stadt

Bereits am Freitag waren mehrere Rechte in einem Fackelzug durch die Stadt marschiert. Dabei riefen sie laut Medienberichten neonazistische Parolen wie „blood and soil“, ein Verweis auf die Blut-und-Boden-Ideologie aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Die Rechten kämpfen aus ihrer Sicht gegen eine Entsorgung „weißer Geschichte“. Der Protestmarsch sollte sich gegen die Stadtverwaltung von Charlottesville richten. Diese will ein Denkmal des Bürgerkriegsgenerals Robert Lee entfernen lassen. Lee führte die Südstaatentruppen, die für die Sklaverei eintraten. Gouverneur McAuliffe forderte die Teilnehmer nach den Ausschreitungen zur Abreise auf: „Unsere Botschaft ist klar und einfach: Geht nach Hause. Ihr seid in dieser schönen Stadt nicht willkommen.“

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