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„Wir wollen allen helfen“

Im US-Staat Florida haben nach dem Hurrikan „Irma“ die Aufräumarbeiten begonnen. Das Ausmaß der Schäden wird nach und nach sichtbar. In der Nacht auf Dienstag bewegte sich „Irma“, mittlerweile kein Hurrikan mehr, nach Nordwesten in Richtung der Bundesstaaten Alabama und Tennessee. Das Tief „Irma“ löst sich nun aber langsam auf.

Allein in Florida forderte „Irma“ zwölf Menschenleben, wie der Katastrophenschutz mitteilte. Aus der Karibik waren zuvor 34 Todesopfer gemeldet worden, zehn davon auf Kuba. Der Sturm riss in vielen Teilen Floridas Hausdächer weg und kappte Leitungen. Millionen Haushalte waren ohne Strom. Nach Angaben des Hurrikanzentrums in Miami gingen die Sturmfluten in den Küstengebieten langsam zurück.

Erste Bewohner waren am Dienstag auf die Florida Keys, eine Inselkette an der Südspitze des US-Bundesstaats, zurückgekehrt. Die Behörden versprachen, so schnell wie möglich die Strom- und Trinkwasserversorgung wiederherzustellen. In manchen Gebieten könnte das aber Wochen dauern.

Zerstörte Häuser in Estero

APA/AP/Naples Daily News/Nicole Raucheisen

Zerstörte Häuser auf der Inselgruppe Florida Keys

Einzelne Gegenden unbewohnbar

„Irma“ schwächte sich am Montag zu einem tropischen Tief ab, brachte aber weiterhin starken Regen, heftigen Wind und Überschwemmungen in den Bundesstaaten Georgia und South Carolina. Der Hurrikan war am Mittwoch erstmals auf der kleinen Karibik-Insel Barbuda auf Land getroffen und erreichte am Wochenende schließlich den US-Bundesstaat Florida.

ORF-Reporter zur Lage in Florida

Im Süden Floridas sind die Aufräumarbeiten im Gange. Das größte Problem sei der fehlende Strom in Florida, berichtet ORF-Reporter Robert Uitz-Dallinger.

„Beispiellos“

Dort waren Medienberichten zufolge auch am Dienstag noch mindestens 15 Millionen Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten. Auch im nördlichen Nachbarstaat Georgia hätten fast eine Million Menschen keine Elektrizität, berichtete unter anderem „USA Today“ unter Berufung auf jüngste Zahlen aus dem Heimatschutzministerium in Washington. In der „Washington Post“ war in diesem Zusammenhang von Stromausfällen in bisher beispiellosem Ausmaß die Rede. Mindestens 54 Prozent der Häuser und Unternehmen in Florida seien demnach am frühen Dienstag noch ohne Strom gewesen.

Die Energieversorgung für Millionen von Menschen wiederherzustellen ist laut „Washington Post“ nun der „Topjob“ für Verwaltung und Einsatzkräfte in Florida. „Ich bitte, dass alle Geduld haben, denn das wird einige Zeit dauern“, sagte dazu der für Infrastruktur zuständige Beamte im Heimatschutzministerium gegenüber „USA Today“.

Lage in Jacksonville weiter angespannt

Angespannt blieb die Lage in Florida: Jacksonville, mit rund 880.000 Einwohnern die größte Stadt des Bundesstaats, stand unter Wasser. Die Pegelstände erreichten nach Angaben der Behörden Rekordhöhen. Ein Park in der Stadt glich einem See, wie auf Aufnahmen zu sehen war.

Ein zerstörtes Haus am Strand in Florida

APA/AP/The Florida Times-Union/Gary Lloyd McCullough

Ein Haus am Ponte Vedra Beach in Florida stürzte in den Atlantik

Auf den Florida Keys boten sich Bilder schwerer Verwüstung. Die Inseln waren von der Außenwelt abgeschnitten, Telefon- und Internetverbindung unterbrochen. Nach Schätzungen des US-Katastrophenschutzes wurden 25 Prozent der Häuser auf der Inselgruppe zerstört, 65 Prozent wurden zudem schwer beschädigt. „Im Grunde ist jedes Haus auf den Keys auf irgendeine Art betroffen“, wie der Direktor der US-Katastropenschutzbehörde (FEMA), Brock Long, dazu sagte.

Militär hilft bei nachträglichen Evakuierungen

Die einzige Landverbindung zum Festland ist der Overseas Highway, der im weiteren Verlauf zum großen Teil aus Brücken besteht. Der Highway blieb für den Verkehr gesperrt. Die Inselgruppe war Sonntagfrüh (Ortszeit) direkt vom Auge des Sturms getroffen worden. Während am Dienstag erste Bewohner auf die Hauptinsel Key Largo zurückkehren durften, bereitete sich das Militär vor, nachträglich Tausende Menschen wegzubringen.

Zerstörte Häuser auf den Florida Keys

APA/AP/The Washington Post/Matt McClain

Bilder der Zerstörung aus Florida

Langes Warten auf Rückkehr

Am Dienstag sollen zwei Kriegsschiffe mit Hubschraubern und Landungsbooten in der Region ankommen, um Lebensmittel zu verteilen und bei der Rettung von weiteren 10.000 Menschen, die trotz der Evakuierungsorder auf den Inseln geblieben waren, aus dem Katastrophengebiet zu helfen. Der Flugzeugträger „Abraham Lincoln“ lag bereits vor der Ostküste Floridas.

Das Weiße Haus rechnete damit, dass geflohene Bewohner möglicherweise über Wochen nicht zurückkehren können. Es werde dauern, bis sich die Gegend von dem Sturm erholt habe, sagte der Heimatschutzberater des Weißen Hauses, Tom Bossert. Die Inselgruppe liegt vor der Südspitze Floridas und hat rund 70.000 Einwohner, zudem ist die Region bei Touristen beliebt.

„Wir wollen allen helfen, so schnell wie möglich zum normalen Leben zurückzukehren“, sagte Floridas Gouverneur Rick Scott. Das werde gleichwohl einige Zeit dauern, seien die Schäden mancherorts doch sehr groß. Für die größte Gefahr in dieser Woche halte er das Hochwasser an den Küsten einerseits und die Überflutungen durch stark angeschwollene Flüsse andererseits. Das Rote Kreuz warnte vor den Gefahren durch überflutete und unterspülte Straßen sowie abgerissene Stromkabel.

Schäden belaufen sich auf 150 bis 200 Mrd. Dollar

Der wirtschaftliche Schaden durch die beiden Wirbelstürme „Irma“ und „Harvey“ beläuft sich den Analysten von Moody’s Analytics zufolge voraussichtlich auf 150 bis 200 Milliarden Dollar (167 Mrd. Euro). Im dritten Quartal dürften die Auswirkungen der Hurrikans auf das Wachstum des Bruttoinlandprodukts in den USA bei fast 0,5 Prozentpunkten liegen, teilte die Ratingagentur am Dienstag mit. Die Schäden durch „Irma“ bezifferten die Analysten auf 64 bis 92 Milliarden Dollar (53 bis 77 Mrd. Euro).

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