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Letzte Bastionen gefallen

Die von den USA unterstützten kurdisch-arabischen Truppen haben nach eigenen Angaben die einstige syrische Dschihadistenhochburg al-Rakka vollständig aus den Händen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befreit.

Die Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF) erklärten, sie hätten das zentrale Krankenhaus und das Stadion und damit die beiden letzten großen Bastionen des IS in der Stadt eingenommen. Dabei soll es Dutzende Tote gegeben haben. Auch die in Großbritannien ansässige oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von der Einnahme. Bereits zuvor hatten die SDF den zentralen Naim-Platz erobert.

YPG-Flagge gehisst

Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters beobachteten, wie die Flagge der kurdischen YPG-Miliz im Stadion gehisst wurde. Die YPG stellt die stärkste Einheit innerhalb der SDF, die den IS seit Juni in al-Rakka bekämpften. Auf den Straßen feierten SDF-Kämpfer ihren Sieg. Schüsse waren nur noch vereinzelt zu hören. Der Eroberung waren monatelange Kämpfe vorausgegangen. Im November hatten die SDF mit einer Einkesselung der Stadt begonnen.

Syrischer Soldat mit Flagge

APA/AP/Syrian Democratic Forces

Ein Soldat der kurdischen YPG im zerstörten al-Rakka

Der IS hatte al-Rakka 2014 erobert und zur „Hauptstadt“ des ausgerufenen „Kalifats“ gemacht. Von der Stadt aus wurden zahlreiche Angriffe und Anschläge im Ausland geplant. Der IS herrschte in der einst 200.000 Einwohner zählenden Stadt auf brutale Weise, beispielsweise wurden auf öffentlichen Plätzen Hinrichtungen durchgeführt.

Laut dem Sprecher der SDF würden die Soldaten nun nach Schläferzellen und Minen suchen. Ryan Dillon, Sprecher der Anti-IS-Koalition, sagte am Dienstagabend, dass sich noch rund 100 IS-Kämpfer in der Stadt befinden dürften. Al-Rakka sei zu mehr als 90 Prozent befreit, fügte er hinzu. Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden beim Kampf um al-Rakka insgesamt 3.250 Menschen getötet. Neben 2.120 Kämpfern seien auch 1.130 Zivilisten unter den Opfern gewesen, darunter 270 Kinder.

IS überall zurückgedrängt

Doch heuer wurde der IS an allen Fronten zurückgedrängt. In Syrien hält die Miliz als Rückzugsgebiet noch ein Gebiet am Euphrat und in die umliegende Wüste. In der Grenzregion zum Irak gehen in getrennten Offensiven sowohl die kurdischen und arabischen Milizen als auch syrische Regierungstruppen unterstützt durch die russische Luftwaffe gegen die Extremisten vor. Parallel läuft auf der anderen Seite der Grenze ein Vorstoß der irakischen Streitkräfte gegen den IS.

Seine letzte große Offensive gegen den IS starteten die SDF am Sonntag, nachdem eine Gruppe von syrischen Dschihadisten al-Rakka im Zuge eines mit Stammesältesten ausgehandelten Evakuierungsabkommens verlassen hatte. Zurückgeblieben waren bis zu 300 Dschihadisten, die die letzten IS-Stellungen in al-Rakka verteidigen wollten, darunter das Krankenhaus und das Stadion. Dabei soll es sich vor allem um ausländische Kämpfer des IS gehandelt haben.

Hunderttausende Menschen geflohen

Das siegreiche SDF-Bündnis wurde bei der Schlacht um al-Rakka mit Luftangriffen der US-geführten Internationalen Koalition sowie durch Spezialeinheiten auf dem Boden unterstützt. Die Bombardements kosteten dabei auch Hunderte Zivilisten das Leben.

Die humanitäre Situation in der Stadt war in den vergangenen Monaten teilweise desaströs, es fehlte an Wasser, Lebensmitteln und Medizin. Hunderttausende Unbeteiligte waren vor den Kämpfen aus der Region geflohen. Zwischen 20.000 und 25.000 Menschen - die Hälfte davon Kinder - befinden sich laut BBC-Korrespondenten allerdings immer noch in der Stadt, weil eine Flucht zu gefährlich gewesen sei.

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