Vorwürfe und Kritik vor „Sommergespräch“ mit Kern

Die von der ÖVP erhobenen Vorwürfe, der ORF-„Sommergespräche“-Moderator Tarek Leitner habe ein Naheverhältnis zu Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ), sorgen im Wahlkampf weiter für Aufregung. Nachdem die ÖVP am Samstag neue Behauptungen in den Raum gestellt hatte, meldeten sich gestern auch FPÖ und NEOS zu Wort. Der ORF-Redakteursrat forderte den ÖVP-Kandidaten Efgani Dönmez auf, „die Verbreitung von Unwahrheiten über ORF-Moderator Tarek Leitner zu unterlassen“ und sprach von einem Versuch, einen Journalisten „einzuschüchtern“.

Der Ex-Grüne und nunmehrige ÖVP-Kandidat Dönmez hatte zunächst kritisiert, dass Leitner trotz eines - schon länger bekannten - Ibiza-Urlaubs das morgen stattfindende „Sommergespräch“ mit Kern leiten wird.

ORF verteidigt Leitner

Leitner und die ORF-Führung wiesen die Kritik zurück: „Die Frage impliziert Zweifel an der journalistischen Integrität von Tarek Leitner, die von dem ORF-Spitzenjournalisten über die Jahre hinweg im höchsten Maße unter Beweis gestellt wurde.“ Leitner hatte bereits vor Wochen darauf verwiesen, dass der Urlaub aufgrund der Schulfreundschaft der Kinder zustande kam und stattfand, bevor Kern in die Politik wechselte.

Behauptung ohne Beleg

Samstagabend via „Kurier“ behauptete Dönmez dann, Kern und Leitner hätten auch gemeinsam in Marokko geurlaubt. Einen Beleg legte Dönmez aber nicht vor, sondern sprach nur von einer „vertrauenswürdigen Quelle“.

Der ORF bestritt diese Behauptung umgehend. Auch die SPÖ betonte, es habe keinen gemeinsamen Urlaub von Kern mit Leitner in Marokko gegeben. Jetzt erfinde die ÖVP schon Urlaube, um die SPÖ und Bundeskanzler Kern anzupatzen, so SPÖ-Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler in einer Aussendung.

FPÖ sieht „Extrawurst“

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl ortete „massiven Handlungsbedarf“ für ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Und Kickl warf dem ORF vor, für die ÖVP eine „Extrawurst zu braten“, weil die Volkspartei in die heutige „Im Zentrum“-Sendung als einzige Partei den Listendritten, den Quereinsteiger und Ex-Rechnungshof-Präsidenten Josef Moser, entsenden dürfe, während die anderen Parteien jeweils mit der Nummer zwei auf der Liste zu erscheinen hätten.

NEOS-Forderung an ÖVP

NEOS-Generalsekretär Nikola Donig wiederum forderte von der ÖVP, „entweder umgehend Beleg oder Quelle der Vorwürfe offenzulegen“ oder „die Konsequenzen beim Listenfünften Dönmez“ zu ziehen. Gerade eine Partei, die wie die ÖVP versprochen habe, einen sauberen Wahlkampf zu führen, müsse selbst großes Interesse an Transparenz und Aufrichtigkeit haben, so Donig.

Redakteursrat: „Bewusstes Anpatzen“

Die Vertretung der Journalistinnen und Journalisten im ORF, der Redakteursrat, betonte in einer Aussendung wiederum, Dönmez beschädige „mit seiner unwahren Behauptung ... vorsätzlich die journalistische Glaubwürdigkeit von Leitner. Die Behauptungen von Dönmez halten wir für ein bewusstes und absichtliches Anpatzen mit dem Zweck, einen ORF-Journalisten vor einem wichtigen Interview einzuschüchtern.“ Solche Methoden seien gerade während eines Wahlkampfes „höchst problematisch und daher abzulehnen“.