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„Keine alternative Erklärung“

Geht es nach der offiziellen Position der US-Regierung, wird dem menschlichen Einfluss auf den Klimawandel eine zu große Rolle zugeteilt. Offen widersprochen wird dieser Ansicht nun vom offiziellen US-Klimaschutzbericht, der am Freitag veröffentlicht wurde.

Dem „Climate Science Special Report“ („CSSR“) zufolge, bestehe kein Zweifel daran, dass die globale Erwärmung zum weitaus größten Teil von Menschenhand verursacht werde. Trotz des krassen Kontrasts zu den eigenen Standpunkten versuchte das Weiße Haus offenbar nicht, die per Gesetz alle vier Jahre vorgeschriebene Veröffentlichung zu blockieren bzw. Einfluss auf die wissenschaftlichen Schlussfolgerungen zu nehmen.

In dem Report wird unter anderem vor einem möglichen Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 2,4 Meter bis zum Jahr 2100 gewarnt. Auch listet der Bericht die Schäden auf, die als Folge der globalen Erwärmung um 1,0 Grad Celsius seit 1900 bereits in den USA entstanden seien. „Es ist extrem wahrscheinlich, dass menschliche Aktivitäten, insbesondere der Ausstoß von Treibhausgasen, die dominante Ursache der seit Mitte des 20. Jahrhunderts beobachteten Erwärmung ist“, heißt es in dem 2.000 Seiten umfassenden mehrteiligen Dokument. Es gebe dafür „keine alternative Erklärung“.

Klimawandel für Trump „Erfindung“

Trump hatte vor seiner Wahl zum Präsidenten den Klimawandel wiederholt als „Erfindung“ bezeichnet. Danach wurden seine Äußerungen zwar vager, aber der Republikaner begann damit, unter seinem demokratischen Vorgänger Barack Obama beschlossene Klimaschutzmaßnahmen zurückzufahren.

Weltweit angeprangert wurde der von ihm verkündete Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen. Die USA müssen sich daher erneut auf Kritik bei der internationalen Klimaschutzkonferenz in der kommenden Woche in Bonn einstellen - zumal vor dem Hintergrund des neuen Reports.

„Rekordbrechende Wetterextreme“

Im Einzelnen führen die Autoren darin an, dass die vergangenen 115 Jahre nun die wärmste Periode in der Geschichte der modernen Zivilisation seien. In den letzten Jahren habe es außerdem „rekordbrechende Wetterextreme“ gegeben, die mit dem Klima zusammenhingen.

Auf die USA bezogen wird unter anderem darauf verwiesen, dass jeder Teil des Landes bereits von den Folgen des Klimawandels betroffen sei. Der Westen erlebe extremere Hitze und Regenfälle und mehr große Wald- und Buschbrände, der Südosten größere Dürre, der mittlere Westen häufigere Überschwemmungen. Über 25 Küstenstädte seien zunehmend oft Überflutungen ausgesetzt. Es sei zu erwarten, dass sich diese Trends fortsetzten.

Gewarnt wird darüber hinaus vor Ungewissheiten, das heißt Entwicklungen, die Wissenschaftler heute noch nicht vorhersehen und die möglicherweise radikale Veränderungen im Klimasystem erzeugen könnten. Es könnten neue Klimalagen entstehen, „die sich sehr von den in der jüngeren Vergangenheit unterscheiden“.

Offenbar keine politische Beeinflussung

Angesichts solcher starker Formulierungen und der offenen Widersprüche gilt es als bemerkenswert, dass die Trump-Regierung anscheinend nicht einmal Versuche unternommen hat, die wissenschaftlichen Erkenntnisse im Report abzumildern. „Ich kann mit ziemlicher Überzeugung sagen, dass es keine politische Beeinflussung der wissenschaftlichen Schlussfolgerungen gegeben hat“, zitierten die „Washington Post“ und „New York Times“ den leitenden Autoren der Studie, Wissenschaftler David Fahey von der US-Behörde für Ozeanographie. „Dieser Report sagt, was die Wissenschaftler wollen.“

Wie es hieß, habe es zu diesem Zeitpunkt in der US-Regierung wenig Appetit auf einen größeren Konflikt in der Klimafrage gegeben: Man wolle sich stattdessen voll darauf konzentrieren, Trumps Pläne für eine umfassende Steuerreform im Kongress durchzubringen - ein Vorhaben, von dem sich Trump und die Republikaner großen Aufwind versprechen.

„Das Klima ändert sich stets“

Allerdings versuchte das Weiße Haus, die Aussagekraft des Reports herunterzuspielen. „Das Klima hat sich geändert und ändert sich stets“, hieß es in der schriftlichen Erklärung eines Sprechers des Weißen Hauses. Weiter wurde darauf hingewiesen, dass der Report selber betone, dass das Ausmaß des künftigen Klimawandels stark von „andauernden Ungewissheiten über die Sensibilität des Klimas“ für Treibhausgasemissionen abhänge.

Der demokratische Senator Al Franken forderte Trumps Regierung unterdessen zu einer Erklärung auf, wie sie mit den Befunden des Berichts umgehen wolle. Zudem müsse sie sicherstellen, dass solche wissenschaftlichen Gutachten auch künftig ohne politische Einflussnahme erstellt würden.

Der Report wurde von Hunderten Wissenschaftlern in der Regierung und akademischen Welt erstellt, die Nationale Akademie der Wissenschaften in den USA überprüfte ihn vor der Weiterleitung an insgesamt 13 Regierungsbehörden.

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