EU-Grenzschutz Frontex kritisiert libysche Küstenwache

Der Chef der EU-Grenzschutzbehörde Frontex, Fabrice Leggeri, hat die libysche Küstenwache für ihr hartes Vorgehen gegen Flüchtlingshelfer im Mittelmeer kritisiert.

Gegenüber den Rettungseinsätzen internationaler Hilfsorganisationen trete Libyens Küstenwache „zum Teil aggressiv und gewalttätig“ auf, sagte Leggeri der deutschen Zeitung „Die Welt“ (Mittwoch-Ausgabe). „Das muss sich verbessern.“

Klar sei allerdings auch, dass das nordafrikanische Land in der Lage sein müsse, Schlepper bereits an der Küste zu stoppen, sagte der Frontex-Chef weiter. Es sei daher hilfreich, dass die EU die Ausbildung der libyschen Küstenwache verbessern wolle.

Haupttransitland für Flüchtlinge

Nach Erkenntnissen von Frontex ist die Zahl der Flüchtlinge, die über die Mittelmeer-Route aus Libyen kommend in Italien eintreffen, in den vergangenen Monaten um etwa 50 Prozent gesunken. „Trotzdem sind es immer noch zu viele, die illegal über das Mittelmeer einreisen“, sagte Leggeri. „Entwarnung kann ich nicht geben.“

Libyen ist eines der Haupttransitländer für Flüchtlinge aus Afrika auf ihrem Weg nach Europa. Das Land wird in weiten Teilen von bewaffneten Milizen kontrolliert. Mit europäischer Unterstützung versucht die libysche Küstenwache, Flüchtlinge abzufangen, ehe sie internationale Gewässer erreichen. Dieses Vorgehen stößt bei Hilfsorganisationen auf Kritik, die zum Teil mit eigenen Schiffen in den Gewässern unterwegs sind und sich durch Libyens Marine bedrängt fühlen.