Kurdenpräsident verteidigt Festhalten an Referendum

Am Tag vor dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak hat der Präsident der Minderheit, Massud Barsani, sein Festhalten an der Abstimmung verteidigt.

„Wir haben unser Bestes getan, um eine Lösung mit Bagdad und der internationalen Gemeinschaft zu finden. Bagdad hat uns nicht akzeptiert und uns damit dazu gezwungen, diesen Schritt zu machen“, sagte Barsani gestern nahe Erbil. Es sei kein Verbrechen, die Menschen in Kurdistan nach ihrem Wunsch für die Zukunft zu befragen.

Barsani mit versöhnlichen Worten

Barsani sagte zu, dass die „exzellente“ Zusammenarbeit der kurdischen Peschmerga-Streitkräfte mit der irakischen Armee weitergehen werde. Die Vereinten Nationen und die USA hatten sich zuletzt skeptisch bis ablehnend zu dem Referendum geäußert, weil sie den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak gefährdet sehen.

In Richtung der Nachbarländer Türkei und Iran, die die Kurden zur Verschiebung aufgefordert hatten, sagte Barsani: „Unsere Botschaft an unsere Nachbarn ist, dass wir uns auf eine ausgezeichnete Beziehung zu ihnen freuen.“ Die Kurden seien noch nie ein Instabilitätsfaktor gewesen und würden sich an die internationalen Grenzen halten.

Iran setzt Flüge aus

Der Iran setzte alle Flüge aus dem und in das Gebiet aus. Das sei auf Bitte der irakischen Zentralregierung geschehen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur IRNA. Gleichzeitig schloss der Iran auch seinen Luftraum für Flüge aus den irakischen Kurdengebieten. Wie lange die Blockade in Kraft bleiben soll, wurde nicht bekannt.

Die Flüge der AUA nach Erbil im irakischen Kurdengebiet sind von der iranischen Luftraumsperre nicht betroffen, wie ein Sprecher der Airline der APA mitteilte. Die Flüge gingen über die Türkei und nicht über iranisches Staatsgebiet.

Rouhani ruft zu Besonnenheit auf

Einen Tag vor dem umstrittenen Referendum hielt der Iran Militärmanöver an der Grenze ab. Dabei sei in der Region Oschnawija auch die Luftwaffe beteiligt, meldete der staatliche Sender IRIB.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani forderte von Bagdad eine „besonnene“ Reaktion auf das Kurdenreferendum. Der Iran sei gegen das Unabhängigkeitsreferendum in den Kurgengebieten und stehe diesbezüglich voll und ganz auf der Seite der irakischen Zentralregierung, versicherte Rouhani dem irakischen Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi.

Gleichzeitig aber hoffe er und sei sich auch sicher, dass der Irak „besonnen und klug“ auf das Referendum reagieren und auch dieses Problem lösen werde.

Scharfe Töne aus der Türkei

Am Vortag hatte die türkische Luftwaffe Angriffe auf Stellungen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Norden des Irak geflogen. Diese hätten Angriffe auf türkische Grenzposten vorbereitet, teilte das Militär mit.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim verurteilte die Referendumspläne erneut. Die bereits „bestehende Instabilität, der Mangel an Autorität und Chaos in der Region“ würden dadurch noch verschlimmert. Am Samstag hatte Yildirim gedroht, die Antwort Ankaras auf das Referendum werde „wirtschaftliche und Sicherheitsdimensionen“ haben.