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Trümmer von Häusern überall verstreut

Hurrikan „Irma“ zieht mit heftigem Sturm und starkem Regen über das Festland des US-Bundesstaats Florida. Der Hurrikan bewegt sich in Richtung Tampa und Orlando, in und um diese beiden Städten leben Millionen Menschen.

An der Grenze zum Auge des Wirbelsturms werden Windgeschwindigkeiten von bis zu 155 km/h gemessen, teilte das US-Hurrikanzentrum in der Nacht auf Montag (Ortszeit) mit. Das Auge bewegt sich in langsamem Tempo nordwärts und wird voraussichtlich zwischen den beiden Großstädten Tampa und Orlando hindurchziehen, wie der Sender ABC berichtete.

In einem County an der Golfküste Floridas wurden die Polizisten in ihre Wachen zurückgerufen, um nicht selbst verletzt zu werden. Der Sender warnte, es seien keine Einsatzkräfte unterwegs. Die Straßen im Bezirk Sarasota waren mit Trümmern übersät, der Sturm riss Straßenlaternen und Ampeln aus ihrer Verankerung.

Ein Mann vor der Skyline Tampas

Reuters/Chris Wattie

Ruhe vor dem Sturm in Tampa

Millionen ohne Strom

„Irma“ war am Sonntag mit voller Wucht an der Südspitze Floridas gelandet. Der Wirbelsturm zog zunächst mit extrem starken Böen und schweren Regenfällen über die vorgelagerte Inselgruppe Florida Keys hinweg, traf dann etwas weiter nördlich an der Westküste des US-Bundesstaats erneut auf Land und zog dann etwas weiter östlich als erwartet weiter, wie der US-Wetterdienst mitteilte.

Schwerste Schäden drohten fast im gesamten Bundesstaat, das genaue Ausmaß war noch nicht erkennbar. Mehr als 3,3 Millionen Haushalte waren in der Nacht auf Montag ohne Strom. US-Präsident Donald Trump kündigte an, möglichst bald nach Florida reisen zu wollen, um sich ein Bild von den Schäden zu machen. Mehr als 12.000 Flüge von und nach Florida wurden abgesagt.

Bundeshilfen freigegeben

Trump machte den Weg frei für Bundeshilfen zugunsten des von „Irma“ getroffenen Florida. Damit können sich Bewohner und Unternehmen um Zuschüsse bewerben - etwa für Hausreparaturen und für vorübergehende Unterkünfte. Zugleich ordnete Trump am Sonntag an, den Bezirken mit Bundesmitteln unter die Arme zu greifen. Sie sollen etwa einen Großteil der Gelder erstattet bekommen, die sie für Maßnahmen wie Evakuierungen und die Beseitigung von Trümmern aufwenden müssen.

Gesperrter Eingang zum Sea World

APA/AP/John Raoux

Der Eingang zum wegen „Irma“ geschlossenen Themenpark Sea World in Orlando

Plünderungen während des Hurrikans

Diebe nutzen Berichten zufolge das Chaos durch „Irma“ aus, um Geschäfte zu plündern und in Wohnungen einzubrechen. US-Medien berichteten aus mehreren Städten an der Ostküste Floridas von Überfälle. Viele Täter sollen bewaffnet sein. In der Stadt Weston wurde nach Angaben verschiedener lokaler Medien ein 17-jähriger Dieb von einem Sicherheitsbeamten angeschossen.

Der Sturm brachte an den Küsten weitreichende Überflutungen, so zeigten Fernsehbilder beispielsweise Überschwemmungen in der Innenstadt von Miami. Am Sonntagnachmittag (Ortszeit) wurde „Irma“ zwar von der zweithöchsten Kategorie vier stufenweise auf die Kategorie eins herabgestuft, an Gefährlichkeit büßte der Sturm aber nichts ein.

Mehrere Tornados

Sonntagfrüh Ortszeit hatte „Irmas“ Auge mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 km/h die Florida Keys erreicht. Dort hieß es vielerorts „Land unter“. Später am Tag entwickelten sich an der Ostküste allein binnen einer Stunde sechs Tornados, wie der nationale Wetterdienst berichtete. Mit weiteren Wirbelstürmen müsse gerechnet werden. In Miami brachen mindestens zwei große Baukräne im Sturm zusammen, meldete der „Miami Herald“. Wie der Sender ABC berichtete, starben Sonntagfrüh drei Menschen bei vom Wetter mitverursachten Verkehrsunfällen.

Karte vom Hurrikan Irma

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/NOAA

Nach jüngsten Prognosen sollte der Hurrikan weiter westlich vor der Küste Floridas nordwärts ziehen, allerdings nicht so weit westlich wie zuletzt angenommen. So stieß das Auge des Sturms am Sonntagnachmittag (Ortszeit) südlich der Stadt Naples aufs Festland. Auf dem Flughafen der Stadt sei eine Böe mit 229 km/h gemessen worden, teilte das US-Hurrikanzentrum mit. Zudem stieg der Spiegel des Ozeans vor Naples innerhalb von nur 90 Minuten um mehr als zwei Meter.

„Irma“ breiter als Florida

Das Problem: „Irma“ ist breiter als die Halbinsel Florida. Abgesehen von heftigem Regen führte das gigantische Wettersystem so zu einer kuriosen Situation: An der Ostküste sorgte der riesengroße Wirbel für erste Überflutungen, so in Miami. Auf Bildern und Videos war zu sehen, wie sich Wassermassen durch die Innenstadt Miamis wälzen. An seiner Westseite drückte der Wirbelsturm das Wasser zunächst von der Küste weg. Bilder zeigten leere Hafenbecken; andernorts hatte sich das Wasser meterweit von der Strandpromenade entfernt.

Der Miami River tritt in Miami über die Ufer

Reuters/Carlos Barria

Land unter in Miami: „Irma“ brachte Wassermassen in die Millionenmetropole

Meerwasser in Schaukelbewegung

Die Meteorologen warnten aber, dass das Wasser in einer Art gewaltiger Schaukelbewegung zurück an die Westküste kommen werde, während es im Osten abfließen werde. Von Fort Myers bis nach Tampa bereiteten sich die dort verbliebenen Menschen auf das Schlimmste und bis zu 4,5 Meter hohe Sturmfluten vor. „Das Schlimmste kommt, wenn das Auge durchgezogen ist - dann kommt das Wasser“, sagte ein Meteorologe auf CNN.

In Florida waren zuvor mehr als 6,5 Millionen Menschen aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen und sich vor dem Sturm in Sicherheit zu bringen. Das entspricht rund 30 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates - es war eine der größten Evakuierungsaktionen in der Geschichte der USA. Weit über 100.000 Menschen harrten in Notunterkünften aus.

Aussitzen des Sturms

Robert Uitz-Dallinger berichtet aus Miami über die letzten Stunden mit Hurrikan „Irma“. Die Straßen in der Stadt sind leer, die meisten Menschen warten zu Hause, dass der Sturm zu Ende geht.

Schwere Schäden auf mehreren Inseln

Auch in benachbarten Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen. Für einige Gebiete im Süden von Georgia galten Hurrikanwarnungen. In Alabama mobilisierte Gouverneur Kay Ivey vorsorglich die Nationalgarde. „Irma“ hält die Region bereits seit Tagen in Atem. Bei seinem Zug durch die Karibik hatte der Sturm nach inoffiziellen Schätzungen mehr als 20 Menschen das Leben gekostet, einige Gebiete gelten als unbewohnbar. Schwere Schäden gab es unter anderem auf den Inseln Barbuda, Saint-Martin, Saint-Bartelemy sowie den Jungferninseln.

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