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Umkämpftes Territorium

Seit dem Abzug der Israelis aus dem Gazastreifen 2005 ist das Küstenterritorium am Mittelmeer nicht zur Ruhe gekommen. Im Juni 2007 übernahm die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas, die Israel das Existenzrecht abspricht, nach Gefechten mit der Fatah von Präsident Mahmud Abbas die alleinige Kontrolle. Damit kam es zur faktischen Trennung vom Westjordanland.

Militante Palästinenser setzten ihren Beschuss israelischer Ortschaften mit Kleinraketen fort, Israel reagierte mit einer Abriegelung des Gazastreifens, Luftangriffen und Bodenoffensiven. Die Hamas kam 2007 nach eigener Darstellung mit ihrem Vorgehen Umsturzplänen der Fatah, Israels und der USA zuvor. Die Fatah hatte die palästinensische Parlamentswahl Anfang 2006 gegen die Hamas verloren.

Erstes palästinensisches Selbstverwaltungsgebiet

Israel hatte im August und September 2005 die Siedlungen von Israelis im Gazastreifen aufgelöst, die diese nach dem Sechstagekrieg 1967 dort errichtet hatten. Der 45 Kilometer lange und zehn Kilometer breite Gazastreifen, dessen Gesamtfläche (360 Quadratkilometer) deutlich kleiner ist als jene von Wien (415 Quadratkilometer), gehörte nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches zum britischen Mandatsgebiet Palästina.

Karte zu den Palästinensergebieten

Grafik: APA/ORF.at

Während des ersten israelisch-arabischen Krieges (1948/49) flüchtete die arabische Bevölkerung aus Südpalästina in die von Ägypten kontrollierte Gegend um Gaza. Durch das Waffenstillstandsabkommen von 1949 kam das Gebiet unter ägyptische Verwaltung. Während des Sues-Konflikts 1956 und im Sechstagekrieg im Juni 1967 wurde es von Israel besetzt.

1994 entstand in dem schmalen Küstenstreifen in Umsetzung des israelisch-palästinensischen Grundlagenvertrags von 1993 das erste palästinensische Selbstverwaltungsgebiet. Nach Beginn des Aufstands der zweiten Intifada im Herbst 2000 wurde die vorläufige Autonomieregelung von Israel außer Kraft gesetzt.

Sehr dicht besiedelt

Der Gazastreifen ist eines der am dichtesten besiedelten Gebiete, die Geburtenrate ist eine der weltweit höchsten. Derzeit leben dort mittlerweile knapp 1,9 Millionen Palästinenser. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt. Ein Großteil lebt in völliger Armut in Flüchtlingslagern. Weit mehr als die Hälfte der erwerbsfähigen Bevölkerung ist arbeitslos.

Vom Gazastreifen ging bereits die erste Intifada (1987 bis 1993) aus, die später auf das von Israel besetzte Westjordanland übergriff. Im Zwischenabkommen von Wye Plantation 1998 hatte Israel der palästinensischen Führung die Eröffnung eines internationalen Flughafens in Gaza zugebilligt, der nach seiner Fertigstellung immer wieder geschlossen und schließlich vom israelischen Militär zerstört wurde. Im Abkommen von Scharm al-Scheich 1999 erhielten die Palästinenser das Recht auf einen eigenen Hafen.

Israel und Ägypten verhängten Blockade

Nach der Hamas-Machtübernahme erklärte Israel den Gazastreifen 2007 zum „feindlichen Territorium“. Damit sollte der Druck auf die Islamisten erhöht werden. Anfang 2008 sperrte Israel die Grenzübergänge und stellte die Treibstofflieferungen ein. Ägypten ergriff ähnliche Maßnahmen. Nach palästinensischen Angaben fielen der Blockade mehr als 100.000 Arbeitsplätze zum Opfer.

Kritiker der Blockade machen geltend, dass diese der Hamas kaum geschadet habe und stattdessen die Armen die Leidtragenden seien. Israel vertritt hingegen den Standpunkt, genug humanitäre Hilfsgüter über die Grenze durchzulassen. Ende 2008 und Anfang 2009 war der Gazastreifen Ziel einer dreiwöchigen israelischen Militäroffensive (Operation „Gegossenes Blei“), bei der mehr als 1.300 Palästinenser getötet und über 5.000 weitere verwundet wurden. Das israelische Militär verhinderte mehrmals, dass Schiffe von NGOs mit Hilfsgütern den Gazastreifen vom Meer aus erreichten. 2010 wurde das aus der Türkei kommende Schiff „Mavi Marmara“ geentert, neun Aktivisten wurden getötet.

2.000 Tote bei Militäroperation 2014

2014 folgte die Operation „Schutzlinie“ in Reaktion Israels auf starken Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. Bilanz von Luftschlägen und Angriffen auf dem Boden: mehr als 2.000 Tote laut dem UNO-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA). 2006 hatten militante Mitglieder der Hamas den israelischen Soldaten Gilad Schalit in Israel entführt. Er kam erst bei einem großen Gefangenenaustausch 2011 frei.

Zwischenzeitlich hatten sich Hamas und Fatah unter ägyptischer Vermittlung darauf verständigt, eine „Regierung der nationalen Einheit“ zu bilden und einen politischen Neuanfang mit Präsidenten- und Parlamentswahlen und der Eingliederung der Hamas in die von der Fatah dominierte Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) zu versuchen, die von der Staatengemeinschaft als legitime Vertretung des palästinensischen Volkes anerkannt ist und völkerrechtlich der Vertragspartner Israels. Die Umsetzung scheiterte aber vorerst.

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