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Spanisches Flaggenmeer in Barcelona

„Viva Espana“, „wir sind Spanier, wir sind Katalanen“: Mit Slogans wie diesen sind am Sonntag Hunderttausende in Barcelona gegen den Abspaltungsprozess der separatistischen Regionalregierung von Spanien auf die Straßen gegangen. Während die Veranstalter von rund 950.000 Kundgebungsteilnehmern sprachen, schätzte die Polizei die Zahl am Sonntagnachmittag auf 350.000.

Die Unabhängigkeitsgegner trafen sich im Zentrum der katalanischen Hauptstadt mit spanischen und katalanischen Flaggen. Banner trugen die Aufschriften: „Katalonien ist Spanien“ und „Gemeinsam sind wir stärker“. Organisiert wurde die Kundgebung von einer Gruppe, die sich Katalanische Zivilgesellschaft nennt und nach eigenen Angaben „die schweigende Mehrheit“ der Katalanen mobilisieren will.

„Puigdemont, ab in den Knast“

„Wir zeigen heute Katalonien und ganz Spanien, dass wir eine Mehrheit sind, die gegen die Unabhängigkeit ist“, sagte dazu eine Kundgebungsteilnehmerin. „Wir wollen Einheit signalisieren und hoffen, dass Katalonien zur Gesetzmäßigkeit und den Regeln zurückkehrt“, eine andere.

Einige Demonstranten forderten auch die Inhaftierung des katalanischen Regierungschefs Carles Puigdemont. Zu hören waren immer wieder Rufe wie „Puigdemont, ab in den Knast“. „Die Einheit Spaniens steht nicht zur Wahl - sie muss verteidigt werden“, hieß es auf einem Schild der Demonstranten.

43 Prozent gaben ihre Stimme ab

Der katalanische Regierungschef will die Loslösung der Region von Spanien erzwingen. Am 1. Oktober ließ er gegen den Willen Madrids und trotz des Verbots durch das spanische Verfassungsgericht ein Referendum durchführen. 90 Prozent stimmten für die Unabhängigkeit. Doch lag die Wahlbeteiligung nur bei rund 43 Prozent. Von Unabhängigkeitsgegnern wird in diesem Zusammenhang immer wieder auf entsprechende Umfragen verwiesen, wonach die Separatisten in Katalonien mit maximal 45 Prozent keine Mehrheit darstellen.

Demo für die Unabhängigkeit Kataloniens in Barcelona

APA/AFP/Pau Barrena

Die Teilnehmer des Protestmarsches verwandelten Barcelonas Innenstadt in ein von den spanischen Nationalfarben geprägtes Flaggenmeer

Das derzeit Katalonien regierende Bündnis unter Regierungschef Puigdemont hatte seinerzeit mit knapp 48 Prozent der Stimmen eine relativ knappe Mehrheit der Parlamentssitze gewonnen. Laut einer Sprecherin der katalanischen Linkspartei CUP entspreche es aber auch einer „kolonialen Logik“, dass Spanier aus anderen Landesteilen in Katalonien gegen die Unabhängigkeit der Region demonstrierten.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy ist strikt gegen eine Unabhängigkeit Kataloniens und zeigt sich in dem Streit kompromisslos. Er drohte am Sonntag mit dem Entzug des Autonomiestatus Kataloniens. Puigdemont kündigte für Dienstag eine Rede vor dem Parlament in Barcelona an. Nach Angaben eines Abgeordneten soll dann die Unabhängigkeitserklärung angenommen werden.

Prominente Teilnehmer

„Dank der undemokratischen und verfassungswidrigen Politik Puigdemonts, der bereit ist, geltendes Recht zu brechen, um seinen politischen Traum umzusetzen, haben die Menschen ihre Angst verloren, die Fahnen ihres Landes, Spaniens, zu zeigen. Diese Demo ist der Beweis“, sagte die ehemalige spanische Kulturministerin Esperanza Aguirre.

Aguirre war nicht die einzige Politikern und Persönlichkeit, die an dem Protestmarsch gegen Kataloniens Unabhängigkeitsbewegung teilnahm. Neben der Präsidentin der Regionalregierung von Madrid, Cristina Cifuentes, kamen auch andere Politiker und ehemalige Minister der konservativen Zentralregierung nach Barcelona.

„Unabhängigkeitsverschwörung“

Auch der Chef der Liberalen (Ciudadanos), Albert Rivera, und der ehemalige sozialistische EU-Parlamentspräsident Josep Borrell marschierten Seite an Seite neben Persönlichkeiten wie dem spanischen Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa und der Schriftstellerin Nuria Amat gegen den Separatismus.

Demonstration in Barcelona

APA/AP/Francisco Seco

Die Unabhängigkeitsgegner sehen sich als bisher schweigende Mehrheit

Vargas Llosa sagte in einer Rede, die spanische Demokratie werde jeder „Unabhängigkeitsverschwörung“ standhalten. „Endlich erhebt die bisher schweigende Mehrheit ihre Stimme gegen die Staatsstreichversuche Puigdemonts“, wird zudem Amat von der APA zitiert: „Schauen Sie sich diese Menschenmassen an. So viele Menschen dürften noch niemals in Katalonien, meiner Heimat, gegen die Unabhängigkeit demonstriert haben.“

Barcelona war - neben vielen weiteren Städten in ganz Spanien - bereits am Samstag Schauplatz von Kundgebungen, bei denen unter dem Motto „Parlem, Hablemos“ („Reden wir“ auf Katalanisch und Spanisch) der seit dem Referendum verweigerte Dialog zwischen Barcelona und Madrid eingefordert wurde.

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