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Der Wert der kulturellen Vielfalt

Mit einem von Andre Heller gestalteten Fest auf dem Wiener Heldenplatz wird am Mittwoch die Eröffnung des Weltmuseums Wien gefeiert. Nach dreijähriger Umbauphase werden mehr als 3.100 Objekte aus der umfangreichen Schausammlung des Hauses ausgestellt.

Die Dauerausstellung erstreckt sich über 14 Säle. Hinzu kommen fünf Sonderschauen, die von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern gestaltet wurden, und die sich kritisch mit Anthropologie und Völkerkunde beschäftigen. „Ein Museum, das Kulturen und Menschen in Dialog stellt, ist in aufgeheizten Zeiten wie diesen besonders wichtig“, sagte die Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums Wien (KHM), Sabine Haag, bei einem Pressegespräch am Dienstag.

Eindrücke aus dem Weltmuseum

ORF.at/Roland Winkler

Die indische Künstlerin Rajkamal Kahlon setzte sich mit der ethnografischen Fotografie des 19. Jahrhunderts auseinander. Ihre Ausstellung „Staying with Trouble“ ist eine der fünf Sonderschauen.

Bis 2013 firmierte das Weltmuseum als Museum für Völkerkunde. Im Zuge der Ausgliederung der Bundesmuseen Anfang des Jahrtausends wurde das Haus in den KHM-Museumverband eingegliedert. Bei der Pressekonferenz bedankte sich Haag mehrfach bei den „Steuerzahlern“. „Am Nationalfeiertag können wir das Museum wieder der Bevölkerung schenken“, so Haag.

„Bezirksmuseum“ für Wiener aus aller Welt

Der scheidende Direktor Steven Engelsman betonte die künftige inhaltliche Ausrichtung des Weltmuseums, sich dem Miteinander auf der Welt zu widmen, indem man - wie international üblich geworden - vom reinen Ausstellen „fremder“ Kulturen Abstand nehme und in der Schausammlung auch stets das Thema Kolonisierung und Sammlungsgeschichte mitdenke.

KHM-Direktorin: Weg vom „eurozentristischen Blick“

„Wir blicken mit einem modernen Weltmuseum ganz anders auf das Fremde. Wir haben nicht mehr diesen eurozentristischen Blick“, so KHM-Generaldirektorin Haag im „kulturMontag“-Interview.

So sei das Weltmuseum auch als eine Art „Bezirksmuseum“ für all jene Menschen, die aus aller Welt nach Wien gezogen seien, zu verstehen. „Es geht um Menschen und um die Begeisterung für und die Wertschätzung von kultureller Vielfalt“, so Engelsmann, dem ab 1. Jänner Christian Schicklgruber folgt.

Heller: „Der Ort, an dem das Fremde zu Hause ist“

„In einer Zeit, in der das Fremde so ein Streitpunkt ist, dass sich ganze Kontinente an dieser Thematik zerfleischen, ist das Weltmuseum auch eine Botschaft: Es ist der Ort, an dem das Fremde zu Hause ist. Da hat es einen Platz, wo es nicht vertrieben werden kann“, erklärte auch Heller. Bei seiner Open-Air-Eröffnungsfeier erwarten das Publikum „Musik, Tanz und Literatur aus anderen Regionen“.

Er selbst werde bei der 90-minütigen Show nur begrüßen und dabei auch an die Geschichte des Heldenplatzes erinnern. Die Moderation übernimmt Christoph Wagner-Trenkwitz, „denn da braucht man jemanden, der improvisieren kann. Wir haben ja nur einen einzigen Nachmittag Probe. Das sind ja vier Ritte über vier Bodenseen!“ Bundespräsident Alexander Van der Bellen und KHM-Generaldirektorin Haag werden sprechen, Adele Neuhauser wird zwischen „Gesängen, Tänzen und Liedern aus anderen Regionen“ Gedichte aus unterschiedlichen Regionen lesen.

Die „Museomanie“ der Habsburger

Die Bestände des Weltmuseums Wien, dessen Geschichte bis zur „Ambraser Sammlung“ von Ferdinand II. (1529 bis 1595) zurückreicht, umfassen weit mehr als 200.000 Objekte. Dementsprechend wird in den 14 Sälen auch gar nicht versucht, den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Stattdessen haben die Kuratorinnen und Kuratoren die Herkunft der einzelnen Sammlungen beleuchtet.

Eindrücke aus dem Weltmuseum

ORF.at/Roland Winkler

„Ich leide an Museomanie“: Objekte aus der Sammlung des Habsburgers Ferdinand Max, des späteren Kaisers Maximilian von Mexiko

Dass das Habsburger-Reich bei der Kolonialisierung außereuropäischer Gebiete eine untergeordnete Rolle spielte, tat der Sammelleidenschaft der Herrscherfamilie keinen Abbruch. „Ich leide an Museomanie“, bekannte etwa Ferdinand Max, der später als Maximilian Kaiser von Mexiko wurde. Auch der in Sarajevo ermordete Thronfolger Franz Ferdinand träumte von einem eigenen Privatmuseum. Und bereits Anfang des 19. Jahrhunderts hatte Kaiser Franz I. in London Objekte des britischen Entdeckers James Cook ersteigern lassen.

Eindrücke aus dem Weltmuseum

ORF.at/Roland Winkler

Chinesische Kunst erfreute sich in der Aufklärung in Europa größter Beliebtheit

Die Sammlungen erzählen aber auch viel über das Verhältnis zwischen Europa und weit entfernten Reichen. In der Aufklärung hegte die Oberschicht eine Faszination für China. Damit einhergehend stieg die Nachfrage nach chinesischen Luxusgütern. Später - zu Zeiten der Opiumkriege und des Boxeraufstandes - wandelte sich das Verhältnis. Japan wiederum versuchte sich nach der Abschaffung des Feudalismus Mitte des 19. Jahrhunderts als moderner Staat zu präsentieren. Gelegenheit dazu bot die Weltausstellung 1873 in Wien, auf der Japan ganze 6.000 ausgewählte Objekte ausstellte.

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