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Naturereignis als Megaspektakel

In den USA dreht sich seit Tagen alles um die „Great American Eclipse“: eine totale Sonnenfinsternis, die am Montag (Ortszeit) in weiten Teilen des Landes zu sehen sein wird. Das Naturereignis wurde zur Show der Superlative hochstilisiert. Millionen machten sich auf den Weg, um irgendwo „live“ dabei zu sein, wenn es kurz dunkel wird.

Die „Great American Eclipse“ ist die erste totale Sonnenfinsternis seit 99 Jahren, die sich in den Vereinigten Staaten von der Pazifik- bis zur Atlantikküste erstreckt. Entsprechend ist das Land auf den Beinen. Auf den Highways, besonders im Nordwesten des Landes, wo das Naturschauspiel am besten zu sehen sein soll, kam es zu langen Staus. Die Tageszeitung „The Oregonian“ berichtete bereits von Schlangen vor Tankstellen Mitte der Woche mit der ersten Anreisewelle von Sonnenfinsternis-Touristen.

Sonnenfinsternis-Artikel

Reuters/Ann Saphir

Karte, Aufkleber, Schutzbrille, und T-Shirt: Gutes Geschäft mit Naturschauspiel

Der Sonnenphysiker Alex Young von der US-Weltraumbehörde (NASA) zog gegenüber der Presse einen Vergleich mit dem legendären Woodstock-Open-Air 1969. Die Sonnenfinsternis werde ein ähnliche Spektakel „mal 200 - aber im ganzen Land“. Der Astronom Tyler Nordgren von der Universität von Redlands in Kalifornien zeigte sich sicher: „Im Zeitalter Sozialer Medien wird dies das meistfotografierte, meistgeteilte und meistgetwitterte Event der Menschheitsgeschichte werden.“

Wetterprognosen als wichtigste Nachrichten

Die Werbetrommel wurde entsprechend gerührt. Mit Schutzbrillen, Sonderbriefmarken und T-Shirts mit Aufdrucken wie „Eclipse it!“ wurden Millionen umgesetzt, Wetter- und Verkehrsprognosen gehörten in den Sozialen Medien zu den meistgelesenen und meistgeteilten Nachrichten.

Countdown-Uhr in einer Destillerie

APA/AFP/Getty Images/Scott Olson

Countdown zur Sonnnenfinsternis in einer Brennerei in Kentucky - „Total Eclipse Moonshine“ im Flaschenregal inklusive

Die Sonnenfinsternis wird einen schmalen Streifen der USA am Montag sukzessive und für jeweils etwa zwei Minuten in komplette Dunkelheit hüllen. Über eineinhalb Stunden hinweg wandert der Kernschatten des Mondes von der Küste Oregons im Nordwesten bis an die Küste South Carolinas im Südosten. In der etwa 100 Kilometer breiten Zone liegen 14 Bundesstaaten mit rund zwölf Millionen Einwohnern. Eine partielle Sonnenfinsternis wird auch in anderen Teilen des Landes zu sehen sein, sogar in Teilen Europas.

Besorgte Park-Ranger

Schätzungen zufolge haben sich mehrere Millionen Menschen mit dem Auto auf den Weg gemacht, um das Naturschauspiel zu verfolgen. Besonders groß war der Andrang etwa in Oregon, wo die Chancen auf einen wolkenlosen Himmel zuletzt besonders gut standen. Park-Ranger sehen das mit gemischten Gefühlen. „Es könnte zu keiner schlechteren Zeit stattfinden“, sagte Jean Nelson-Dean von der Verwaltung des Deschutes National Forest in Oregon. Die Zahl der Ranger sei im Sommer ausgedünnt, die Waldbrandgefahr gegen Ende August am höchsten. Sein Katastrophenszenario: Unerfahrene Camper verursachen einen Waldbrand, und Zufahrtsstraßen sind verstopft.

Grafik zum Verlauf der Sonnenfinsternis am 21. August 2017 in den USA

Grafik: ORF.at; Quelle: NASA

Die öffentlichen Campingplätze in Oregon sind seit Langem ausgebucht, 1.000 zusätzliche Stellplätze waren schon im April binnen einer Stunde vergeben gewesen. Hotelzimmer waren zuletzt kaum noch zu bekommen, die Preise für die Vermietung von Privathäusern zum „Eclipse Day“ schossen in die Höhe. Die Behörden in Oregon warnten auch davor, ohne Bergerfahrung den fast 3.200 Meter hohen Mount Jefferson zu besteigen. „Viele Leute, die uns deshalb angerufen haben, waren offensichtlich völlig ahnungslos, was sie da vorhatten“, berichtete ein Ranger.

Fast mehr Besucher als Einwohner

In der Kernzone sind viele Schulen am 21. August geschlossen bzw. sehen sich Lehrpersonal und Schüler das Spektakel gemeinsam an. Dutzende kleine und große „Eclipse“-Festivals wurden organisiert. Im Bundesstaat Kentucky lud die Stadt Hopkinsville zu einem dreitägigen Fest - hier laufen die Vorbereitungen seit Jahren. Dafür wurde über eine halbe Million Dollar (über 426.000 Euro) ausgegeben, für bis zu 100.000 Gäste, die erwartet werden, wurden sogar zusätzliche Mobilfunkmasten installiert.

In Charleston an der Ostküste in South Carolina, dem letzten Punkt auf dem US-Festland, an dem die Sonnenfinsternis zu sehen ist, rechnete man mit bis zu einer Million Besuchern - und völlig verstopften Straßenverbindungen. Auch in Wyoming ist man vorgewarnt. Dort, an der Grenze zu den Rocky Mountains, rechnete die Polizei mit bis zu 600.000 „Eclipse“-Touristen - ungefähr so vielen Menschen wie der Bundesstaat Einwohner hat.

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