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Flucht nach vorne mit E-Modellen

Ab Donnerstag geht in Frankfurt die 67. Auflage der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) über die Bühne. Die Rahmenbedingungen sind in diesem Jahr - Stichwort Dieseldebatte - nicht die einfachsten.

Der Abgasskandal hängt der gesamten deutschen Autobranche noch immer nach, „schmutziger“ Diesel an sich ist ein Dauerthema. Dazu kommt, dass in diesem Jahr weniger Aussteller als in den Jahren zuvor nach Frankfurt gekommen sind. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“) schrieb zuletzt von denkbar schlechten Vorzeichen, einer „Autoschau mit Motorschaden“ und verwies darauf, dass die Zahl der Absagen „zum ersten Mal zweistellig“ sei.

Einige große Marken nicht dabei

Renommierte Marken wie Alfa Romeo, Fiat, Jeep, Mitsubishi, Nissan, Peugeot und Volvo fehlten. Der Grund seien vor allem die hohen Kosten für eine Messepräsenz, es stelle sich aber auch die Frage, „ob ein klassischer Messeauftritt überhaupt noch zeitgemäß ist“. Sogar eine Absage sei im Raum gestanden, „allerdings begründet mit der politischen Lage des Autos“.

Deutschlands Autoexperte Nummer eins von der Universität Duisburg-Essen, Ferdinand Dudenhöffer, bezeichnete in der „Berliner Morgenpost“ die derzeitigen Messekonzepte als „zu langweilig“. Es werde „Zeit, neue Messekonzepte zu entwickeln, bevor es zu spät sein könnte“.

Auch Tesla fehlt

In Frankfurt fehlt auch der US-Elektroautopionier Tesla, und das, obwohl E-Mobilität dort ein großes Thema ist. Das deutsche „Handelsblatt“ zitierte Tesla „eher lapidar“ mit den Worten, man sei „kein traditioneller Fahrzeugbauer“ und „deshalb nicht auf die Veranstaltungen der Branche fixiert“. Generell seien für die Autohersteller inzwischen eigene Veranstaltungen und digitale Kampagnen „individueller gestaltbar und preiswerter“. Dabei gilt die IAA neben der Detroit Auto Show, der Mondial de l’Automobile in Paris und dem Auto-Salon Genf zu den international relevantesten Branchenveranstaltungen.

In Sachen E-Autos liegt die Latte hoch

Nach „Dieselgate“ treten die deutschen Autohersteller derzeit die Flucht nach vorne an und wagen „den zweiten Anlauf für die E-Auto-Revolution“, schrieb am Mittwoch der „Spiegel“. Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte kürzlich angekündigt, in den nächsten fünf Jahren „das gesamte Produktportfolio von Mercedes-Benz elektrifizieren“ zu wollen. VW-Chef Matthias Müller will bis 2025 ganze 80 neue E-Modelle auf den Markt bringen und dafür mehr als 20 Milliarden Euro investieren, BMW-Boss Harald Krüger plant 25 E-Modelle. Der Druck, saubere Antriebe zu entwickeln, ist groß, sogar China denkt inzwischen über ein Aus für Verbrennungsmotoren nach.

Noch viel Zukunftsmusik

Es gebe nur ein Problem: Bis auf wenige Ausnahmen seien alle auf der Messe „vorgestellten Weltneuheiten oder Studien noch mindestens zwei Jahre von der Markteinführung entfern“, schrieb der „Spiegel“. Auch die Kunden zögern noch - wenn auch die Zahl der Zulassungen von E-Autos in Deutschland wie in Österreich steigt. Minuspunkte sind immer noch ein zumeist höherer Anschaffungspreis, geringere Reichweiten und ein lückenhaftes Netz an Ladestationen.

In Österreich waren laut Statistik Austria mit Stichtag 31. Juli 12.348 Pkws mit E-Antrieb zugelassen. In Deutschland beläuft sich die Zahl der Zulassungen laut Kraftfahrbundesamt (KBA) auf 34.022 - Tendenz stark steigend. Gemessen an der Bevölkerungszahl ist der Anteil in Österreich deutlich höher. Von ihrem Ziel, 2020 eine Million E-Autos auf den Straßen zu haben, hat sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel inzwischen verabschiedet.

Diesel finanziert Technologieoffensive

Die Autohersteller kostet die E-Offensive viel Geld - und bringt vorerst nicht viel. Bei einigen Modellen sei der Gewinn nur halb so hoch wie bei Fahrzeugen mit konventionellem Diesel- oder Benzinmotor, sagte Mercedes-Benz-Finanzchef Frank Lindenberg. Als Gegenfinanzierung werden Benziner und Diesel daher nicht so bald aus dem Angebot verschwinden. „Verbrennungsmotoren bleiben über längere Zeit das Rückgrat für die CO2-Ziele und auch unsere Finanzstärke“, so Daimler-Chef Zetsche.

Auch der Chef des Zulieferers Continental, Elmar Degenhart, warnte zuletzt vor einem raschen Ausstieg aus der Dieseltechnologie. Dieser würde die Industrie vor erhebliche Probleme stellen. Vor zu viel E-Euphorie warnte schließlich auch Carlos Tavares, Chef der Opel-Mutter PSA, bei der neben Opel auch Autos der Marken Citroen und Peugeot vom Band laufen. „Wenn es funktioniert und Unternehmen damit profitabel sein können, ist das gut“, sagte er der „Bild am Sonntag“. „Wenn es aber im Markt nicht funktioniert, haben alle, Industrie, Mitarbeiter und letztlich die Politik, ein großes Problem.“

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