Themenüberblick

Contenance nach turbulentem Wahlkampf

Mit der „Elefantenrunde“ in ORF2 sind die TV-Konfrontationen heute zu Ende gegangen. Einmal noch konnten die Kandidaten und die Kandidatin der im Parlament vertretenen Parteien ihre Positionen vor einem großen Publikum vorbringen - und diesmal sogar die Themen selbst auswählen. Vielleicht lag es auch daran, dass die Diskussion über weite Strecken ganz ohne An- und Untergriffe auskam.

Begonnen hatte die Runde mit der Frage nach der politischen Kultur - und wie man nach dem Wahlkampf das Vertrauen wiederherstellen könne. Kern meinte, diesen Wahlkampf „hätten wir uns sparen können“. Am Wahltag gehe es aber nicht mehr darum, sondern um eine Richtungsentscheidung - und zwar, welche Art von Veränderungen man wolle.

Die SPÖ setze da auf wirtschaftlichen Erfolg, man wolle soziale Verantwortung ernst nehmen und stehe für gesellschaftliche Offenheit. Das sei die „Fortsetzung des österreichischen Wegs“, der mit Bruno Kreisky begonnen worden sei. Die SPÖ wolle das Land besser machen, und jeder solle die Chance bekommen, von diesem Erfolg zu profitieren.

Kurz: Menschen vom Wahlkampf angewidert

Kurz meinte, nicht nur die Spitzenkandidaten, sondern wohl auch die Bevölkerung sei froh, wenn bald gewählt würde. Der Wahlkampf habe viele Menschen zu Recht angewidert. Er habe immer auf Sachpolitik gesetzt und wolle diesen Weg auch fortsetzen. Die aus dem Ausland nach Österreich „importierten Methoden“ wolle man nicht - und er habe die Idee eines neuen Straftatbestands zu Dirty Campaigning schon geäußert. Das solle für die Zukunft sicherstellen, dass so etwas „strukturiert, gesteuert und bezahlterweise“ nicht wieder stattfindet.

Politische Kultur im Wahlkampf

Bei der Debatte um die politische Kultur im Land wurden die Wahlkampfaffären diesmal nur kurz thematisiert.

Strache betonte, er wolle „den Menschen dienen“ - und nicht den Systemen und Interessenlagen. In der Vergangenheit hätte er Streitereien in der Regierung, Stillstand und viele Versprechungen erlebt. Wirkliche Probleme der Menschen seien nicht ernst genommen worden. Die Facebook-Affäre nannte er den „Höhepunkt der politischen Unkultur“. Noch einmal forderte er eine Entschuldigung ein - ohne jedoch dabei Namen zu nennen: Das wäre „korrekt gewesen“.

Grüne und NEOS wollen mit Inhalten punkten

Lunacek meinte, die Grünen hätten auch ihren politischen Stil in den Vordergrund gestellt, der auf Zusammenhalt und Solidarität setzt. Spaltung, Hetze und Hass habe man früher von der FPÖ gekannt - und jetzt im Wahlkampf auch von den Regierungsparteien. Einen solchen Tiefpunkt wolle sie nicht mehr sehen. Ihr gehe es um Inhalte wie den Kampf gegen den Klimawandel, soziale Gerechtigkeit, und Menschenrechte.

Auch Strolz meinte, NEOS habe nach dem Motto „Inhalte statt Intrigen“ Inhalte in den Vordergrund gestellt. Er will schon in der nächsten Woche den anderen Parteien „Chancengespräche“ für inhaltliche Arbeit anbieten. Alle im Parlament sollten zusammenarbeiten, so der NEOS-Chef. Er will die Parteienförderung um die Hälfte kürzen und die Ausgaben im Wahlkampf senken. Einen rein spendenfinanzierten Wahlkampf lehnt er aber ab: US-Verhältnisse wolle er nicht.

Kandidaten bestimmen Themen

Nach so viel Bekenntnis zu inhaltlichen Diskussionen galt es für die Kandidaten und die Kandidatin, dann auch Nägel mit Köpfen zu machen. Es war an ihnen, die Themen für die folgende Debatte vorzugeben. Was wäre die erste Maßnahme im Falle einer Regierungsbeteiligung, lautete die Frage. Er wolle „wenig überraschend“, dass „jedes Kind die Flügel weit spannt“, antwortete Strolz. Der NEOS-Chef sprach sich für eine „Bildungswende“ aus. Lunacek nannte den „Kampf gegen die Klimakrise“ als dringlichstes Anliegen. Es brauche eine „starke Ansage“ – und „wir sind die Einzigen, die das tatsächlich tun“, so die Grünen-Kandidatin.

Themenwahl

Die Kandidaten und die Kandidatin gaben selbst die Themen vor.

Zwar gebe es viele Themen, leitete Strache ein. Er entschied sich dann aber doch für ein freiheitliches Kernthema – die „undifferenzierte Massenzuwanderung“, die gestoppt werden müsse. „Zahlreiche Themenfelder“ sah auch Kurz. Konkret nannte er, „alles zu tun, um unseren Sozialstaat auch langfristig abzusichern“. Kern verwies auf den Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Monate. „Jetzt geht es mir darum, dass wir diese Geschichte fortsetzen.“ Das Ziel sei die Vollbeschäftigung, so der SPÖ-Kanzler.

Arbeit schaffen, aber wie?

Mit Kerns Vorschlag ging es dann in die erste Themenrunde – in der der SPÖ-Chef auch den Anfang machte. Um Arbeitsplätze zu schaffen, sei es „entscheidend, dass wir uns über Dogmen hinwegsetzen“, so Kern. Er sprach sich dagegen aus, den Markt alles regeln zu lassen. Es brauche Bündnisse zwischen Unternehmen, Universitäten, Forschungsstätten. Dafür will der SPÖ-Obmann auch die öffentlichen Investitionen „auf einem hohen Niveau“ halten. Kern plädierte für eine „Gesamtstrategie“, die er in seinem „Plan A“ ausgeführt sieht.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ)

ORF/Hans Leitner

Keine „Dogmen“ und nicht der „Markt“ allein: Kerns Rezept für Arbeitsplätze

„Einen anderen Ansatz“ nahm Strolz für sich und seine Partei in Anspruch. Er sei selbst Unternehmer gewesen – und „Unternehmer sind keine Kapitalisten, die auf Jachten herumsitzen“, so der NEOS-Chef. Um Arbeitsplätze zu schaffen, müssten sich die „Rahmenbedingungen für den Unternehmergeist ändern“. Für Strolz heißt das, die „Bürokratie massiv zurückzudrängen“ und die Lohnnebenkosten zu senken. Änderungen wünschte sich Strolz auch in der Gewerbeordnung, wo er Kurz und der ÖVP vorwarf, gebremst zu haben.

Schaffung von Arbeitsplätzen

Welche Rolle der Staat bei der Schaffung von Arbeitsplätzen spielen soll, war eine zentrale Frage des ersten Themenblocks.

Der so kritisierte Kurz meinte, er „sehe vieles ähnlich wie der Herr Strolz“. Nicht die Politik oder der Staat würden Arbeitsplätze schaffen, sondern die Unternehmer. Als Beispiel brachte Kurz einmal mehr seinen eigenen Vater, der durch den Weggang von Philips arbeitslos geworden sei. Das Wichtigste sei, „den Unternehmen weniger Steine in den Weg zu legen“.

Verweis auf Unternehmervergangenheit

Strache verwies wie Strolz auf seine berufliche Vergangenheit in der Wirtschaft. Er habe selbst erlebt, welche Hürden Unternehmern in den Weg gestellt werden. Und laut Strache ist die Situation in den vergangenen Jahrzehnten nicht besser geworden. Heute würde er sich gar nicht mehr selbstständig machen können, so der FPÖ-Chef und verwies auf erschwerte Kreditvergabe. Zuletzt führte der FPÖ-Chef noch „günstigste osteuropäische Arbeiter“ ins Feld, die laut Strache die Österreicher aus dem Job „verdrängen“.

Deutlich anders als ihre Vorredner argumentiert Lunacek. Sie brachte die Umwelt ins Spiel und verwies auf Oberösterreich, wo die ehemalige Regierung aus ÖVP und Grünen „über 40.000 Arbeitsplätze mit der Energiewende geschaffen“ habe. Laut der Grünen-Kandidatin ist es „zum Teil eine Mär“, dass Umweltauflagen Unternehmen vertreiben würden. Zugleich forderte Lunacek „flächendeckende Kinderbetreuungseinrichtungen“, damit Frauen nicht zu Teilzeitarbeit gezwungen würden.

Mindestsicherung dominiert Sozialthema

Der von Kurz eingebrachte Themenkreis Soziales stand ganz im Zeichen der Mindestsicherung - und das, obwohl Lunacek darauf hinwies, dass diese gerade einmal 0,8 Prozent der Kosten aller Sozialleistungen ausmache. Kurz meinte zunächst, die hart arbeitenden Menschen in Österreich würden sich darauf verlassen, dass es in einer Notsituation oder auch später in der Pension ein soziales Netz gibt. Dieses müsse man langfristig absichern.

ÖVP-Chef Sebastian Kurz

ORF/Hans Leitner

Das Sozialsystem erhalten heißt für Kurz, unter anderem die Mindestsicherung für Ausländer kürzen

Dafür müsste das System sparsamer werden - Kurz bracht einmal mehr das Beispiel der 21 unterschiedlichen Sozialversicherungsträger. Und die Zuwanderung in die Sozialsysteme müsse gestoppt werden. Bei der Mindestsicherung befürwortete Kurz das Modell der schwarz-blauen Landesregierung Oberösterreichs mit einer Deckelung und geringeren Leistungen für Flüchtlinge.

Sicherung des Sozialsystems

Das Thema Mindestsicherung stand im Mittelpunkt bei der Frage nach der Sicherung des Sozialsystems. Doch auch über Pensionen wurde debattiert.

„Alles nicht mehr gerecht“

Strache wiederholte sein Argument, dass die Mindestsicherung eine „Sogwirkung“ darstelle, das „spricht sich in der Welt“ herum. Zahlungen an Flüchtlinge, die nie etwas geleistet oder eingezahlt hätten, „verstehe ja niemand“. Das sei „alles nicht mehr gerecht“. Strache forderte eine Mindestpension von 1.200 Euro und eine bessere Anrechnung von Kindererziehungszeiten für Frauen. Bei Sozialversicherungen kann sich Strache zwei Träger vorstellen: einen für Österreicher und EU-Bürger und „vielleicht“ ein zweites System für Drittstaatsbürger. Er verspricht sich davon mehr Transparenz.

Kern: Armut statt Arme bekämpfen

Kern sah eine Reihe von Herausforderungen für den Sozialstaat. Es gebe auch Trends - etwa die steigende Lebenserwartung-, die die Folge hätten, dass man mehr investieren müsse. Kern nannte wirtschaftlichen Erfolg als erstes Mittel für die Finanzierung des Sozialstaats. Bei den Pensionen gehe es um Würde und Respekt für Ältere. Überhaupt müsse die Armut bekämpft werden, nicht die Armen. Bei der Mindestsicherung sprach er sich für das Vorarlberger Modell aus. Und er verwies darauf, dass das oberösterreichische Modell weit weniger eingespart hätte als gedacht: 15 Millionen Euro seien erwartet worden, real seien es 300.00 Euro gewesen.

Das wollte Strache nicht gelten lassen: Da sei deswegen der Fall, weil durch die neue Regelung Flüchtlinge aus Oberösterreicher abwandern habe lassen. Wien nannte er als Negativbeispiel, wo die Mindestsicherungskosten bereits 300 Millionen Euro ausmachen würden.

Strolz setzt auf Pensionsthema

Genau gegen diese „unkontrollierte Binnenwanderung“ sprach sich Strolz aus. Es brauche eine einheitliche Mindestsicherung, und er bevorzuge auch das Vorarlberger Modell mit Sachleistungen und einer Integrationsvereinbarung, bei der Verstöße sanktioniert werden. Es solle auch eine Residenzpflicht für anerkannte Flüchtlinge geben - und eine Unterbringung in kleinen überschaubaren Einheiten.

Strolz konzentrierte sich aber einmal mehr auf die Pensionen und ortete erneut „verantwortungsloses Handeln“ bei allen anderen Parlamentsparteien. Vor allem die ÖVP habe da ihre Prinzipien verloren. Die unter 40-Jährigen würden wissen, dass sie 25 und 35 Prozent weniger Pension haben werden als ihre Väter. Es drohe massenhafte Altersarmut - man müsse dringend über die zweite und dritte Pensionssäule reden.

Lunacek nannte als Maßnahmen gegen niedrige Frauenpensionen die Schaffung von Vollzeitarbeitsplätzen für Frauen und gleichen Lohn bei gleicher Arbeit. Den Streit über die Mindestsicherung nannte sie einen Streit ums „goldene Kalb“, bei dem es um verhältnismäßig wenig Geld gehe. Jedenfalls wollte sie Mindestsicherung nur der Überbrückung in Notsituationen dienen - und verwies darauf, dass bei den Kürzungen in Niederösterreich auch in Not befindliche Österreicher betroffen gewesen seien.

Strache und die Menschenrechtskonvention

Das von ihm vorgebrachte Thema - der Stopp der Zuwanderung - eröffnete Strache selbst. Er zählte auf, was seiner Meinung nach in der Vergangenheit alles falsch gelaufen sei: Man sei bis heute nicht bereit, die Grenzen zu kontrollieren, und es gebe zu wenig Rückführungsabkommen – das ist dem Außenminister offensichtlich nicht gelungen, stichelte Strache gegen Kurz. Er bemühte auch die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK). In dieser stehe auch, dass ein Flüchtling nur im ersten Land, wo er Schutz vorfinde, ein Antragsrechtsrecht habe, sagte Strache. Ein solcher Passus findet sich in der EMRK allerdings nicht.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache

ORF/Hans Leitner

Versäumnisse in der Vergangenheit prangerte Strache an

Strolz war es wichtig, zwischen Asyl und Arbeitsmigration zu trennen. Asyl betreffe nur sehr wenige Menschen, die in ihrer Heimat verfolgt würden. Daneben gebe es den subsidiären Schutz etwa für Kriegsflüchtlinge – der sei aber nur auf Zeit. Die dritte Möglichkeit sei die Arbeitsmigration, da „wählen wir aus, so wie es die Kanadier“ machen.

Hickhack um Familienbeihilfe

Kurz sprach zu Beginn seiner Wortmeldung eines seiner oftmals im Wahlkampf vorgebrachten Themen an: die Familienbeihilfe ins EU-Ausland. „Die wollen wir nicht“, so Kurz. Er habe den Koalitionspartner aber nicht überzeugen können. Zudem sprach er sich erneut dafür aus, nicht „die Schlepper entscheiden“ zu lassen, „wer zu uns kommen darf“. Er wolle die Hilfe an Ort und Stelle ausbauen, sagte der Außenminister. Zum Schluss kam auch Kurz auf den Islam zu sprechen – und seine Pläne, das Kultusamt zu einer „Religionsbehörde“ umzubauen.

Zuwanderung Asylrecht

Migration, Asyl, politischer Islam und Sicherheit: Bei keinem anderen Thema wurden so viele Inhalte in den Topf geworfen.

Den Vorwurf, dass die SPÖ bei der Kürzung der Familienbeihilfe für EU-Ausländer gebremst habe, wollte Kern nicht auf sich sitzen lassen. Das sei ein europäisches Thema, wo sich bis jetzt keine Mehrheit gefunden habe. In der Folge schwenkte der SPÖ-Obmann auf das Thema Sicherheit und sprach sich für eine bessere Finanzierung der Polizei aus. Zugleich plädierte er aber für eine Stärkung der Sozialarbeit.

Geteilte Meinung zu Botschaftsasyl

Der letzte Punkt fand auch die Unterstützung von Lunacek. Zuvor kritisierte die Grünen-Kandidatin jedoch, dass in der Diskussion eine Vermengung von Zuwanderung, politischem Islam und Gewalt passiert sei – das sei „nicht in Ordnung“. Was es laut Lunacek eigentlich braucht, sei ein europäisches Asyl- und Migrationssystem. Außerdem forderte sie, das Botschaftsasyl wieder einzuführen.

Das sei ein „hehrer Gedanke, aber unrealistisch“, wandte Strolz ein. Die Mehrheit der EU-Staaten würde nicht mitmachen. Auch Kurz konnte dem Vorschlag wenig abgewinnen: „Millionen Menschen in Afrika, die unter schlechten Bedingungen leben“, würden dann einen Antrag stellen, vermutet der Außenminister.

Lunacek pocht auf Klimaschutz

Relativ einig waren sich die Spitzenkandidaten beim „grünen“ Thema Klimawandel: Lunacek erinnerte an die Dürren und Unwetter von heuer - und an die Hurrikans in den USA. Das passiere schon bei einer Erderwärmung von derzeit einem Grad. Würden es zwei, drohten Katastrophen, „wie wir sie noch nie gesehen haben“. Lunacek will die Subventionierung von fossilen Brennstoffen stoppen, so würde alleine die Förderung von Ölkessel in privaten Haushalten vier Milliarden pro Jahr kosten.

Grüne Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek

ORF/Hans Leitner

Lunacek vermisst Maßnahmen zum Klimaschutz

Die Wohnbauförderung müsse man für thermische Sanierung zweckwidmen, da seien auch „sehr viele Jobs drinnen“. Beim CO2-Ausstoß sei Österreich in der EU Schlusslicht. Auch darum müsse es einen Ausstieg aus Verbrennungsmotoren geben, so die Grünen-Chefin. Von der Regierung sei jedenfalls in den vergangenen Jahren nichts passiert. Strolz bot sich postwendend als Allianzpartner an. NEOS stehe für Wirtschaft und Umwelt. Er propagierte sogleich sein Modell, das sich an Schweden orientiere, wo Ineffizienz besteuert werde. Eine CO2-Steuer solle Kfz-Steuern, NOVA und andere einfach ersetzen.

Klimawandel als wirtschaftliche Chance

Kern nannte den Klimawandel eine der größten Herausforderungen, die Gefahr will er allerdings als Chance nutzen. Er glaubt an eine Vervierfachung der erneuerbaren Energie bei gleichem Kosteneinsatz, wenn man nicht mehr die Großagrarindustrie wie bisher fördere. Neben dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs sah er vor allem die Elektromobilität als Chance für die heimische Wirtschaft, hier sei man „Weltklasse“, und Zehntausende Jobs könnten hier entstehen. Am Rande sprach sich der SPÖ-Chef auch für ein Verbot von Glyphosat in Österreich aus - dem Strache später zustimmte.

Klimaschutz und ökosoziale Steuerreform

Alle Parteien glauben, dass die Herausforderungen des Klimaschutzes für Österreich durchaus wirtschaftliche Chancen bieten.

Kurz meinte in Sachen Klimawandel: „Luft nach oben gibt es immer.“ Auch er sieht erneuerbare Energien als Chance, auch er sieht viele wettbewerbsfähige Unternehmen in Österreich. Und der ÖVP-Chef will auf internationaler Ebene Druck machen - vor allem auf die USA.

Auch Strache heftete Umwelt- und Naturschutz an die Fahnen der FPÖ und hob dabei die Verdienste von Norbert Hofer hervor. Allerdings müsse man „Horrorszenarien“ relativieren, „im Mittelalter“ sei es „um drei Grad wärmer“ gewesen als heute. Der Klimawandel habe immer stattgefunden, es habe „Eiszeiten und Erderwärmungen“ gegeben. Über den menschlichen Anteil am CO2-Ausstoß „streiten sich die Geister“.

Strolz’ fünf Punkte für die Bildung

Den thematischen Abschluss bildete das „Herzensthema“ von Strolz. Er durfte auch als Erster in der Runde seine Ideen für eine Reform des Bildungswesens vorlegen – und tat das in gewohnter Manier: „Wir brauchen einen Mentalitätswandel“, sagte Strolz. „In jedem von uns steckt Großes.“ Konkret nannte er dann fünf Punkte, beginnend mit der Aufwertung der Lehrer. Aber auch die Kindergartenausbildung werde er verbessern, „wenn ich Bildungsminister bin“, so der NEOS-Chef. Außerdem wolle er eine mittlere Reife einführen und die duale Ausbildung, also die Lehre, forcieren. Kritik gab es an Kurz und der ÖVP, die den Landeshauptleuten und der Politik noch immer zu viel Macht einräume.

Reformen in der Bildungspolitik

In vielem waren sich die Diskutanten im Bereich der Bildung einig - in manchem trennen die Kandidaten aber scheinbar kaum überbrückbare Differenzen.

Der derart Kritisierte erklärte, bei Strolz’ Vorschlägen sei „bis auf die Vorwürfe sehr viel Gutes dabei“. Er sei aber für einen anderen Ansatz in der Bildungsdebatte, sagte Kurz und brachte die „Bildungspflicht“ ins Spiel. Laut dem ÖVP-Obmann sollen Schüler nach neun Jahren die „Schule nur verlassen, wenn sie schreiben, lesen, rechnen können. Sonst verlängert sich die Schulpflicht bis 18".

Gemeinsame Schule entzweit Geister

Grundsätzlich Lob für Strolz kam auch von Kern. Der SPÖ-Chef nutzte das Thema allerdings zuerst für einen Seitenhieb auf ÖVP und FPÖ und deren Steuerpläne. Es brauche mehr Lehrer, und man müsse die Ideologie und die Politik aus der Schule bringen, sagte Kern.

NEOS-Chef Matthias Strolz

ORF/Hans Leitner

Bildung ist Strolz’ „Herzensthema“

Dafür gab es einmal mehr die Zustimmung von Lunacek, die sich für die gemeinsame Schule starkmachte. Es sei ein harter Kampf gewesen, zumindest Modellregionen für die gemeinsame Schule zu ermöglichen, sagte die Grünen-Chefin mit Seitenblick auf Kurz. Der warf gleich mehrmals ein „Wir sind dagegen“, in die Diskussion über die gemeinsame Schule ein.

Was das betrifft, hatte der ÖVP-Obmann einen Mitstreiter in Strache. Der FPÖ-Chef sprach sich für ein „differenziertes Schulsystem“ aus. „Kinder sind unser Rohdiamant“, so Strache. Er wolle „Begabungen fördern“ und „Schwächen ausmerzen“. Und er ließ es nicht nehmen, auch hier noch einmal auf die nicht deutschsprachigen Kinder zu verweisen. In ihnen sieht der FPÖ-Spitzenkandidat den Grund, „warum wir 28 Prozent der Kinder haben, die nach dem Pflichtschulende nicht mehr vermittelbar sind“.

Appelle zum Abschluss

In der Abschlussrunde wollten sich die Kandidaten bei der Frage, mit wem sie ihre Vorstellungen bei ihren Hauptthema am ehesten umsetzen könnten, nicht in Karten blicken lassen - stattdessen wurde die Zeit noch für letzte Appelle genutzt.

Strolz sah bei der Bildungsreform Anknüpfungspunkte bei allen Kontrahenten. Eine Festlegung vermied er, er wolle nicht in die „ideologischen Schützengräben“, die ein Weiterkommen bisher verhindert hätten. Lunacek sagte, es sei ohnehin klar herausgekommen, wer ihr zustimme. Sie nutzte die Redezeit für Wahlwerbung. Die Grünen müssten stark sein, um bei Klimaschutz und für ein „leistbares Leben“ gehört zu werden. Sie warnte potenzielle Wähler davor, „aus taktischen Gründen andere Parteien zu wählen“.

Mögliche Koalitionspartner

Bei der Frage der möglichen Bündnispartei zeigten sich alle Kandidaten zugeknöpft.

Warnungen vor der Koalition der anderen

Kurz betonte, Österreich verändern zu wollen. Die Kraft dazu würde er bekommen, wenn seine ÖVP gestärkt werde. Er malte wieder das Drohbild einer rot-blauen Koalition an die Wand - selbst wenn die ÖVP Erster würde: Die beiden Parteien würden zwar versuchen darzustellen, dass es große Unterschiede zwischen einander gäbe, doch Kurz vermutet bereits Vorgespräche zwischen SPÖ und FPÖ.

Strache wiederum warnte davor, dass sich die Große Koalition nach dem Streit im Wahlkampf wieder zusammenraufen werde. Wenn man das nicht will, müsse man die FPÖ stärken. Die Österreicher würden Fairness verdienen. Bei „seinem“ Thema Migration habe die ÖVP zuletzt eine Annäherung erkennen lassen, aber die ÖVP sei in dieser Frage nicht verlässlich.

Kern will - einmal mehr mit Verweis auf Kreisky - den „österreichischen Traum“ weiterleben lassen. Politik sei in der Lage, für Menschen einen Unterschied zu machen. Im Zentrum stehe gesellschaftlicher Zusammenhalt, um in einem friedlichen und sozial gerechten Land zu leben. Veränderungen müssten mit „sozialem Augenmaß“ passieren. In diesem Sinne sei die Verhinderung einer schwarz-blauen Regierung sein Wahlziel.

„Sehr professionelle Debatte“

Politologe Peter Filzmaier sprach in der ZIB2-Analyse von einer „sehr inhaltsbezogenen, sehr professionellen Debatte“. Natürlich habe es Konflikte gegeben, die seien aber immer thematisch gewesen. Laut dem Politexperten haben sich alle fünf Kandidaten um Ruhe bemüht. Das würde man eigentlich nur von jenen Kandidaten erwarten, die ihr Ergebnis bereits als abgesichert ansehen. „Irgendeiner - vielleicht auch zwei oder drei - irrt sich dabei teuflisch“, vermutet Filzmaier.

Analyse der „Elefantenrunde“

Politologe Peter Filzmaier und Medien- und Kommunikationstrainer Georg Wawschinek analysieren die TV-Runde der Spitzenkandidaten.

Der Medien- und Kommunikationstrainer Georg Wawschinek gab zu bedenken, dass die „Elefantenrunde“ am Ende Dutzender TV-Konfrontationen gestanden habe. Es sei gewaltig, „was da an Energie draufgeht“. Und er habe „schon den Eindruck, dass man das heute gespürt hat“, so Wawschinek.

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