Strolz bestätigt gescheiterte Allianzgespräche mit Kurz

NEOS-Chef Matthias Strolz hat gestern in der ORF-„Pressestunde“ bestätigt, dass es im Vorjahr mit dem nunmehrigen ÖVP-Obmann Sebastian Kurz Gespräche für eine gemeinsame Wahlplattform nach dem Vorbild Emmanuel Macrons in Frankreich gegeben hat. Letztlich sei Kurz dazu nicht bereit gewesen, sagte Strolz - auch wegen des dann anstehenden Verzichts auf fast 60 Mio. Euro Parteienförderung.

„Schmerzbefreit, sich nach dem Wind zu drehen“

Strolz attestierte Kurz Entschlossenheit. Allerdings: „Die Leute sagen mir auch, Sebastian Kurz hat viele Talente, aber irgendwo stimmt was mit ihm nicht“, kritisierte Strolz den Kanzlerkandidaten der ÖVP. Kurz „hält nicht“, etwa bei „Ehe für alle“ oder der Abschaffung der Kammerzwangsmitgliedschaft. Er sei „sicherlich ein Kommunikations- und Inszenierungstalent“, so Strolz über seinen früheren Parteifreund, aber auch „schmerzbefreit, sich nach dem Wind zu drehen“.

Strolz in der ORF-„Pressestunde“: NEOS sei für die Opposition ebenso bereit wie für die Regierung.

Die ÖVP, aber auch die SPÖ charakterisierte er als „zwei marode Parteikörper“, auf die „sehr attraktive Köpfe draufgesteckt“ worden seien. Für seine eigene Partei prognostizierte Strolz Wachstum, wenn auch nur Schritt für Schritt. Bezüglich der SPÖ mutmaßte Strolz, Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil wolle die Partei übernehmen. NEOS sei schließlich für die Opposition ebenso bereit wie fürs Mitregieren. „Wir werden beide Rollen mit Entschlossenheit erfüllen.“

„Champions League in Sandalen“

Strolz präsentierte des Weiteren sein Programm, von der Pensionsautomatik nach dem Vorbild Schwedens, dem Bekenntnis zur EU bis zur Halbierung der Parteienförderung. Er wolle einen athletischen Staat, aber mit den richtigen Muskeln, betonte er. In der Bildung forderte er weniger Parteipolitik, in der Wirtschaft weniger Bürokratie.

Dass er bei der Finanzierung seiner Partei mit Mäzen Hans Peter Haselsteiner im Hintergrund leicht reden habe, wies er zurück. Man habe mit Abstand das kleinste Budget von allen, im steirischen Wahlkampf habe selbst die KPÖ über mehr Geld verfügt. „Die anderen haben echte Schuach an, wir spielen Champions League in Sandalen“, so Strolz.