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„Ziehe mich nicht aus Politik zurück“

Nach Vorwürfen sexueller Belästigung schließt Peter Pilz - entgegen seiner Ankündigung von Samstag - offenbar nicht mehr aus, sein Nationalratsmandat anzunehmen. „Ich will mir bis Mittwoch Zeit nehmen, um endgültig darüber zu entscheiden, wie meine künftige Rolle auf der Liste Pilz aussehen wird“, sagte Pilz Montagfrüh im Ö1-Morgenjournal.

„Ich ziehe mich nicht aus der Politik zurück, mit Sicherheit nicht“, sagte Pilz. Er wisse heute viel mehr als noch am Samstag, als er in kürzester Zeit über seinen Rückzug entschieden habe, so der frühere grüne Politiker und Listengründer. Er habe Beweise, dass „hier politische Spiele gespielt“ würden, wobei Spuren in mindestens zwei andere Parteien führten, so Pilz, das wolle er nun aufklären.

„Niemals eine Frau sexuell belästigt“

Er habe „niemals in meinem Leben eine Frau sexuell belästigt“, so der Politiker am Montag. Er sei sich nicht der geringsten Schuld bewusst. Erneut wies er die Vorwürfe zurück, er habe eine ehemaligen Mitarbeiterin im Grünen Klub sexuell belästigt.

In Bezug auf die Anschuldigungen, wonach er 2013 beim Forum Alpbach in betrunkenem Zustand eine Frau sexuell belästigt und gegen ihren Willen angegriffen haben soll, sei er dabei, den Abend zu rekonstruieren. Er wolle auch aufklären, warum ein Mandatar der SPÖ-Liste für die Nationalratswahl „eine zentrale Rolle“ in diesem Vorfall gespielt habe - Audio dazu in oe1.ORF.at.

Zeuge schilderte Vorfall

Pilz war am Samstag zurückgetreten, weil er 2013 vor mehreren Zeugen beim Forum Alpbach betrunken eine junge Frau begrapscht haben soll, wie der „Falter“ berichtete. „So etwas habe ich überhaupt noch nicht erlebt“, schilderte der Anwalt Oliver Stauber gegenüber dem „Standard“ (Onlineausgabe) die Vorfälle von damals. Pilz habe die Frau „überall angefasst“. Ähnlich hatte die Frau zuvor die Attacke dem „Falter“ geschildert. Pilz selbst will sich an den Vorfall nicht erinnern können, nahm ihn aber als Anlass für seinen Rücktritt.

Streit auch in „im Zentrum“

In „im Zentrum“ in ORF2 sorgten die Vorwürfe gegen Pilz Sonntagabend abermals für Streit zwischen Alfred Noll von der Liste Pilz und Albert Steinhauser von den Grünen.

Zurückgewiesen hat Pilz dagegen Vorwürfe der sexuellen Belästigung seiner ehemaligen Assistentin, über die Medien berichtet hatten. Vielmehr stellte er „Rache“ seiner Ex-Partei in den Raum, die bei der Wahl Mitte Oktober aus dem Parlament ausschied, während er mit seiner Liste den Einzug schaffte.

Kolba sieht „wohlkoordinierte Kampagne“

Auch sein Mitstreiter und Neo-Abgeordneter Peter Kolba bemühte sich am Sonntag, Pilz als Opfer darzustellen: Auf Facebook sprach er von einer „wohlkoordinierten Kampagne in den Medien“, die Pilz zum Rücktritt veranlasst habe. „Uns bläst als Liste Pilz von den Mächtigen dieser Republik nun heftiger Gegenwind ins Gesicht“, schrieb Kolba, der offenbar ein Komplott vermutet.

„Man will keine Kontrolle a la Peter Pilz“, so Kolba. Die Partei werde aber seine Kontrollarbeit fortsetzen, und man werde sich bemühen, Pilz „nach dessen selbst gewählter Pause“, wie es Kolba ausdrückte, einzubinden.

Stern sieht Pilz als Vorbild

Auch die Ex-Sprecherin des Frauenvolksbegehrens, Maria Stern, die (nicht erfolgreich) auf Platz zehn der Liste Pilz kandidierte, steht „nach wie vor zu dem Politiker Peter Pilz“, wie sie dem „Standard“ mitteilte. Die Vorwürfe gegen ihn wegen sexueller Belästigung seien ihr im Wahlkampf aber nicht bekannt gewesen. Sie „bedaure sehr, dass seine wichtige, jahrzehntelange Arbeit im Parlament nun ein Ende gefunden hat“, sexuelle Belästigung sei jedoch „ein schwerwiegendes gesellschaftliches Problem“, dem man sich stellen müsse.

Andere „betroffene Männer“ sollten Pilz als Vorbild sehen und „die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen“, so Stern. Vor allem die Formulierung „betroffene Männer“ erzürnte in Sozialen Netzwerken viele. Das verharmlose die Täter und stelle sie als Opfer dar, hieß es mehrfach. Ähnliche Kritik hatte es schon an Pilz’ Aussagen in der Pressekonferenz am Samstag gegeben: Der Ex-Grüne habe dort Opfer-Täter-Umkehr betrieben, wurde vielfach angemerkt.

Zeitpunkt macht Pilz-Anhänger stutzig

Die Pilz-Unterstützer stoßen sich vor allem an dem Zeitpunkt der Aufdeckung, liegen die Vorfälle doch schon einige Jahre zurück. Auf Twitter wurde jedenfalls mehrmals angemerkt, dass die Vorwürfe der ehemaligen Mitarbeiterin am Freitag zeitgleich von „profil“ und der „Presse“ veröffentlicht wurden: Das sei insofern interessant, als dass es auch diese beiden Medien gewesen seien, die als Erste über das Dirty-Campaigning der SPÖ berichtet hätten - und da wie dort wurden politische Konkurrenten als Quelle vermutet.

So wittern Pilz-Anhänger etwa ein Revanchefoul seiner Ex-Partei. Leute aus der Bundespartei könnten die Informationen weitergegeben haben, wird spekuliert. Andere wiederum haben die Wiener Grünen in Verdacht, schließlich seien die Vorwürfe ans Tageslicht gekommen, kurz nachdem die Liste Pilz ein Antreten bei der Wiener Gemeinderatswahl laut angedacht habe.

„Falter“ legt Rechercheprozess offen

„Falter“-Journalist Florian Klenk veröffentlichte indes auf Facebook einen Einblick, wie er zu den Informationen gekommen war. Bereits im Oktober sei man beim „Falter“ den Gerüchten über die Belästigung bei den Grünen nachgegangen. Man habe zwar Belege dafür gefunden, aber aus Opferschutzgründen auf eine Veröffentlichung verzichtet. Als „profil“ und „Presse“ dann die Story veröffentlichten, postete einer der Zeugen der Vorfälle beim Forum Alpach seine Erinnerungen auf Twitter - und rief damit Klenk auf den Plan.

Steinhauser: Grüner Klub wollte Aufklärung

Der zwischenzeitliche Klubobmann der Grünen, Steinhauser, betonte indes auf Facebook einmal mehr, dass der grüne Klub an einer vollen Aufklärung der Vorwürfe der Mitarbeiterin interessiert gewesen sei. Steinhauser veröffentlichte dazu zwei entsprechende Schreiben zwischen der Anwältin des Klubs und der Rechtsvertreterin der betroffenen Mitarbeiterin.

Darin wird eben darauf verwiesen, dass etwaige politische Konsequenzen nur in der Klubsitzung beschlossen werden könnten - die Betroffene erteilte aber keine Zustimmung zur Information aller Mitglieder dieses Gremiums. Begründung: Die Mitarbeiterin fürchte „öffentliche Bloßstellung und langfristige Stigmatisierung“.

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