Banken prüfen Abzug aus Katalonien

Der Konflikt über das Unabhängigkeitsreferendum in der spanischen Region Katalonien zieht weitere Kreise. Auch der Bankensektor zieht nun Konsequenzen aus der unsicheren Lage: Die fünftgrößte Bank des Landes, Banco Sabadell, will aus der Region abwandern und ihren Hauptsitz nach Alicante an der Costa Blanca verlegen, wie das Geldhaus gestern bei einer Sondersitzung entschied.

Bank Sabadell

APA/AFP/Josep Lago

Medien berichteten, die Großbank La Caixa wolle wahrscheinlich ebenfalls die Region verlassen und in Mallorcas Hauptstadt Palma umziehen. Die Entscheidung soll am Freitag fallen. Die Aktienkurse der Banken waren zuletzt im Zuge der Krise stark gefallen.

Dekret soll Weggang erleichtern

Nach einem Bericht der Zeitung „El Mundo“ plant die spanische Regierung die Verabschiedung eines Dekrets, das Geldinstituten und Firmen den Weggang aus Katalonien erleichtern soll.

Dann würde eine Entscheidung des Aufsichtsrats für einen Ortswechsel ausreichen, eine Gesellschafterversammlung müsste nicht mehr einberufen werden, so das Blatt unter Berufung auf Finanzkreise.

Ratingagentur erwägt Abstufung

Die US-Ratingagentur Fitch erwägt unterdessen, die Kreditwürdigkeit der Region herabzustufen. Als Grund gab die Agentur „unvorhersehbare Ereignisse“ in Katalonien an, womöglich sogar „Störungen“ beim Finanzzugang für die Region. Die Kreditwürdigkeit Kataloniens ist bei Fitch bereits auf die spekulative Kategorie „BB“ gesunken.

Die Katalanen hatten sich am Sonntag in einem umstrittenen und von der Justiz untersagten Referendum mit deutlicher Mehrheit für eine Abspaltung der wirtschaftsstarken Region von Spanien ausgesprochen. Allerdings hatten - an der teils durch Polizeigewalt verhinderten - Abstimmung nur 42 Prozent der Wahlberechtigten teilgenommen.