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Kein Ende der Raketentests

Trotz Verschärfung der UNO-Sanktionen wegen seines jüngsten Atomwaffentests hat Nordkorea erneut eine Rakete über Japan hinweg gefeuert. Die Rakete sei nach dem Start nahe Pjöngjang 3.700 Kilometer weit geflogen und dann in den Pazifischen Ozean gestürzt, teilte der südkoreanische Generalstab am Freitag mit.

Nach ersten Angaben des US-Militärs handelte es sich erneut um eine Mittelstreckenrakete. Der UNO-Sicherheitsrat wollte sich nach eigenen Angaben der Vereinten Nationen noch am Freitag in einer Dringlichkeitssitzung mit dem neuen Raketentest beschäftigen. Die Sitzung sei auf Wunsch der USA und Japans anberaumt worden, sagten Diplomaten.

Eine Grafik im japanischen Fernsehen zeigt den Weg der abgefeuerten Rakete von über Japan hinweg

AP/Eugene Hoshiko

In Japan wird auf großen Screens über den Raketentest berichtet

Abschuss nicht angekündigt

Die Rakete hatte eine ähnliche Flugroute wie die Mittelstreckenrakete, die Nordkorea erst am 29. August über den Norden Japans hatte fliegen lassen. Tokio hatte das als neue Eskalationsstufe gewertet, da Nordkorea den Raketenabschuss nicht angekündigt hatte. Das war auch am Freitag wieder der Fall gewesen. Erneut wurde die Bevölkerung in Japan durch das satellitengestützte Warnsystem J-Alert alarmiert. Die Rakete habe Hokkaido um 7.06 Uhr Ortszeit (0.06 Uhr MESZ) in Richtung Pazifik überflogen, teilte das japanische Raketenwarnsystem mit.

Abschuss einer Rakete in Nordkorea am 29. Augus 2017

AP/Korean Central News Agency/Korea News Service

Der Abschuss einer nordkoreanischen Rakete

„Japan muss nicht länger existieren“

Nordkorea hatte am Vortag Japan mit der Vernichtung durch eine Atombombe und den USA mit „Asche und Dunkelheit“ gedroht. „Mit der Atombombe von Juche sollen die vier Inseln der Inselgruppe in der See versinken“, teilte das nordkoreanische Friedenskomitee für Asien und den Pazifik, das für Außenpolitik und Propaganda zuständig ist, am Donnerstag über die amtliche Nachrichtenagentur KCNA mit.

Grafik zu Raketen- und Atomtests in Nordkorea

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/CSIS

Juche ist die nordkoreanische Staatsdoktrin, eine Mischung aus Marxismus und einer extremen Form von Nationalismus. „Japan muss nicht länger in unserer Nähe existieren.“ In den USA sollten alle Vergeltungsmaßnahmen zum Einsatz kommen, die bis jetzt vorbereitet worden seien, erklärte das Komitee weiter. Nordkorea forderte auch die Auflösung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, bei dem es sich um ein „Werkzeug des Teufels“ handle, in dem „mit Geld bestochene“ Länder vertreten seien, die auf Anweisung der USA handelten.

USA fordern neue Strafmaßnahmen

Die USA, Japan und Südkorea zeigten sich am Freitag nach dem neuen Raketentest empört und warfen der Führung in Pjöngjang eine neue Provokation und Bedrohung der Nachbarländer vor. Südkoreas Streitkräfte reagierten mit einer eigenen Raketenübung, bei der eine ballistische Rakete ins Japanische Meer (koreanisch: Ostmeer) geschossen wurde.

Über Japan hinweg

Nordkorea hat erneut eine Rakete getestet, die über Japan hinweggeflogen ist. Nach Angaben aus Südkorea flog sie rund 3.700 Kilometer weit.

„Das ist das zweite Mal binnen weniger Wochen, dass mit Japan ein Vertragspartner der USA direkt bedroht wurde“, hieß es in einer Mitteilung von US-Außenminister Rex Tillerson. „Diese fortgesetzten Provokationen führen dazu, dass Nordkoreas diplomatische und wirtschaftliche Isolation nur noch vertieft wird.“ Er forderte, neue Strafmaßnahmen gegen das Land zu verhängen.

„China liefert Nordkorea den größten Teil seines Öls“, schrieb Tillerson. „Russland ist der größte Arbeitgeber für nordkoreanische Zwangsarbeiter.“ Tillerson forderte China und Russland auf, die Raketentests Nordkoreas zu verurteilen und ihrerseits Maßnahmen zu ergreifen.

Abe: Ungeheuerliche Handlung

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe verurteilte den Raketentest als „ungeheuerliche“ Handlung, die nicht toleriert werden könne. „Die internationale Gemeinschaft muss zusammenkommen und eine klare Botschaft an Nordkorea senden, das den Weltfrieden mit seinen Aktionen bedroht“, forderte er. Bei dem jüngsten Test sei die Rakete 2.200 Kilometer östlich der Insel Hokkaido in den Pazifik gestürzt, teilte die Regierung in Tokio mit. Nach Angaben Südkoreas hatte der Flugkörper zuvor eine Höhe von 770 Kilometern erreicht.

Das US-Militär teilte mit, dass es sich bei dem neuen Geschoß ersten Einschätzungen zufolge um eine ballistische Mittelstreckenrakete (IRBM) gehandelt habe. Diese habe keine Gefahr für die USA oder die amerikanischen Stützpunkte auf der Pazifikinsel Guam bedeutet. Nordkorea hatte vor Kurzem mit einem Angriff auf das US-Territorium gedroht.

Südkorea: Ernste Bedrohung für Weltgemeinschaft

Südkorea warf dem Nachbarland eine „rücksichtslose Provokation“ vor. Der Test sei eine „klare Verletzung von Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats und stellt eine ernste Bedrohung für den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und die Weltgemeinschaft dar“, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums. Südkoreas Präsident Moon Jae In berief den Nationalen Sicherheitsrat ein, um über die Lage zu beraten.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg forderte eine internationale Reaktion. „Nordkoreas Raketenabschuss ist ein weiterer rücksichtsloser Verstoß gegen UNO-Resolutionen und eine massive Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit, was eine weltweite Antwort erfordert“, schrieb Stoltenberg am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Trump will im November Asien besuchen

US-Präsident Donald Trump kündigte indes eine längere Asienreise im November an. Wie Trump am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte, will er Südkorea, China und Japan besuchen und an einigen regionalen Gipfeltreffen teilnehmen. Es würden „zehn ziemlich geschäftige Tage“, so Trump. Südkorea, China und Japan bemühen sich derzeit mit den USA darum, den Konflikt in Nordkorea zu entschärfen.

Offen ließ der Präsident allerdings, ob er tatsächlich an allen Gipfeln teilnehmen wird, die in der Zeit in der Region stattfinden. Unter anderem stehen in seiner Reisezeit der Gipfel der Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten (ASEAN), der Ostasiengipfel (EAS) auf den Philippinen und der Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) in Vietnam an.

Druck auf Pjöngjang

Erst am Montag hatte der UNO-Sicherheitsrat den sechsten und bisher größten Atomtest Nordkoreas am 3. September mit neuen Sanktionen bestraft. Die neue Resolution sieht erstmals eine Deckelung von Öllieferungen an das Land und den Verbot der Textilexporte vor. Dadurch soll der Druck auf Pjöngjang in dem andauernden Konflikt erhöht werden. Die Regierung in Nordkorea erklärte, den Sanktionsbeschluss kategorisch abzulehnen und von ihrem Atom- und Raketenprogramm nicht abrücken zu wollen.

Nordkorea hatte nach eigenen Angaben bei dem Atomtest in diesem Monat eine Wasserstoffbombe gezündet, mit der Interkontinentalraketen bestückt werden sollen. Mit einer härteren Resolution, die ein Ölembargo und Finanzsanktionen gegen Machthaber Kim Jong Un vorgesehen hatte, konnten sich die USA in Verhandlungen mit China und Russland nicht durchsetzen.

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