Taiwans Ministerpräsident zurückgetreten

In Taiwan hat Ministerpräsident Lin Chuan seinen Rücktritt erklärt. Das Präsidentenamt in Taipeh teilte heute mit, Staatschefin Tsai Ing-wen habe das Gesuch angenommen. Die Regierung ist wegen unpopulärer Reformen unter Druck geraten. Zudem lasten ihr viele das verschlechterte Verhältnis zu China an.

Lin Chuan

Reuters/Tyrone Siu

Laut Umfragen war die Popularität Lins zuletzt auf rund 18 Prozent gefallen. Deshalb gab es Spekulationen, Präsidentin Tsai werde ihn ablösen und zum Chef der Zentralbank machen. Nun teilte Lin aber mit, er strebe kein weiteres Amt an. Als möglicher Nachfolger gilt der Bürgermeister der südtaiwanischen Stadt Tainan, William Lai. Die Entscheidung soll morgen bekanntgegeben werden.

Präsidentin verliert an Beliebtheit

Auch die Beliebtheit von Präsidentin Tsai ist seit ihrem Amtsantritt im Mai 2016 deutlich gesunken. Tsai war mit einem Kurs der Unabhängigkeit in ihr Amt gegangen, was zu weiteren Spannungen mit Peking geführt hat. Laut Umfragen beurteilen inzwischen nur noch 30 Prozent der Taiwanesen ihre Arbeit positiv.

Seit Ende des Bürgerkrieges in China 1949 ist Taiwan ein Konfliktherd. Damals flüchteten die Truppen der autoritären chinesischen Nationalregierung der Kuomintang-Partei auf die Insel, sodass die herrschenden Kommunisten in Peking dort bis heute nur eine abtrünnige Provinz sehen.

Peking hat sich immer die Möglichkeit offengelassen, die Zugehörigkeit Taiwans zur Volksrepublik auch mit militärischen Mitteln durchzusetzen.