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Kündigung mit Jahresende geplant

Die BAWAG hat vor, die Zusammenarbeit mit der Post noch vor dem Jahresende zu kündigen. Damit würde die Trennung Ende 2020 wirksam werden. Die Post habe sich nicht auf einen Vorschlag zur Umstrukturierung der Zusammenarbeit eingelassen, heißt es im Börsenprospekt der BAWAG von Mittwoch.

Ohne neue Vereinbarung werde die Zusammenarbeit spätestens am 31. Dezember gekündigt. Derzeit werde das Netz mit 433 Filialen gemeinsam mit der Post betrieben. In der Übergangszeit will die BAWAG ein eigenes Netz mit rund 100 Filialen aufbauen - zu den derzeit 74 eigenen Filialen sollen 25 neue BAWAG-Standorte dazukommen. Auch sollen eigene Berater aufgenommen und ausgebildet werden.

Mit dem Übergang seien signifikante Unsicherheiten und Risiken verbunden, heißt es im Börsenprospekt. Insbesondere könnte die Servicequalität in der Übergangszeit leiden, was zu einem höher als erwarteten Rückgang bei den Kunden und Geschäftsabschlüssen führen könnte. Auch könnten die Einsparungen geringer ausfallen als im Voraus erwartet. Schließlich gebe es auch noch das Risiko eines Rechtsstreits mit der Post.

Post hält an Finanzdienstleistungen fest

Die Post wiederum will sich nicht aus diesem Geschäft zurückziehen. „Wir wollen auch nach 2020 noch Finanzdienstleistungen anbieten“, sagte Post-Sprecher Michael Homola am Mittwoch. Da es schon länger Hinweise auf eine Kündigung der Zusammenarbeit durch die BAWAG gegeben habe, habe die Post bereits vor einiger Zeit begonnen, national und international Kooperationspartner und andere Möglichkeiten zu suchen, um weiter Finanzdienstleistungen anzubieten.

Auch die Möglichkeit, dass in der Übergangszeit das Service schlechter ausfallen könnte, schloss Homola aus. Es sei auch im Interesse der Post, in der Übergangszeit einen stabilen Betrieb aufrechtzuerhalten. Viele Kunden würden überhaupt nicht zwischen Diensten der Post oder der BAWAG unterscheiden. Über die weitere Zusammenarbeit in den nächsten Jahren gebe es auch noch laufend Gespräche.

Laut Post-Filialvorstand Walter Hitziger sei man von der Kündigung „nicht überrascht“. Die Bank habe bereits in mehr als hundert Filialen die Berater abgezogen. Seinen Ärger konnte Hitziger darüber nicht verbergen. „Sie machen das schlicht entgegen den Plänen. (...) Aber das ist halt vielleicht so bei US-Firmen“, meinte er und verwies darauf, dass die teilstaatliche Post AG als „Traditionsbetrieb“ eben eine andere Unternehmenskultur habe. Die BAWAG befindet sich im mehrheitlichen Besitz des US-Finanzinvestors Cerberus

Post fordert Millionennachzahlungen

Abgesehen davon läuft auch noch ein Schiedsgerichtsverfahren zwischen BAWAG und Post über die richtige Honorierung des Abkommens zwischen den beiden Unternehmen. Die Post verlange unter Berufung auf das Postsparkassengesetz pro Jahr um 15 bis 20 Mio. Euro mehr an Vergütung, als im Abkommen vereinbart sei, heißt es im Börsenprospekt.

Alleine für die Jahre 2013 bis 2016 fordere sie 56 Mio. Euro nach. Sollte der Vertrag bis inklusive 2020 laufen (also heuer noch gekündigt werden), und sollte die Post vor dem Schiedsgericht vollinhaltlich recht bekommen, dann müsste die BAWAG rund 126,5 Mio. Euro zusätzlich zahlen.

BAWAG erhofft sich zwei Mrd. Euro aus Börsengang

Die BAWAG P.S.K. erhofft sich durch ihren Gang an die Wiener Börse einen Erlös von 1,89 bis 2,03 Mrd. Euro. Das Preisband pro Aktie soll zwischen 47 und 52 Euro liegen, hieß es am Mittwoch. Die Zeichnung soll bis zum 24. Oktober erfolgen. Der bisherige Rekordhalter - der Baukonzern STRABAG - hatte bei seinem Börsengang in Wien 2007 rund 1,3 Milliarden Euro erlöst.

„Der Börsengang wird uns Zugang zum Kapitalmarkt, eine neue Aktionärsstruktur und mehr Unabhängigkeit verschaffen“, sagte BAWAG-Chef Anas Abuzaakouk. Bis zu 40,25 Millionen Aktien der viertgößten Bank des Landes sollen bei Investoren untergebracht werden. Die Bank, die mit dem Börsengang selbst kein Geld erlöst, wird am oberen Ende der Spanne mit 5,2 Milliarden Euro bewertet.

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