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Passagiere wollen weniger warten

Enge Sitzreihen, kaum (und wenn kostenpflichtiges) Service: Kurzstreckenflüge haben in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren nicht nur bei Billigfluglinien zunehmend an Komfort verloren. Niedrige Preise sind den Kunden lieber als größere Abstände zwischen den Reihen, argumentieren die Fluglinien. Trotzdem ist sich die Branche bewusst, dass sich in den Abläufen bei Flugreisen einiges verbessern ließe.

Tatsächlich hält sich der durchschnittliche Kurzstreckenpassagier oft deutlich länger auf dem Flughafen auf als im Flugzeug selbst - das beginnt bei der Warteschlange vor dem Check-in oder bei der Gepäckaufgabe und endet in meistens mit zu wenig Sitzgelegenheiten bestückten Gates vor dem Boarding.

Die Zahl der abzufertigenden Passagiere steigt Prognosen zufolge jedenfalls weiter: In 20 Jahren dürften fast doppelt so viele Menschen in Flugzeugen unterwegs sein wie heute. Die Zahl werde voraussichtlich von rund vier Milliarden heuer auf knapp acht Milliarden im Jahr 2036 steigen, berichtete der Dachverband der Fluggesellschaften (IATA).

Sicherheitskontrolle am Flughafen Los Angeles

Reuters/Bob Riha Jr

Nadelöhr Sicherheitskontrolle: Schwer zu kalkulierender Zeitaufwand

Sicherheit geht vor Geschwindigkeit

Sicherheit geht vor, stellt der Dachverband fest - doch gleichzeitig müsse man die Nadelöhre an den Flughäfen so gut wie möglich entschärfen. „Nahtloses Reisen“ („seamless travel“) lautet die Devise, mit der die Branche versucht, die Passagierströme in Bewegung zu bringen. Man müsse „schneller mehr Menschen kontrollieren bei gleichbleibend hoher Sicherheit“ fasst der Sprecher der deutschen Bundespolizei am Flughafen Frankfurt, Christian Altenhofen, die Aufgabe zusammen. Es sei sinnvoll, „dort, wo es keiner Vernunft des Menschen bedarf“, auf zeitsparende Automatisierung zu setzen.

Die aus Sicherheitsgründen und Terrorangst strenger gewordenen Security-Checks sind laut einer Umfrage der IATA für Passagiere die nervigsten Stationen auf ihrer Flugreise. 60 Prozent fühlen sich dabei in ihrer Privatsphäre belästigt, weil sie persönliche Gegenstände herzeigen müssen, 52 Prozent finden es mühsam, elektronische Geräte wie Laptops und Tablets aus dem Handgepäck auszupacken, bevor dieses durch die Scanner geschickt wird.

Sicherheitskontrollen kosten Zeit und Nerven

Auffällig ist dabei auch, dass 47 Prozent der Befragten beklagen, dass sich die Prozeduren je nach Einstiegsflughafen unterscheiden können - die Stricknadeln, die man etwa in Brüssel problemlos mit an Bord nehmen darf, werden in Frankfurt möglicherweise gnadenlos einkassiert. Eigentlich ist die Liste der offiziell verbotenen Gegenstände relativ klar, trotzdem sorgt die unterschiedliche Auslegung nach wie vor für Verwirrungen. Die Zeiten, in denen das Sicherheitspersonal Reisenden Duschgel im XXL-Format oder die 1,5-Liter-Cola-Flasche abnehmen musste, sind zehn Jahre nach Einführung aber eher vorbei, nur wenige ungeübte Passagiere haben sich nicht an die diesbezüglich recht klaren Regelungen gewöhnt.

Schon bei der Einführung der Flüssigkeitsbeschränkungen hatte die EU-Kommission deren baldige Abschaffung angekündigt, bis heute wird das aber hinausgeschoben. Technisch existiert längst eine Lösung: Per Lasertechnologie kann die Zusammensetzung von Flüssigkeiten und Pulver erkannt und mit einer Datenbank abgeglichen werden. Eine flächendeckende Umsetzung scheitert bisher aber an den Kosten.

Sicherheitskontrolle am Flughafen in Köln

Reuters/Wolfgang Rattay

Nackt- oder Körperscanner sind schon auf vielen Flughäfen im Einsatz, in der EU aber längst noch nicht Standard

In puncto „nahtloses Reisen“ könnte es sehr schnell schon Verbesserungen im Bereich Grenz- bzw. Passkontrollen geben - Systeme zur biometrischen Gesichtserkennung sind längst marktreif und werden in den kommenden Monaten wohl zum Standard auf internationalen Airports werden. Am Flughafen Wien-Schwechat etwa sind die E-Gates ab Anfang Dezember in Vollbetrieb - mehr dazu in wien.ORF.at.

Passagiere als „Opfer schlechter Entscheidungen“

„Der Reisende ist das Opfer schlechter Entscheidungen bei der Flughafenplanung“, erklärte Paul Griffiths, Geschäftsführer des Internationalen Airports in Dubai. Dort will man - mit Start im Sommer 2018 - Warteschlangen an Schaltern überhaupt abschaffen. Statt E-Gates zu passieren, müssen Reisende - auf Wegen, die sie ohnehin zurücklegen - „intelligente Tunnel“ passieren.

Dort sind, wie die „International Airport Review“ berichtete, Kameras installiert, die innerhalb weniger Sekunden die biometrischen Daten messen. Projizierte Bilder - etwa von bunten Fischen - an den Tunnelwänden dienen dabei nicht nur der Ablenkung oder Unterhaltung, sondern sollen den Blick der Passanten auf bestimmte Punkte fokussieren, so kann das System einen Netzhautscan durchführen. Kritik an Systemen wie diesen kommt von Datenschützern: Sie warnen vor Riesendatenbanken, durch die die Gefahr besteht, dass gegen Vorratsdatenspeicherungsrichtlinien verstoßen wird, und das Risiko für Missbrauch immanent besteht.

Unbeliebte Warteschlangen an Serviceschaltern

Eine andere Erkenntnis der IATA-Umfrage, für die über 10.000 Passagiere weltweit befragt wurden, ist, dass sich die Fluggäste vor allem bei Kurzstreckenflügen wünschen, noch unabhängiger von Serviceschaltern zu sein.

„Passagiere waren noch nie so mächtig wie heute. Selbstbedienungslösungen reichen von mobilem Check-in und mobiler Gepäcksaufgabe bis zur automatischen Grenzkontrolle“, so IATA-Direktor Pierre Charbonneau. Menschen würden ihre Mobilgeräte verwenden, um ihre Reise selbst unter Kontrolle zu haben: „Sie erwarten einfachen Zugang zu der Information, die sie benötigen, genau dann, wenn sie sie benötigen.“

63 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Echtzeitinformationen während des Fluges - also die Möglichkeit, am Handy Wartezeiten an bestimmten Kontrollstellen beim Boarding oder für Anschlussverbindungen abrufen zu können.

Fluggäste finden WLAN an Bord sehr wichtig

Auch an Bord wollen die Fluggäste am liebsten nicht auf WLAN verzichten: 73 Prozent wollen im Internet surfen, 62 Prozent würden gerne ihre E-Mails checken und genauso viele möchten via Instant Messenger in Kontakt mit der Erde bleiben. Für Fluglinien ist diese Entwicklung nicht ganz unpraktisch: Die Kunden sind bereit, extra für eine Internetverbindung auf ihren Mobilgeräten zu bezahlen - bei der österreichischen Lufthansa-Tochter Austrian sind das derzeit drei bis zwölf Euro, je nach gebuchtem Paket. Was sich - zumindest laut Austrian - nicht so schnell durchsetzen wird, ist das Telefonieren an Bord. Das sei auf expliziten Kundenwunsch weiterhin nicht möglich.

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