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Suche nach Motiv für Massaker

Nur wenige Wochen nach dem Massaker in Las Vegas sorgt in den USA wieder ein Blutbad für Entsetzen. Ein Mann eröffnete am Sonntag während einer Andacht in einer Kirche in Texas das Feuer auf Gläubige und tötete mindestens 26 Menschen. Etwa 20 weitere seien verletzt in Krankenhäuser gebracht worden, teilte der Gouverneur des US-Bundesstaates, Greg Abbott, mit.

Die Opfer seien zwischen fünf und 72 Jahre alt. Die Zahl der Toten könnte noch steigen, sagte Abbott. Zu den Todesopfern zählt die 14-jährige Tochter des Pastors der Gemeinde, Annabelle Pomeroy. Das bestätigte der Geistliche selber: Er und seine Frau hatten sich zum Zeitpunkt der Tat nicht in Sutherland Springs aufgehalten.

Auch der Schütze ist tot. Nach Angaben des Senders CNN und anderer Medien wie der „New York Times“ handelt es sich um einen 26-Jährigen mit weißer Hautfarbe. In seinem Auto fand die Polizei mehrere Waffen. Bei dem Schützen handelt es sich laut NBC News um Devin Patrick K. aus dem nahe gelegenen Comal County. Der offenbar unehrenhaft aus dem Dienst entlassene ehemalige Air-Force-Soldat trug Medienberichten schwarze Kleidung und eine schusssichere Weste. Motiv und Hintergründe sind noch offen.

Einwohner stellte Schützen

Nach Behördenangaben war der ganz in Schwarz gekleidete junge Mann kurz nach 11.00 Uhr (Ortszeit) zunächst an einer Tankstelle der Ortschaft gesehen worden, ging dann über die Straße zur Kirche und begann noch draußen, mit einem Gewehr zu schießen. Nach Behördenangaben starben dabei zwei Menschen.

Einsatzkräfte am Tatort

APA/AP/Nick Wagner

Der Tatort wurde weiträumig abgeriegelt

Danach sei der mit einer schusssicheren Weste ausgestattete Schütze in das Gebäude gegangen und habe weitergefeuert. 23 Menschen waren auf der Stelle tot, ein weiteres Opfer starb später im Krankenhaus, teilte Freeman Martin von der texanischen Behörde für öffentliche Sicherheit mit. Schließlich wurde der Schütze von einem Einwohner gestellt, ließ seine Waffe fallen und flüchtete in seinem Wagen. Dort wurde er wenig später tot aufgefunden. Die näheren Umstände seines Todes sind noch unklar.

Karte zeigt Tatort in Texas

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Wie es hieß, kommen im Durchschnitt 50 Menschen zum sonntäglichen Gottesdienst in der Kirche. Die First Baptist Church sei das Zentrum der kleinen Gemeinde mit wenigen hundert Einwohnern, die gut 50 Kilometer südöstlich von San Antonio liegt. Eine Einwohnerin sagte dem Sender MSNBC, Sutherland Springs sei so klein, dass es dort nicht einmal eine Feuerwehr gebe. Jeder kenne jeden, man stehe sich sehr nahe.

Trump: „Das war ein sehr gestörtes Individuum“

US-Präsident Donald Trump sprach von einem „entsetzliches Verbrechen“ und einer „Tat des Bösen“ inmitten eines heiligen Gottesdienstes. „Wir können den Schmerz, die Trauer und das Leid, das die Familien der Opfer erlitten haben, nicht in Worte fassen. In so harten Zeiten wie diesen tun Amerikaner, was sie am besten können: Sie halten zusammen“, sagte Trump Montagfrüh (Ortszeit) während seiner Asienreise in Tokio. „Durch all die Tränen und die Traurigkeit stehen wir zusammen. Wir reichen uns die Hände, wir haken uns unter, wir sind stark.“ Seine Regierung werde die Behörden von Texas bei der Aufarbeitung der Tat so gut wie möglich unterstützen.

Die Bluttat hat laut Trump nichts mit dem Waffenrecht in den USA zu tun. "Das war ein sehr gestörtes Individuum", sagte Trump in Tokio in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Japans Premier Shinzo Abe. Gefragt, ob eine Änderung des Waffenrechts anstehe, sagte Trump, die USA hätten ein großes Problem mit psychischer Gesundheit. Das Massaker von Texas sei ein sehr, sehr trauriges Ereignis: "Wer hätte jemals gedacht, dass so etwas passieren kann", sagte Trump.

US-Bischöfe beklagen Waffenproblem

Die katholischen Bischöfe der USA beklagten nach dem Schussattentat ein „fundamentales Problem“ in der US-Gesellschaft. „Eine Kultur des Lebens darf sinnlose Waffengewalt in all ihren Formen nicht tolerieren und muss diese verhindern“, schrieb der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Daniel DiNardo - mehr dazu in religion.ORF.at

Ex-US-Präsident Barack Obama zeigte sich erschüttert über das Massaker und forderte schärfere Waffengesetze. „Wir trauern mit allen Familien in Sutherland Springs, die von diesem Akt des Hasses getroffen wurden (...)“, twitterte er. Zugleich sprach sich Obama - wie bereits während seiner Amtszeit - für schärfere Waffengesetze aus. „Möge Gott uns allen die Weisheit geben, um zu fragen, welche konkreten Schritte wir unternehmen können, um die Gewalt und die Waffen unter uns zu reduzieren.“

Grafik zu Amokläufen in den USA

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

58 Tote bei Musikfestival in Las Vegas

Erst vor gut einem Monat hatte ein Mann weltweites Entsetzen ausgelöst, als er in Las Vegas (Nevada) aus einem Hotelfenster auf Besucher eines Musikfestivals schoss und 58 Menschen tötete - mehr als 500 weitere wurden verletzt. Der Täter nahm sich das Leben. Es war der schlimmste Massenmord in der jüngeren Geschichte der USA. Das Motiv ist nach wie vor unklar. Bereits 2015 war es zu Schüssen in einer Kirche gekommen. Ein damals 21-Jähriger hatte aus rassistischen Motiven in einer Kirche in Charleston (South Carolina) neun schwarze Gläubige erschossen. Er wurde später zum Tode verurteilt.

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