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Niki nicht betroffen

Air Berlin ist pleite. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft stellte am Dienstag einen Insolvenzantrag, nachdem ihr Großaktionär und Geldgeber Etihad Airways ihr den Geldhahn zugedreht hat. Damit sei keine positive Fortführungsprognose mehr gegeben, erklärte die Führung von Air Berlin.

Eine positive Fortführungsprognose ist Voraussetzung, dass ein überschuldetes Unternehmen um einen Insolvenzantrag herumkommt. Der Flugbetrieb werde fortgeführt, teilte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft am Dienstag mit. Die deutsche Regierung gibt Air Berlin einen Übergangskredit von 150 Mio. Euro. Damit sei der Flugbetrieb für rund drei Monate gesichert, sagte die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD).

Aufgrund des Insolvenzrechts wäre Air Berlin eigentlich verpflichtet gewesen, den Flugbetrieb direkt nach Einreichung des Insolvenzantrags einzustellen, teilten das Wirtschafts- und das Verkehrsministerium am Dienstag gemeinsam mit.

Tickets behalten Gültigkeit

Die Tickets bleiben nach Angaben des Unternehmens alle gültig. Auch die Flugpläne würden nicht geändert, hieß es am Dienstagnachmittag auf der Website von Air Berlin. Alle Flüge von Air Berlin und ihrer Tochter Niki fänden wie geplant statt. Zudem seien auch alle vorgesehenen Flüge weiterhin buchbar, teilte die Fluggesellschaft mit.

Air Berlin will sich in Eigenverwaltung, also ohne einen Insolvenzverwalter, sanieren. Bei dieser Variante des Insolvenzverfahrens führt das Management des Unternehmens weiter die Geschäfte. Die Aktien von Air Berlin stürzten Dienstagnachmittag an der Frankfurter Börse um nahezu die Hälfte ihres Werts ab. Zwischenzeitlich wurde die Aktie vom Handel ausgesetzt.

Etihad: „Entwicklung enttäuschend“

Die Air-Berlin-Tochter Niki mit 850 Mitarbeitenr ist von der Insolvenz nicht betroffen. Es sei derzeit nicht beabsichtigt, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für die Niki Luftfahrt und die Leisure Cargo zu stellen, hieß es von Air Berlin. Im Dezember 2016 war vereinbart worden, dass Niki an Etihad verkauft wurde. Etihad wollte die Niki-Beteiligung in ein neues Joint Venture mit dem Reisekonzern TUI einbringen. Der zweite Teil des Deals ist geplatzt. Der Abschluss des Niki-Verkaufs muss noch behördlich genehmigt werden.

Etihad könne kein weiteres Geld für Air Berlin bereitstellen, erklärte die Airline aus Abu Dhabi nach dem Insolvenzantrag. „Diese Entwicklung ist äußerst enttäuschend für alle Beteiligten, vor allem da Etihad in den vergangenen sechs Jahren weitreichende finanzielle Unterstützung für Air Berlin während früherer Liquiditätskrisen und für deren Sanierungsbemühungen gewährt hat.“

Im April habe Etihad noch einmal weitere 250 Millionen Euro zugeschossen. Das Geschäft habe sich aber in einer „beispiellosen Geschwindigkeit" verschlechtert.“ Etihad hat insgesamt einen Milliardenbetrag in Air Berlin gesteckt. Erst am Freitag wäre eine weitere Tranche in der Höhe von 50 Mio. Euro fällig gewesen, die Etihad dann aber nicht überwiesen hat. Seit Freitagnacht wusste auch die deutsche Regierung von der bevorstehenden Insolvenz.

Verhandlungen mit Lufthansa laufen

Unterdessen laufen Verhandlungen unter anderem mit dem Konkurrenten Lufthansa über einen Verkauf von Betriebsteilen, so Air Berlin weiter. Lufthansa bestätigte, dass sich die Fluglinie mit Air Berlin bereits in Verhandlungen über den Erwerb von Teilen des Unternehmens befinde und sich damit auch die Möglichkeit zur Einstellung von Personal biete.

Man unterstütze die Sanierung von Air Berlin, so die Lufthansa. Die Lufthansa hat auch ein Eigeninteresse an dem Weiterbetrieb. Mindestens 30 Mittelstreckenjets von Air Berlin samt Besatzung fliegen für die Lufthansa-Billigmarke Eurowings und die österreichische Konzerntochter Austrian Airlines (AUA). Zypries zeigte sich zuversichtlich, dass die Lufthansa Teile von Air Berlin übernehmen kann. Dass der deutsche Staat Schulden von Air Berlin übernimmt, schloss sie aus.

Berlin fliegt seit Jahren Defizite ein, 2016 lag der Verlust bei 780 Millionen Euro. Die Lage verschärfte sich Ende März mit der Umstellung auf den Sommerflugplan. Flugausfälle und Verspätungen häuften sich danach. Etihad war 2011 bei Air Berlin eingestiegen und hält knapp 30 Prozent an der Airline. Anfang des Jahres zählte Air Berlin rund 8.600 Mitarbeiter.

Gewerkschaften bangen um Arbeitsplätze

Die Gewerkschaften hoffen auf den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze. Die Nachricht der Insolvenz von Deutschlands zweitgrößter Fluglinie sei ein Schock für die Mitarbeiter, erklärte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Doch der Luftverkehr in Deutschland wachse, daher hoffe man, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Skeptischer äußerte sich ver.di-Bundesvorstand Christine Behle: „Wir haben große Sorge um die Arbeitsplätze der Beschäftigten.“

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