„The Forest“: Via Handzoom in Platons Höhle

Im Sommer der Biennalen, Groß- und Klein-„documentas“, gibt es zurzeit in Wien im Rahmen der „Hypodens“-Schau, Burggasse 21, weitere Konzeptkunst-Entdeckung zu machen. Sechs Künstler bespielen sechs dunkle Kellerräume. Mit dabei die Installation „The Forest“ des österreichischen Grafikers und Erich-Wonder-Schülers Robert Gabris.

Besucher beleuchten die Plexiplatten mit dem Tierzeichnungen der Installation "The Forest"

ORF.at

Taktile Lichtarbeit im Dunkel eines Kellers. Bei „The Forest“ ist der Mensch mit dem Licht in der Hand auch der Urheber des Unheimlichen.

Nach der Erstpräsentation im Luftschutzbunker des Castello di Udine zeigt Gabris die Arbeit in abgewandelter Form nun in Wien. Die Vorstufe der Radierung wird in dieser Rauminstallation zum eigentlichen Hauptobjekt. Statt auf Kupfer arbeitet Gabris auf Plexiglas und zeigt eine Serie abgehängter Tierzeichnungen, Skelettierungen und Linienstrukturen und lässt sein Publikum die Werke mit dem Licht ertasten.

Zwischen Schatten und Schimären

Resultat ist eine besondere Form des platonischen Höhlenerlebnisses, bei dem der Mensch Schatten und Schimären an die Wand wirft, Größen, Perspektiven und Überblendungen aller Bildwerke selbst mitbestimmt. Die produzierte Unheimlichkeit der an die Wände geworfenen Abbilder geht von den Betrachtern, die zu Kunsttätern werden, selbst aus. Eine Reihe von Hängelichtern lädt die Besucher ein, die Kunstwerke überhaupt zum Leben zu erwecken. Je nach Herangehensweise kann man die Tier- und Skelletschimären in unterschiedlicher Größe erleben. Je näher der Mensch an die durchsichtigen Grafikplatten herangeht, desto riesenhafter werden die Fabelwesen im Hintergrund.

Er erforsche in seiner Arbeit hauptsächlich „das Medium Zeichnung“ und interessiere sich dabei „besonders für das Zeichnen aus dem Gedächtnis“, sagt Gabris gegenüber ORF.at. Das Papier und die anderen oft ungewöhnlichen Bildträger stellten in diesem Kontext ein Archiv dar, das aber eben ganz eigenen Gesetzen folge.

Bis 9.9. sind neben „The Forest“ in der „Hypodens“-Schau auch Arbeiten von Eleni Palles, Christiane Peschek, Philipp Pess, Olivier Hölzl und Hans Ahnert zu entdecken.