Themenüberblick

Erfolg dank öffentlicher Forschung

Man kann das iPhone heute getrost ikonisch nennen, so sehr haben sein Design und seine Technologien uns beeinflusst. Schon im Jahr seiner Markteinführung wurde dem Gerät aus dem Hause Apple so viel revolutionäre Kraft zugeschrieben, dass es als „Erfindung des Jahres“ das Cover des „Time Magazine“ zierte.

Seinen Erfolg verdankt das iPhone dabei Technologien, die allesamt im Rahmen von staatlich finanzierter Forschung entwickelt wurden. Tatsächlich stecke im iPhone nicht eine einzige Technologie, die nicht staatlich finanziert wurde, schreibt die italienisch-amerikanische Ökonomin Mariana Mazzucato in ihrem Buch „Das Kapital des Staates“: ein Plädoyer für eine neue Sicht auf den Staat und seine innovationstreibende Rolle in der Wirtschaft.

„Träger Staat“?

„Den Unternehmen traut man innovative Kraft zu, der Staat gilt als träge“, beschreibt die Wirtschaftswissenschaftlerin die Situation. „Man braucht ihn für die Rahmenbedingungen, aber er ist zu groß und zu schwerfällig, um die Dinge dynamisch voranzutreiben.“ Mit ihrem Buch will sie genau dieses Bild widerlegen – und den „potenziell innovativen und dynamischen Charakter des Staates“ herausarbeiten.

Ein komplettes Kapitel des Buches widmet sich einem einzigen Unternehmen und dabei vor allem einem Produkt: Apple und dem iPhone. Und Mazzucato geht nicht eben gnädig um mit diesem Vorzeigebeispiel für die Genialität der kreativen „Garagenbastler“. Apple sei alles andere als das Paradebeispiel für die Wirkung des freien Marktes, als das das Unternehmen oft hingestellt werde.

Die Technologien des iPhone

Apple habe von den massiven staatlichen Investitionen in „revolutionäre“ Technologien profitiert, die das iPhone und das iPad überhaupt erst möglich machten, so Mazzucato. Und dann nimmt sie sich akribisch die zwölf wichtigsten Technologien des iPhone – das Internet, GPS, Touchscreen-Displays, Mikroprozessoren usw. – vor, um jeweils zu zeigen, wie im Wesentlichen staatlich finanzierte Forschung zu ihrer Entwicklung geführt hat.

Und was bekommt der Staat dafür?

Die Ökonomin weist zudem darauf hin, dass Apple noch auf andere Art und Weise staatliche Unterstützung erhalten hat und erhält, beispielsweise durch Steuervergünstigungen und durch staatliche Aufträge. Die staatlichen Schulen in den Vereinigten Staaten seien treue Apple-Kunden: Seit den 1990er Jahren kaufen sie laut Mazzucato „alljährlich ihre Computer und Software bei Apple“.

Buchhinweis

Mariana Mazzucato: Das Kapital des Staates. Eine andere Geschichte von Innovation und Wachstum. Antja Kunstmann, 320 Seiten, 23,60 Euro.

Und was bekommt der Staat zurück? Über den „Return on Investment“ für den Staat gibt es unterschiedliche Ansichten, die Mazzucato deutlich Apple-kritisch ausführt. Insbesondere das Gebaren des Konzerns zur Steuervermeidung wird von ihr missbilligt.

Gerade weil der Staat eine so entscheidende Rolle dabei gespielt habe, dass Unternehmen wie Apple ihr Geschäftsmodell entwickeln konnten, sei es so erstaunlich, dass dieses Faktum in der Diskussion über Apples Steuervermeidungstaktik kaum vorgekommen sei. „Apple“, so schreibt sie, „sollte Steuern nicht nur deshalb zahlen, weil es sich so gehört, sondern weil es der Inbegriff eines Unternehmens ist, das nur dank öffentlicher Gelder so groß werden konnte.“

Links: