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Serie an falschen Drohungen

In der russischen Hauptstadt Moskau sind am Mittwoch Dutzende Gebäude geräumt worden. Laut Nachrichtenagenturen waren mindestens 10.000 Menschen betroffen. Grund ist eine seit Tagen anhaltende Serie von anonymen Drohanrufen gegen mehrere russische Großstädte. Diese haben sich bis dato als falsch erwiesen, die Drohungen müssten laut Einsatzkräften aber ernst genommen werden.

In Moskau gingen laut einem Behördenvertreter etwa 20 anonyme Anrufe ein, in denen von Bomben die Rede gewesen sei. Mehrere Einkaufszentren, darunter das bekannte Luxuskaufhaus GUM in der Nähe des Roten Platzes, drei zentrale Bahnhöfe und eine medizinische Hochschule wurden auf Sprengsätze durchsucht. Auf der Website von GUM hieß es, man habe aus „technischen Gründen“ geschlossen.

Behörden sprechen von „Telefonterrorismus“

Laut einem Bericht von Interfax habe man bei den Einsätzen mit Spürhunden keinen Sprengstoff gefunden. Die Behörden riefen die Bevölkerung zu Ruhe auf und teilten mit, es handle sich vermutlich um einen Fall von „Telefonterrorismus“. Aus Sicherheitsgründen müssten die Gebäude trotzdem geprüft werden. Interfax sprach von mindestens 15.000 Betroffenen.

Polizisten am Roten Platz in Moskau

Reuters/Sergei Karpukhin

Die Einsatzkräfte befinden sich nach der Serie an Bombendrohungen in Alarmbereitschaft

Die Serie an Bombendrohungen hält Russland seit Tagen in Atem. Laut einer von der Nachrichtenagentur TASS zitierten anonymen Quelle seien bis jetzt 20 Städte betroffen gewesen. Am Mittwoch mussten laut Medienberichten in den sibirischen Städten Irkutsk und Tschita ebenfalls Tausende Menschen Einkaufszentren, Schulen und andere öffentliche Gebäude verlassen. Ähnliche Evakuierungen habe es seit Sonntag auch in Kaliningrad, Archangelsk, Rjasan, Omsk, Wladiwostok und anderen Städten gegeben.

Angaben zu Ukraine-Verbindung

Bomben seien nirgendwo gefunden worden, der Hintergrund der Drohungen sei unklar. In Brjansk und Tscheljabinsk wurde örtlichen Medien gesagt, es gehe um eine Übung der Sicherheitsbehörden. Eine offizielle Bestätigung gab es aber nicht. Andere Vermutungen in der Presse gingen in Richtung eines Hackerangriffs. Das kremltreue Boulevardblatt „Komsomolskaja Prawda“ vermutete die Ukraine hinter den Angriffen. Nach Angaben von Kreml-Sprecher Dimitri Peskow ermitteln die Geheimdienste des Landes.

Andere Berichte verweisen darauf, dass die Anrufe offenbar über verschlüsselte Verbindungen getätigt wurden und der Urheber kaum zu lokalisieren sei. Laut der BBC handelt es sich bei den Anrufen offenbar um im Vorfeld aufgenommene Sprachnachrichten. Der Gouverneur von Stavropol sprach von einer „Telefonattacke“.

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