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Notstand ausgerufen

Der in der Karibik wütende Hurrikan „Irma“ hält Kurs auf die Südostküste der USA. Das Hurrikanzentrum in Miami gab Freitagfrüh offizielle Hurrikanwarnungen aus, die Gebiete im US-Staat Florida sowie auf Haiti, den Bahamas und Kuba umfassen.

Nachdem durch den Hurrikan „Harvey“ in Texas und Louisiana 60 Menschen getötet wurden und Schäden von bis zu 180 Milliarden Dollar entstanden, riefen die US-Behörden wegen „Irma“ erneut den Notstand aus. Sie forderten alle Touristen auf, die Urlaubsregion Florida Keys zu verlassen.

Karte vom Hurrikan Irma in der Karibik

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/NOAA

Miami bereitet sich vor

Laut letzten Prognosen könnte in Florida auch die Millionenmetropole Miami voll von „Irma“ getroffen werden. Die Inselkette Florida Keys sowie Lake Okeechobee nordwestlich von Fort Lauderdale und eben die Florida Bay zwischen dem südlichen Ende des Festlands und den Keys sind ebenfalls im möglichen Einzugsgebiet von „Irma“. Das Sekretariat der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) veröffentlichte eine Visualisierung der zerstörerischen Kraft von Hurrikans. Am Freitag stufte das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) der USA den Wirbelsturm auf die zweithöchste Stufe vier herab, nannte ihn aber weiterhin „extrem gefährlich“. Der Sturm zog mit Windgeschwindigkeiten von rund 250 km/h in Richtung Florida.

Viele Menschen deckten sich dort mit Wasser und Waren des täglichen Bedarfs ein. Örtlichen Medien zufolge bildeten sich lange Schlangen vor den Supermärkten. In Baumärkten sei zudem die Nachfrage nach Sperrholz und Batterien riesig. US-Präsident Donald Trump, dessen Feriendomizil Mar-a-Lago ebenfalls evakuiert wurde, appellierte an die Einwohner von Florida: „Wir wollen, dass ihr euch schützt. Seid sehr, sehr wachsam und vorsichtig!“

Überfüllter Supermarkt in Miami

APA/AP/Miami Herald/Roberto Koltun

Die Menschen decken sich mit dem Nötigsten ein

Flugbetrieb wird eingestellt

American Airlines bot nach Angaben vom Donnerstag 16 zusätzliche Flüge von Miami an. Delta Air Lines stellte mehr und größere Flugzeuge bereit. United Airlines nahm sechs zusätzliche Flüge in seinen Plan auf. Alle drei Fluggesellschaften wollten bis Freitagabend ihren Flugbetrieb in Florida weitgehend einstellen. Die AUA strich bis Sonntag alle Flüge von und nach Miami - mehr dazu in wien.ORF.at.

Menschen befüllen Sandsäcke

APA/AP/Alan Diaz

Sandsäcke werden befüllt

Meterhohe Sturmwellen auf Kuba erwartet

Auf den Bahamas und Kuba wird ebenfalls mit meterhohen Sturmwellen gerechnet. Zehntausende Einwohner und auch Touristen wurden vor dem stärksten jemals gemessenen Atlantiksturm in Sicherheit gebracht. Allein 51.000 Touristen mussten Kuba verlassen. „Irma“ zog in der Nacht auf Freitag nördlich an der Dominikanischen Republik vorbei und befand sich laut der Website des US-Hurrikanzentrums zuletzt nördlich von Haiti.

In Haiti reichte die Warnung von der nördlichen Grenze zur Dominikanischen Republik bis nach Mole-Saint-Nicolas an der Nordwestküste. Auf Kuba waren die Provinzen Camaguey, Ciego de Avila, Sancti Spiritus und Villa Clara betroffen.

Spur der Verwüstung

„Irma“ hinterließ bereits zuvor eine Spur der Verwüstung in der Karibik. Mindestens neun Menschen kamen ums Leben, mehrere werden noch vermisst. Einer der stärksten Stürme im vergangenen Jahrhundert mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 290 km/h zerstörte auf den Turks- und Caicosinseln viele Gebäude, fällte Bäume und deckte Dächer ab. Die Inseln wurden Behördenangaben zufolge das erste Mal von einem Sturm der höchsten Kategorie fünf heimgesucht.

Auf den Inseln kam es zu Plünderungen. Sie selbst sei Zeugin davon geworden, sagte die französische Ministerin für die Überseegebiete, Annick Girardin, am Donnerstagabend (Ortszeit) nach einem Überflug über die Inseln Saint-Martin und Saint-Barthelemy.

Zerstörte Küste auf Saint Martin

APA/AFP/ANP/Gerben van Es

Auf der Insel Saint-Martin wütete „Irma“ besonders heftig

Besonders verheerende Schäden trugen Barbuda und Saint-Martin davon. Barbuda liegt laut Ministerpräsident Gaston Browne „in Trümmern“. Der Vorsitzende des Gemeinderats von Saint-Martin, Daniel Gibbs, sagte: „Das ist ein riesiges Desaster. 95 Prozent der Insel sind zerstört. Ich bin in einem Schockzustand.“ Der französische Präsident Emmanuel Macron und die britische Premierminister Theresa May telefonierten miteinander, um ihre Hilfen zu koordinieren. Auf den betroffenen Inseln bereiteten sich die Menschen und Behörden unterdessen auf den nächsten Sturm „Jose“ vor, der sich bereits im Anmarsch befindet und am Samstag den Nordosten der Karibik erreichen soll.

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